#230052 - 02/01/08 09:52 AM
Luft raus
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Naja, vielleicht ein etwas verfrühter `Schwanengesang´  - aber dennoch: The Rise and Fall of The American EmpireOb Bildung, Gesundheit, Wirtschaft oder Geopolitik: Die USA fallen gegenüber fast allen Industriestaaten zurück. Zu einem großen Teil sind diese Entwicklungen direkt auf die Politik der Regierung Bush zurückzu- -führen.Von Jörg Häntzschel"Unser Land ist im Krieg, unsere Wirtschaft befindet sich in der Rezession, und die zivilisierte Welt steht nie zuvor gekannten Gefahren gegenüber. Dennoch ist unsere Nation stärker denn je." George Bush sagte das in seiner Rede zur Lage der Nation. Nicht am vergangenen Montagabend, sondern vor sechs Jahren, wenige Monate nach dem 11. September.
Seitdem ist ein zweiter Krieg hinzugekommen, die Wirtschaft steuert in die nächste Rezession, und die Gefahren sind dieselben geblieben. Selbst Bushs Optimismus versagt da: "stronger than ever" würde er das zerrupfte Land, das er seinem Nachfolger hinterlässt, nicht mehr nennen.
Es braut sich etwas zusammen in Amerika, und nicht nur, weil die Banken zu gierig und zu leichtfertig waren mit ihren Hypotheken, die Mittelklasse leidet und der Dollar fällt. Das Land, einst das reichste, modernste und gesündeste der Welt, fällt gegenüber anderen Nationen in fast allen Bereichen zurück.
Anzeichen dafür häufen sich seit langem. Doch die dahindonnernde Wirtschaft der letzten Jahre und der sagenhafte Konsum, den sie den Amerikanern erlaubte, wirkten wie Botox in Amerikas faltigem Gesicht. Nun, da so viel Geld in die Tanks all der übergroßen Autos fließt, und da es vorbei ist mit dem ständigen Wertzuwachs bei den Immobilien, der für Millionen Familien eine Art zweites Einkommen darstellte, gerät auch der Konsum ins Stocken. Und plötzlich, ohne die Ablenkung, die der neue Jeep, der neue Flachbildfernseher spendet, wird die hässliche Realität sichtbar. Amerika sieht in den Spiegel - und erschrickt.
Es ist nur 15 Jahre her, da stand Amerika plötzlich als einzige Supermacht auf der Weltbühne. Der Kalte Krieg war gewonnen, eine Ära unangefochtener US-Hegemonie stand ins Haus. Wie inspirierend die sein konnte, illustrierte zunächst die große Dot-Com-Euphorie. Doch die Blase platzte, dann kam der 11. September, und Amerika vergaß über Trauer, Terrorangst und Krieg den Rest der Welt.
Nun, da es wieder aufsieht, ist von Status und Größe wenig geblieben. Europa steht besser da denn je. Asien feuert aus allen Zylindern. Und Amerika? Das Cover des jüngsten New York Times Magazine zeigt das riesige Land als Winzling zwischen zwei Fingern. Titel: "Wer hat die Supermacht geschrumpft?"
Die strategische Schwächung durch das fatale Irak-Abenteuer, die ungeschickte Iran-Politik und das Fehlen von Erfolgen in Nahost liegen auf der Hand. Die Wirtschaft geht durch eine Phase unglaublichen Tumults. Der fallende Dollar und die Finanzkrise, die viele Banken nur mit Geldspritzen von Konkurrenten aus dem Nahen Osten überlebten, die sich dabei wertvollen Einfluss sicherten, sind nur die nachrichtenträchtigsten Symptome.
