#457236 - 08/19/12 08:16 PM
Re: Merkwürdige E-Mails
[Re: elgi]
|
Death Dragon
Registered: 04/04/05
Posts: 2741
|
Wenn also die sog. Religionskritik nichts weiter ist, als die Gefühle zahlreicher Menschen zu verletzen - indem man z.B. Mohammed als Symbol des Glaubens verunglimpft, wohlwissend, daß dies nicht gern gesehen ist... oder indem man ein Stück aufführt, "in dem eine (neuzeitliche) 'Marie' durch eine verunreinigte Klobrille befruchtet wird und daraufhin ein Fall von 'Jungfrauengeburt' eintritt" (Zitat Wikipedia) -, ja, in diesen Fällen geht es meiner Meinung nach nicht um Religionskritik, sondern schlichtweg um Unruhestiftung und Beleidigung. Und in diesen Fällen finde ich eine rechtliche Möglichkeit der Auseinandersetzung OK. Man kann sich dann darüber streiten, wie die Strafen ausfallen können, aber daß Millionen von Menschen eine Verunglimpfung der Dinge, an die sie nun einmal glauben, nicht tatenlos hinnehmen müssen, finde ich in Ordnung. Ich frage mich allerdings, wieso die Religion hier eine Extrawurst gebraten bekommen soll. Man kann auch von nicht religiösen Dingen innerlich zutiefst überzeugt sein. Soll es dann etwa auch in politischer Hinsicht so sein, dass "Millionen von Menschen eine Verunglimpfung der Dinge, an die sie nun einmal glauben, nicht tatenlos hinnehmen müssen"? Ich finde nicht. Satiriker dürfen gnadenlos über alle politischen Überzeugungen herziehen und das sollte auch für religiöse (und sonstige) Überzeugungen gelten. Dass es weder ratsam noch rücksichtsvoll ist, sich von Angesicht zu Angesicht über die Überzeugungen eines Menschen lustig zu machen, mag ja sein. Aber wieso soll das allgemein für Schriften und öffentliche Veranstaltungen gelten? Wenn beispielsweise ein überzeugter FDP-Anhänger nicht darüber lachen kann, dass ein Kabarettist sich über seine Partei lustig macht, dann geht er einfach nicht in dessen Vorstellungen und liest dessen Bücher nicht. Etwas in dieser Art kann man doch von religiösen Menschen auch erwarten, oder? Das mit der verunreinigten Klobrille mag ja nicht sonderlich geschmackvoll sein, aber ich finde, es ist durchaus eine Art von Religionskritik, die mit kabarettistischen Darbietungen vergleichbar ist. Meiner Ansicht nach geht es nicht um Beleidigung, sondern um Kritik an einem kirchengeschichtlich sehr umstrittenen Dogma, wenn auch in ziemlich provokanter Form. Wer so etwas nicht sehen will, dem steht es ja frei, sich dieses Stück nicht anzuschauen. Ich finde es unangemessen, das Stück deswegen ganz zu verbieten oder den Autor/Regisseur deswegen zu bestrafen. Strafen sind bei reinen Beleidigungen von Einzelpersonen oder Menschengruppen etwa in der Aussage "Alle Christen sind Idioten" genauso in Ordnung wie bei der Aussage "Alle FDP-Wähler sind Idioten". Aber Kritik an Überzeugungen sollte erlaubt sein, ob sie nun religiöser Natur sind oder nicht, und das auch in provokanter Form. Oder weshalb sind religiöse Überzeugungen schützenswerter als politische?
