#350795 - 04/06/08 04:16 AM
Re: serien
[Re: Pergor]
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Archmage
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Loc: Franken
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Werden nicht in Österreich und/oder der Schweiz die Filme im TV grundsätzlich im Zweikanalton ausgestrahlt? Sowas würde ich mir schon seit langem auch für Deutschland wünschen, einfach eine Wahlmöglichkeit. Aber nein, selbst bei den Ö-Rs wird nur alle Jubeljahre mal ein Film im Zweikanalton gezeigt ... Aber Themenwechsel. Bei den Fantasy Filmfest Nights sah ich gestern: SUKIYAKI WESTERN DJANGO: Takashi Miike ist einer der berühmtesten, erfolgreichsten, auch besten, aber vor allem kontroversesten Regisseure Japans. Und hat deshalb schon lange Kultcharakter. Außerdem ist er sehr vielseitig interessiert und so gibt es kaum ein Genre, das er nicht bereits ausprobiert hat: Vom kafkaesken Psycho-Thriller ("Gozu") über brutale Gangster-Filme ("Ichi the Killer") bis hin zum Teenie-Thriller im Hollywood-Stil ("One Missed Call", gerade läuft das US-Remake in den deutschen Kinos). Vieles, was der Workaholic (laut IMDB 76 Filme seit 1991!) anfaßt, geht total in die Hose, aber vieles funktioniert auch wunderbar. Fast alle seiner Filme haben jedoch eines gemeinsam: Einen häufig sehr verqueren Sinn für Humor ... Ein Genre, das ihm bislang noch fehlte, war ein Western. Und den hat er mit "Sukiyaki Western Django" geschaffen. Aber nicht nur irgendeinen Western: Sogar einen typischen Spaghetti-Western! Die zugrundeliegende Story um einen schweigsamen Fremden, der in einen von zwei gewalttätigen, verfeindeten Banden tyrannisiert wird, erinnert natürlich stark an Kurosawas "Yojimbo" bzw. dessen Remakes "Für eine Handvoll Dollar" und "Last Man Standing". Aber das ist bei weitem nicht die einzige Anspielung. Miike schafft es allen Ernstes, selbst das Werk Shakespeares in der Handlung unterzubringen, eine Art japanischen Gollum und einen Gastauftritt von Quentin Tarantino! Man ahnt es schon: Auch Miikes Western-Versuch ist ziemlich humorig geraten, teilweise sogar richtig albern. Um Logik schert sich Miikes sowieso nicht: Da hüpft schon mal ein tödlich verwundeter Charakter am nächsten Tag quicklebendig in der Gegend herum und wenn man für das letzte Duell eine schneebedeckte Landschaft á la "McCabe & Mrs. Miller" braucht, dann schneit es eben in Sekundenschnelle einen Meter Schnee ...  Eine Besonderheit ist übrigens auch, daß der bis auf Tarantino ausschließlich mit asiatischen Darstellern besetzte Film auf Englisch gedreht wurde (und gestern dazu mit englischen Untertiteln lief): Das soll vor allem auf Festivals in englisch-sprachigen Ländern für mächtig Erheiterung gesorgt haben, denn lediglich die männlichen Hauptdarsteller (und natürlich Tarantino) sprechen einigermaßen flüssig Englisch. Der Rest ist zwar - wie ich finde - gut zu verstehen (daher fand ich die Untertitel auch überflüssig), klingt aber in etwa so wie jemand, der die Sprache erst seit kurzem lernt und vor allem mit der richtigen Aussprache so seine Probleme hat: Relativ langsam, zögerlich, mit ernsthaften Problemen beim "th".  