Und die Rezession wird in ein paar Monaten durchlitten sein. Doch es ist ein viel langfristigerer und beunruhigender Trend zu beobachten: Ausgerechnet Amerika erweist sich als der Hauptverlierer der Globalisierung, die doch bislang immer als Homogenisierung der Welt unter amerikanischen Vorzeichen verstanden wurde.Während die globalen Marktkräfte in Europa gezügelt werden, fehlen in Amerika solche Schutzmechanismen - zum Schaden der Industrie und ihrer Arbeiter. Und auch geographisch kämpfen die USA plötzlich mit einem Handicap. Der Schwerpunkt der wirtschaftlichen Dynamik verlagert sich vom Atlantik nach Eurasien. Die USA sehen aus der Ferne zu. ...Nun ja, das übertriebene Lob mit der europäischen Brille ist vielleicht etwas zuviel des Guten, aber ansonsten...  Ragon, The Quiet American
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#351741 - 04/23/08 11:22 AM
Re: Luft raus
[Re: daedalus]
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#352157 - 05/10/08 04:43 AM
Re: Luft raus
[Re: Ddraigfyre]
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Ein Berater von Barack Obama, Robert Malley, mußte nun seinen Hut nehmen, um Obamas Wahlchancen nicht zu sehr zu schmälern. Der Grund für seine Demission: Er hatte es doch tatsächlich gewagt, als Mitglied der regierungsunabhängigen "International Crisis Group" mit Hamas-Vertretern zu REDEN!!!! Was natürlich prompt von den Republikanern ausgeschlachtet wurde. Armes Amerika. Ich behaupte mal: Genau SOLCHE Leute wie Malley, die sich sozusagen privat und unabhängig von Regierungsorganisationen für den weltweiten Frieden engagieren, bräuchte dieses Land. Und so einer wird dann wieder weggeekelt ... Den Republikanern wäre zu wünschen, daß Obama die Wahl gewinnt und dann Malley zum neuen Außenminister ernennt. 
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#352663 - 05/30/08 07:21 AM
Re: Luft raus
[Re: Ralf]
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#353556 - 07/07/08 02:54 PM
Re: Luft raus
[Re: Ralf]
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... derweilen auf "der anderen Seite": Wahlkampf in den USA - Obamas waghalsige PirouettenDer charismatische Demokrat will unbedingt Präsident werden, deshalb räumt er nun linke Positionen und betont nun auch konservative Grundwerte. Das wirft die Frage auf: Wo steht Obama wirklich?Ein Kommentar von Reymer KlüverWenn es einen Schwur des demokratischen Hoffnungsmannes Barack Obama gibt, dann ist es sein Versprechen, unverzüglich aus dem Irak abzuziehen. Unumstößlich - oder? Pustekuchen.
Obama hat sich nun ausbedungen, die Abzugsstrategie zu "verfeinern", wie er sich ausdrückt. Das heißt nichts anderes, als dass sein Versprechen eines raschen Abzugs nicht mehr gilt. Auch wenn Obama nun angesichts des einsetzenden Proteststurms zurückrudert und das Gegenteil behauptet.
Für rechtgläubige Linke und politische Traumtänzer mag das ein ungeheurer Treuebruch sein. Tatsächlich ist diese Korrektur nur Teil eines breit angelegten Strategiewechsels, eines, wie ein amerikanischer Kolumnist es ausdrückt, "langen Marsches zur Mitte". Richtiger ist: Es ist ein Sprint. Mit atemberaubendem Tempo hat Obama in den vergangenen Tagen und Wochen scheinbar unumstößliche linke Positionen geräumt oder geriert sich als Anhänger von Werten, die die Konservativen im Land schätzen.
Die Liste ist lang. Seine Vorbehalte gegen Freihandelsabkommen - schon aufgeweicht. Sein Versprechen, der Wahlkampffinanzierung enge Grenzen zu setzen - aufgegeben. Das lange vehement abgelehnte Abhörgesetz von Präsident George W. Bush - hat Obamas Stimme bekommen.
Waffenbesitz generell freigeben
Die Entscheidung des Obersten Gerichts, den Waffenbesitz generell freizugeben - begrüßt er. Aus guten Gründen hatte der Demokrat sich zuvor lange dagegen gewandt. Den weisen Spruch des Gerichts, die Todesstrafe nicht auf Kinderschänder auszudehnen, indes geißelt er. Er schränkt auch seine Unterstützung für Abtreibungen ein. Und er verspricht die von Bush initiierte staatliche Unterstützung wohltätiger religiöser Gruppen sogar zu einem "entscheidenden Teil" seiner Politik zu machen.