|
|
Top
|
|
|
|
#457237 - 08/19/12 08:47 PM
Re: Merkwürdige E-Mails
[Re: Lurker]
|
Archmage
Registered: 03/10/03
Posts: 5507
Loc: Germany
|
Aber Kritik an Überzeugungen sollte erlaubt sein, ob sie nun religiöser Natur sind oder nicht, und das auch in provokanter Form. Oder weshalb sind religiöse Überzeugungen schützenswerter als politische? Zum wie vielten Mal soll ich eigentlich den Trennstrich darlegen, den ich ziehe: Wenn es eine Beleidigung um des Beleidigens willen ist, dann ist das nicht OK. Handelt es sich um eine Kritik (eben am System), die man mehr oder minder nachvollziehen kann, ist es was anderes. Ersteres kommt leider viel zu oft vor... ich weiß, wovon ich rede, ich habe es oft genug selbst gemacht. Aber es ist nicht konstruktiv und es nützt eben nichts, außer die Menschen, die es betrifft, zu beleidigen/verärgern. Das ist nicht nur auf die Religion beschränkt, sondern kann auch gerne auf die Politik ausgeweitet werden, auch wenn der Vergleich zwischen Politik und Religion doch eher sophistisch klingt... Ich gebe zu, daß ich auf meine alten Tage zu dem werde, was Ddraig als Gutmensch tituliert hat. Ich rege mich immer noch über vieles auf, aber möchte nicht mehr allzu negativ denken. Zwei besonders ausgeprägte Formen des negativen Denkens sind zum einen die Fixierung auf ein Problem statt auf dessen Lösung und zum anderen das Streben nach "negativer Gleichheit", wenn ich das mal so nennen darf. Wie eben die Aussage: Warum sollen wir die Religionen aus der Kritik herausnehmen, wenn wir doch auch die Politik so sehr kritisieren? Gutmenschlicher wäre die Frage: Sollten wir bei der Kritik an der Politik nicht ebenso vorsichtig vorgehen wie bei der Religion? (Mal abgesehen von der Trennlinie, die ich mehrfach angesprochen habe... also daß ich ja nicht mal so große Vorsicht propagiere.) Ein Beispiel für die erste Form des negativen Denkens wäre: Es ist durchaus ein Problem, daß viele Menschen sich dem dogmenhaften Religionstrieb blind hingeben. Also konfrontieren wir sie mit diesem Problem, machen wir das Problem besonders deutlich, zeigen wir es ihnen. Gutmenschlicher Ansatz wäre: Ja, das Problem besteht, aber was ist meine Lösung dafür? Bspw. mit gutem Beispiel vorangehen, daß man auch ohne Dogmen gut leben kann? In normalen Dialog mit besonders verbohrten Menschen treten? Die Religionslehren in der Theorie angreifen? Mir ist bewußt, daß das nicht unbedingt etwas bringen mag... und daß das Gutmenschliche eine schärfere Auseinandersetzung nicht ausschließt oder gar ersetzt. Aber andererseits kann ich nicht dauernd behaupten, daß die Menschen alle Scheiße sind, wenn ich dann selbst genau so große Scheiße baue. Die Probleme, die die Menschen haben und die noch deutlich schlimmer werden in Zukunft, können nicht gelöst werden, wenn sich die Menschen nicht selbst grundlegend ändern. Und diese Änderung muß bei jedem Menschen selbst stattfinden. Wenn sich die Menschen nicht ändern, werden sie z.B. auch weiterhin Religionen nachgehen und auch die FDP wählen. Erst eine Änderung zum Guten wird dafür sorgen, daß diese Geißeln der Menschheit abgeschüttelt werden. Und diese Veränderung zum Guten propagiere ich hier. P.S: Nein, bin nicht unter die Esos gegangen... und wie auch Ddraig ist das Ganze etwas tagesformabhängig. Aber prinzipiell versuche ich mittlerweile, so zu denken. (Außer natürlich bei besonders klaren Themen wie Nazi-Wichsern, BVB-Fans und Musik-/Film-/Buchdiskussionen, wo nur meine Meinung zählt!)