Das ganze ist zunächst recht lustig, man gewöhnt sich aber schnell daran. Denn: Trotz allem, was ich bislang schrieb, ist "Sukiyaki Western Django" im Grunde genommen ein echter, klassischer Western. Die Story ist recht simpel gehalten, entwickelt sich aber teilweise recht überraschend und vor allem widmet Miike den Hauptfiguren erstaunlich viel Zeit zur Entwicklung. Somit ist es Miike - auch mit guter Musik, ein paar technischen Gimmicks und tollen Landschaftsaufnahmen - tatsächlich gelungen, gleichzeitig Hommage an und hemmungslose Veralberung von (Italo-)Western zu kreieren. Das Resultat funktioniert ziemlich gut und ist bis zum spektakulären Showdown sehr unterhaltsam, dennoch frage ich mich, ob nicht ein noch besserer Film rausgekommen wäre, hätte sich Miike auf einen Aspekt konzentriert (im Idealfall den ernsthaften Western). Und die Sache mit den englischsprachigen Japanern? Ehrlich gesagt würde ich den Film wirklich gerne irgendwann in synchronisierter Form sehen. Ich weiß nicht, was dem Film insgesamt besser stehen würde. Fazit: "Sukiyaki Western Django" ist ein mit jeder Menge verrückter Ideen und vielen Albernheiten Gewürzter Spaghetti-Western, der seine zugrundeliegende Story viel ernster nimmt, als es auf den ersten Blick scheint. Ein Film für ein experimentierfreudiges, offenes Publikum.  7,5 Punkte. P.S.: Was ich WIRKLICH liebe: Typen, die - vorzugsweise in engen Durchgängen - im Schneckentempo und in Schlangenlinien rumschleichen, weil sie unbedingt mit dem *zensiert* Handy telefonieren müssen - und einen dann auch noch wüst beschimpfen, wenn man sie beim Überholversuch zwangsläufig anrempelt ...
Edited by Ralf (04/06/08 04:18 AM)
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#350798 - 04/06/08 04:37 AM
Q
[Re: Ralf]
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Archmage
Registered: 03/10/03
Posts: 5510
Loc: Germany
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Werden nicht in Österreich und/oder der Schweiz die Filme im TV grundsätzlich im Zweikanalton ausgestrahlt? Sowas würde ich mir schon seit langem auch für Deutschland wünschen, einfach eine Wahlmöglichkeit. Aber nein, selbst bei den Ö-Rs wird nur alle Jubeljahre mal ein Film im Zweikanalton gezeigt ... In der Tat... SF und (leider immer seltenern) ORF strahlen mehr oder weniger grundsätzlich in Zweikanalton aus... selbst Serien kann man somit im Original anschauen. Gut, da würden nun die Untertitel fehlen und damit dieses Argument wegfallen, aber wer es mag, kann halt dennoch umstellen. Das Argument lautet wohl: Geld. Scheinbar sind den deutschen Sendern die Kosten für die zusätzlichen Kosten zu hoch. Was wiederum verständlich ist, da eben viele deutsche Zuschauer keinen Wert auf die Originalsprache legen - was ebenfalls verständlich ist, da die Synchronisation in Deutschland mit zu den besten auf der Welt gehört. P.S.: Was ich WIRKLICH liebe: Typen, die - vorzugsweise in engen Durchgängen - im Schneckentempo und in Schlangenlinien rumschleichen, weil sie unbedingt mit dem *zensiert* Handy telefonieren müssen - und einen dann auch noch wüst beschimpfen, wenn man sie beim Überholversuch zwangsläufig anrempelt ... Ich hoffe, du hast energisch zurück geschimpft!
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Nigel Powers: "There are only two things I can't stand in this world. People who are intolerant of other people's cultures... and the Dutch!"