In den USA rückt üblicherweise jeder Kandidat im Lauf eines Präsidentschaftswahlkampfs in die Mitte. Im Vorwahlkampf müssen die Bewerber bereits die Basis der Partei für sich mobilisieren, und die steht bei den Demokraten klar links, bei den Republikanern deutlich rechts von der Mitte.
Die Präsidentschaftswahlen selbst aber werden nicht von den treuen Wahlsoldaten der Parteien entschieden, sondern von der breiten, unentschlossenen Mitte. Deshalb drängt Obama nun so auffällig und hastig dorthin. Zumal die Wahl noch keineswegs gelaufen ist, wie der knappe Vorsprung von fünf bis sechs Prozent für die Demokraten in den meisten Umfragen zeigt.
Für Obama birgt der kalkulierte Schritt zur Mitte Risiken. Sicher werden nicht wenige enttäuscht sein. Nicht nur die Heerscharen junger Wähler, die er mobilisiert hat, fühlen sich zu ihm hingezogen, weil er scheinbar einen neuen Politikertypus verkörpert. Der seine Positionen nicht an politischer Opportunität orientiert, sondern mutig für seine Überzeugungen einsteht.
Desillusionierte Idealisten und enttäuschte Linke
Der die Einflüsterungen der Lobbyisten verachtet und geradlinig seinen Weg geht. Kurzum: der anders ist als alle anderen. Diesen Nimbus riskiert er nun. Obama ist eben doch ein Politiker wie andere auch - nur zugegeben, ein hochbegabter.
Doch desillusionierte Idealisten und die enttäuschte Linke wird Obama verkraften können. Sie werden ihn ohnehin wählen. Wen auch sonst? Der Kandidat der Fundamentalopposition, Ralph Nader, ist anders als vor acht Jahren, als er Al Gore Stimmen zum Sieg nahm, keine Alternative. Die Demokraten wollen siegen. Nach acht langen Bush-Jahren haben sie nur ein Ziel: Die Republikaner müssen weg. Das weiß Obama. Er nutzt es, um sich Spielraum zu verschaffen - auch in der Frage des Irak-Kriegs.
Das ist berechtigt, und nur Schwärmer hatten dies nicht erwartet. Doch der Umfang der Kurskorrekturen, die Zahl der politischen Pirouetten ist schon bemerkenswert. Das wirft eine ebenfalls berechtigte Frage auf: Wo steht Obama wirklich? In Wahrheit gibt es darauf nur eine Antwort: Niemand weiß es genau. ----------------------------------------------------------------------------Ragon, kein "Wendehals" 
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#353592 - 07/09/08 08:23 AM
Re: Luft raus
[Re: Ddraigfyre]
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Von ganz oben runter, einen Blick auf die Basis geworfen: Die Krise der Trucker - Jeder Tropfen zähltSie verbinden Küsten und Städte, ohne sie wären die USA nicht zu versorgen, doch gegen die Diesel-Kosten sind auch Cowboys der Straße ohnmächtig.Von Nikolaus PiperLou Esposito weiß, wie man Sprit spart. Er schaltet einen Gang höher, das Zehn-Gang-Getriebe reagiert, der 550-PS-Motor ändert kaum hörbar seine Drehzahl. "Du musst immer untertourig fahren, 1700 Umdrehungen, nicht mehr. Sobald du drüber bist, geht das in die Kosten."
Einmal pro Woche fährt Lou Esposito diese Strecke: Von Douanesburg im Bundesstaat New York Richtung Süden bis Edison in New Jersey und zurück nach Albany, ein Neun-Stunden-Trip, Ladezeiten und Tankstopps inklusive. Er schafft auf der Strecke pro Gallone (3,78 Liter) Diesel sieben Meilen, das entspricht einem Verbrauch von 33,6 Litern auf 100 Kilometer. Eine respektable Leistung, denn als Branchennorm gelten 42,5 Liter. Und heute kommt es auf ein paar Liter an. An diesem Morgen hat Lou Esposito in Mahwah, an der Grenze zwischen New Jersey und New York, getankt, für stolze 740 Dollar. Anfang vorigen Jahres musste er für eine Tankfüllung noch die Hälfte zahlen, und das galt schon als sehr teuer. ...