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#350801 - 04/06/08 05:03 AM
Re: serien
[Re: Ralf]
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Ancient Dragon
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Loc: Krynn
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Eine Besonderheit ist übrigens auch, daß der bis auf Tarantino ausschließlich mit asiatischen Darstellern besetzte Film auf Englisch gedreht wurde (und gestern dazu mit englischen Untertiteln lief): Das soll vor allem auf Festivals in englisch-sprachigen Ländern für mächtig Erheiterung gesorgt haben, denn lediglich die männlichen Hauptdarsteller (und natürlich Tarantino) sprechen einigermaßen flüssig Englisch. Der Rest ist zwar - wie ich finde - gut zu verstehen (daher fand ich die Untertitel auch überflüssig), klingt aber in etwa so wie jemand, der die Sprache erst seit kurzem lernt und vor allem mit der richtigen Aussprache so seine Probleme hat: Relativ langsam, zögerlich, mit ernsthaften Problemen beim "th".  Das ganze ist zunächst recht lustig, man gewöhnt sich aber schnell daran. Vorsicht, Vorsicht !!! Die Asiaten sind mächtig stolz auf jedes Bröckchen Fremdsprache, das sie beherrschen - ist es doch ein Zeichen von Weltoffenheit und Bildung. In japanischen Animes z.B. kommen ja recht viele englische, deutsche und teilweise französische Begriffe vor, die mit einer tiefen Ernsthaftigkeit ausgesprochen werden - jedoch mangels Kenntnis der korrekten Aussprache hierzulande grundsätzlich für große Belustigung sorgen. Und nein, ohne Untertitel würde man kein Wort "japanisches" Englisch oder Deutsch verstehen ... (Einer meiner Favoriten: "Blutsauger", japanisch gesprochen "Pludde Saukere") 
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#350803 - 04/06/08 05:53 AM
Re: serien
[Re: Ddraigfyre]
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Archmage
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Posts: 9125
Loc: Franken
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Ja, das kenne ich (allerdings nicht nur von asiatischen Filmen), aber hier ist es meines Erachtens wirklich gut verständlich - nur klingt es halt eben relativ lustig (vor allem, wenn auch noch das Alt-Englisch von Shakespeare rezitiert wird :D). Mit Sicherheit ein gezielt eingesetzter Effekt von Miike (vielleicht auch als Anspielung auf die meines Wissens ebenfalls oft auf Englisch gedrehten Italo-Western, in denen ja die meisten Nebenrollen dennoch mit Italienern besetzt waren, die vermutlich auch nicht immer einwandfreies Englisch sprachen - habe leider noch keinen Italo-Western in der Originalfassung gesehen und gehört ... ;)). Dennoch kann ich mir wie gesagt vorstellen, daß eine diesbezüglich humorlose Synchronfassung besser funktionieren würde. Elgi: Ja, ich habe zurückgeschimpft, aber nur kurz und im Weitergehen (im Gegensatz zu ihm aber mit druckfähigen Formulierungen - man will ja stets Niveau bewahren, nicht wahr? :D), weil ich die S-Bahn nicht verpassen wollte. Eine Stunde Wartezeit für fünf Minuten Schimpfwort-Duell war mir dann doch ein zu hoher Preis.  Edit: Mist, ich werde wohl noch brauchen, bis ich mich an die neue Schreibweise für  gewöhne ...
Edited by Ralf (04/06/08 05:54 AM)
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#350813 - 04/06/08 09:27 AM
Re: Q
[Re: elgi]
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Angel
Registered: 03/10/03
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Loc: Germany
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Das Argument lautet wohl: Geld. Scheinbar sind den deutschen Sendern die Kosten für die zusätzlichen Kosten zu hoch. Ist es nicht auch so, dass Zweikanalton = kein Stereo und kein Stereo = keine Surround-Informationen bedeutet? Also nur Mono? Insofern waer mir meistens dann doch bessere Soundqualitaet wichtiger als mehr Sprachen. Wobei richtiger Mehrkanalton doch heute technisch kein Problem mehr sein sollte, wo doch teils sogar in HDTV ausgestrahlt wird. Da wird doch wohl noch etwas Bandbreite fuer ein, zwei Extrasprachen uebrig sein.
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#350822 - 04/06/08 12:18 PM
Re: Q
[Re: Ragon_der_Magier]
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Archmage
Registered: 03/11/03
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Loc: Franken
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Mal ein Kinotip, ohne den Film selbst schon gesehen zu haben: Sharkwater Wie man auf der Homepage sieht, mit Auszeichnungen überhäuft und in den letzten Wochen habe ich auch schon einige Berichte in den diversen Nachrichten- und Kultursendungen gesehen, die ausnahmslos sehr positiv ausgefallen sind. Als Haie-Fan (nein, NICHT die Kölner Haie ;)) hoffe ich, daß der Film gerade mit der nicht geplanten Wendung mit den illegalen Hai-Jägern (siehe Rubriken "Inhalt, "Shark Finning" und "Anm. des Regisseurs") ein Erfolg wird und vielleicht sogar ein bißchen was bewirken kann ...
Edited by Ralf (04/06/08 12:19 PM)
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#350824 - 04/06/08 12:25 PM
Re: Q
[Re: Ragon_der_Magier]
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Archmage
Registered: 03/10/03
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Loc: Germany
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... Scheinbar sind den deutschen Sendern die Kosten für die zusätzlichen Kosten zu hoch. Pardon? Extra für dich rephrasiere ich: "Scheinbar sind den deutschen Sendern die Kosten für die zusätzlichen Sprachen zu hoch." Sonst alles klar und verständlich?
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Nigel Powers: "There are only two things I can't stand in this world. People who are intolerant of other people's cultures... and the Dutch!"
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#350856 - 04/07/08 04:18 AM
Re: Q
[Re: Ddraigfyre]
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Archmage
Registered: 03/11/03
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Loc: Franken
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Auf diese Kombination reagiert der Mensch nicht mit Vernunft, sondern rein instinktiv: Er versucht diese Bedrohung zu töten, wo immer sie ihm begegnet. Zudem hat der Hai nicht den plüschigen "Knuddelbonus" von Landraubtieren wie Bären, Löwen, etc. sondern wirkt emotionslos und fremdartig.
Stimmt, denn wie ich einem der TV-Berichte gesehen habe, gibt es im Film auch einen schönen tabellarischen Vergleich der Todesfälle durch Haie (5 pro Jahr) mit Todesfällen durch Autounfälle, Hunger, Alkohol etc. Natürlich weiß man das, aber so schwarz auf weiß sieht das gleich noch mal beeindruckender aus. Allerdings muß man auch sagen, daß Haie heutzutage vor allem aus wirtschaftlichen Gründen gejagt und getötet werden - als Essen oder "Medizin". Achja, und: Mal ehrlich, so viel besser behandelt der Menschen Bären, Löwen u.ä. auch nicht unbedingt ... Nur ist es für engagierte Organisationen an Land eben etwas einfacher, die Tiere in Nationalparks o.ä. zu beschützen. Im Meer geht das leider schlecht und wenn man es doch versucht, drohen einem Versenkung und/oder rechtliche Folgen ... 
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#351731 - 04/23/08 04:37 AM
Re:
[Re: Ddraigfyre]
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Archmage
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Loc: Franken
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TÖDLICHE ENTSCHEIDUNG: Andy (Philip Seymour Hoffman) und Hank Hanson (Ethan Hawke) sind Brüder, wie sie unterschiedlicher kaum sein könnten: Andy ist ein durchaus erfolgreicher, aber drogenabhängiger Buchhalter, Hank ein kleiner Loser, der die Alimente für Ex-Frau und Tochter kaum aufbringen kann. Eines haben sie gemeinsam (eigentlich sogar zwei Dinge, aber das zweite wäre ein kleiner Spoiler ;)): Sie brauchen dringend Geld! Daher fällt es Andy nicht schwer, seinen kleinen Bruder zur Teilnahme an einem narrensicheren Plan zu überreden. Natürlich geht der Plan - ein kleines Juweliergeschäft auszurauben - furchtbar schief. Der Film zeigt nun in kunstvoll erzählten Rückblenden, wie es dazu kam und welche Folgen der gescheiterte Raub zeitigt ... Zunächst muß ich wieder mal mit dem deutschen Titel schimpfen: "Tödliche Entscheidung" - geht´s noch ein wenig langweiliger, bitte? Zum Vergleich: Der Originaltitel lautet in voller Länge: "(May you be in Heaven half an hour ...) Before the Devil knows you´re dead". Na, ist das ein Titel? Zugegeben, an der Kinokasse ist die deutsche Version wohl effektiver - aber halt so unfaßbar langweilig!  Naja, genug gemeckert.  