Der Freightliner rollt auf den Hof eines Lagerhauses. "Fond du Lac Cold Storage" ist eines der größten Weindepots der Ostküste: 170.000 Kubikmeter Lagerraum, Platz für 14.000 Paletten Wein und unzählige Kisten Käse aus Europa. Im Büro warten Trucker aus allen Ecken des Landes, bis ihr Auftrag abgewickelt wird. Auch bei ihnen ist die Energiekrise das wichtigste Thema. "Es ist hart, du kommst kaum noch auf deine Kosten", sagt Chester Davis aus Richmond in Virginia. Dennis Osborne, der 16 Stunden Fahrt von Wisconsin hinter sich hat, erklärt, wie man ein paar Gallonen mehr aus dem Lkw herausholt: "Du musst den Reifendruck regelmäßig kontrollieren und das Tempolimit einhalten. Du setzt Propan zu, dann verbrennt der Diesel besser." Auf dem Hof steht sein Lkw, der ist mit allem ausgestattet, was die neue Zeit des teuren Diesels erfordert: Die Zugmaschine ist aerodynamisch perfekt und sieht aus wie ein Raumschiff, keine chromblitzenden Auspufftürme mehr, aber hinten ein kleines Hilfsaggregat: ein Dieselmotor, der das Fahrerhaus mit Energie versorgt. Der Fahrer kann dann bei Pausen den Motor ausschalten. ...
Auch das Geschäftsmodell des Lagers Fond du Lac in Edison ist durch niedrige Energiepreise und hohe Grundstückspreise vorgegeben. In Manhattan ist Grund und Boden so teuer, dass sich selbst Spitzenrestaurants keine großen Weinkeller leisten können. Also haben sie ihre Vorräte am Fond du Lac ausgelagert; jeden Tag bringt eine kleine Armada von 38 Kleinlastern den Wein über den Hudson nach New York. Wahrscheinlich haben die Inhaber des Lagers Glück: New York wird auch künftig so teuer bleiben, dass sich das Modell auch noch bei sechs oder sieben Dollar pro Gallone lohnen dürfte.
"Wir sind konservativ"
Lou Esposito bringt den Wein in den Norden, in ein Lager nahe Albany, der Hauptstadt des Staates New York. Bei jedem Schlagloch spürt man jetzt das Gewicht von 22 Paletten Wein hinten im Auflieger. Er hat sein Satellitenradio
eingeschaltet, keine Musik, sondern Talkradio. Glenn Beck, ein bekannter konservativer Radio-Talker, erzählt, wie wichtig für jeden Amerikaner das Recht ist, eine Waffe zu tragen. "Trucker sind konservativ", sagt Lou Esposito. Er selbst glaube auch nicht "an den ganzen Quatsch mit der Erderwärmung". "Ja, die Erde erwärmt sich, aber das tut sie schon seit der letzten Eiszeit." Bei der Wahl will Esposito für John McCain stimmen. "Der liebt sein Land, das kann man von allen anderen nicht sagen." Amerikas Trucker sind ein politischer Faktor, wegen ihrer Zahl, aber auch, weil sie ein Symbol für das durchschnittliche, patriotische Amerika sind. Sie gehören zu jenen Kräften, die als Konsequenz aus der Energiekrise fordern, Ölbohrungen in Alaska und in den Küstengewässern zuzulassen. McCain hat sein früheres "Nein" zu diesen Projekten bereits zurückgenommen. Für die Zukunft sieht Lou Esposito schwarz: "Das Land ist auf keinem guten Weg. Bei fünf Dollar für Diesel kann Amerika nicht überleben."Ragon, der Magier
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