Sollte dies der letzte Film des 83-jährigen Regie-Altmeisters Sidney Lumet sein, dann wäre es ein außerordentlich würdiger Abschluß seines filmischen Schaffens, das immerhin Meisterwerke wie "Die 12 Geschworenen", "Hundstage", "Network", "Serpico" und "The Verdict" umfaßt! (Allerdings ist bereits ein weiterer Film namens "Getting Out" in Vorbereitung, der 2009 in die Kinos kommen soll) Man sieht "Tödliche Entscheidung" an, daß Lumet aus einem riesigen Erfahrungsschatz schöpfen kann und sich nebenbei auch die besten Elemente anderer Filme zusammensucht. Die Art und Weise, wie die Rückblicke Stück um Stück von etwas enthüllen, was sich mit fortlaufender Handlung zu einer Tragödie wahrhaft altgriechischen Ausmaßes entwickelt, erinnert beispielsweise an "Rashomon", "Memento" oder "Irreversibel". Aber natürlich, ohne bloß einfallslose Kopie zu sein. Dafür ist ein Sidney Lumet immer noch viel zu gut. Zugestanden, manchem Zuschauer mag die Story etwas zu sehr konstruiert vorkommen, aber warum sollte sich ein Lumet von solchen Kleinigkeiten noch stören lassen? Die Geschichte funktioniert. Auch, vielleicht sogar gerade WEGEN der immer neuen unglaublichen Puzzle-Teilchen, die aus einem einfachen mißglückten Raubversuch innerhalb von etwa 100 Filmminuten ein regelrechtes Monster an Unglück und Tragik werden lassen. Im Zentrum der Geschichte steht stets Andy. Was allerdings nicht mal unbedingt am Drehbuch (das natürlich auch von Lumet stammt) liegt, sondern primär an seinem Darsteller Philip Seymour Hoffman. Wie schon in seiner OSCAR-prämierten Rolle als "Capote" bringt er all seine körperliche und darstellerische Wucht in den Film ein und schafft es tatsächlich, seinen Andy - eigentlich ein ziemlicher Arsch - beinahe sympathisch rüberkommen zu lassen. Oder zumindest Verständnis für ihn und sein Verhalten zu entwickeln. Leider ist Hoffmans Glanzleistung jedoch in gewisser Hinsicht ein Problem, denn Ethan Hawke ist ihm in keiner Sekunde gewachsen. Wohlgemerkt, Hawke ist ein guter Schauspieler und normalerweise schätze ich ihn sehr (schon aus guter alter "Club der toten Dichter"-Nostalgie :)). Aber wenn er gemeinsam mit Hoffman im Bild ist, bemerkt man ihn kaum - so sehr dominiert Hoffman die Szenerie! Die anderen Hochkaräter im Cast - speziell OSCAR-Gewinnerin Marisa Tomei mit ihrer besten Vorstellung seit Jahren als Andys Frau und der fünffach OSCAR-nominierte Albert Finney als Vater Hanson - schneiden wesentlich besser ab. Genau übrigens wie die sehr schöne Musik von Carter Burwell, dem Stammkomponisten der Coen-Brüder.  Man muß es noch mal ganz klar sagen: "Tödliche Entscheidung" ist kein echter Thriller, wie es die reine Handlungsbeschreibung vermuten lassen würde. Es ist primär ein Charakterdrama von solcher Wucht, wie man es heutzutage nur noch selten vorgesetzt bekommt. Lange Zeit eher gemächlich - vielleicht sogar ein bißchen zu gemächlich - erzählt, nimmt die Handlung in der zweiten Filmhälfte immer mehr Fahrt auf. Die vielen Rückblicke funktionieren ebenfalls, auch wenn ich zunächst meine Zweifel hatte, ob es nicht ein bißchen zu viel des Guten wäre. Fazit: "Tödliche Entscheidung" ist eine raffiniert erzählte Tragödie, die in ihrer klassischen, ruhigen Erzählweise neben dem perfiden Plot vor allem vom grandiosen Schauspiel Philip Seymour Hoffmans, Albert Finneys und Marisa Tomeis lebt und nur durch die IMHO Fehlbesetzung Ethan Hawkes, ein paar kleinere Längen und vielleicht ein oder zwei Story-Enthüllungen zu viel am Meisterwerk-Status vorbeischrammt. 8,5 Punkte.
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#351989 - 05/02/08 09:52 AM
Re:
[Re: Ralf]
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Archmage
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Loc: Franken
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Edited by Ralf (05/02/08 10:05 AM)
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