_________________________
Nigel Powers: "There are only two things I can't stand in this world. People who are intolerant of other people's cultures... and the Dutch!"
|
|
Top
|
|
|
|
#457249 - 08/20/12 09:27 AM
Re: Merkwürdige E-Mails
[Re: elgi]
|
Ancient Dragon
Registered: 03/10/03
Posts: 8022
Loc: Krynn
|
Ich gebe zu, daß ich auf meine alten Tage zu dem werde, was Ddraig als Gutmensch tituliert hat. Ich rege mich immer noch über vieles auf, aber möchte nicht mehr allzu negativ denken. Schlimme Sache, das mit dem Alter, ne? Man stellt irgendwann entsetzt fest, dass man immer harmoniebedürftiger wird. Und am Ende vom Lied sitzt man dann irgendwann schunkelnd im Musikantenstadl. Dagegen helfen aber zumindest eine Zeit lang Basejumping, Sportwagen und eine halb so alte Freundin. Wenn man die drei Methoden überlebt, versteht sich. Wenn sich die Menschen nicht ändern, werden sie z.B. auch weiterhin Religionen nachgehen und auch die FDP wählen. Erst eine Änderung zum Guten wird dafür sorgen, daß diese Geißeln der Menschheit abgeschüttelt werden. Und diese Veränderung zum Guten propagiere ich hier. Puh. Also die FDP jetzt in einem Atemzug mit den Religionen zu nennen, ist ewas... na ja. Wir haben z.B. 30% Katholiken in Deutschland, aber nur 3% FDP-Wähler. Die Katholiken haben so schwere Kaliber wie Papst Ratzefatz, die FDP hingegen hat nur Fräulein Westerwelle (Milchbubi Rösler lasse ich mal außen vor, den nehmen ja noch weniger ernst). Ich denke, da sollte man doch die Kirche im Dorf lassen. Gewissermaßen. Apropos Kirche und Dorf: Unsere Verfassung sieht doch eigentlich eine strikte Trennung von Staat und Kirche vor, oder nicht? Politik und Glaube dürfen sich nicht vermischen. Wenn der Verfassungsschutz damit fertig ist, sich mit den Neonazis zu blamieren, könnte er doch mal ein Auge auf die politischen Organisationen CDU und CSU werfen. Ich meine, die tragen ihre Verfassungsfeindlichkeit ja schon im Namen mit sich herum. Könnte man die nicht viel leichter verbieten, als die NPD? Und wie konnte eigentlich ein Pfaffe den Posten als Bundespräsi unterwandern? Ich wittere da eine Menge an Verschwörungstheorien...
_________________________
|
|
Top
|
|
|
|
#457275 - 08/20/12 06:30 PM
Re: Merkwürdige E-Mails
[Re: elgi]
|
Death Dragon
Registered: 04/04/05
Posts: 2741
|
Zum wie vielten Mal soll ich eigentlich den Trennstrich darlegen, den ich ziehe: Wenn es eine Beleidigung um des Beleidigens willen ist, dann ist das nicht OK. Handelt es sich um eine Kritik (eben am System), die man mehr oder minder nachvollziehen kann, ist es was anderes. Du hast deinen Standpunkt schon deutlich gemacht, aber ich finde, dass dein eines Beispiel nicht dazu passt, weil das Stück mit der verunreinigten Klobrille keine Beleidigung um des Beleidigens willen ist. Ich bin nicht mal bei der Sache mit dem beschrifteten Klopapier so sicher ... wenn jemand auf Klopapier zum Beispiel "Mao-Bibel" oder "CDU-Programm" schreiben würde, wäre das dann eine vergleichbare Beleidigung, die analog bestraft werden sollte? Ich finde, ich habe eine berechtigte Frage gestellt: Weshalb sind religiöse Überzeugungen schützenswerter als politische? Das mag dir sophistisch erscheinen, aber mich würde eine begründete Antwort von jemandem, der religiöse Überzeugungen tatsächlich für schützenswerter hält, schon interessieren. Zwei besonders ausgeprägte Formen des negativen Denkens sind zum einen die Fixierung auf ein Problem statt auf dessen Lösung und zum anderen das Streben nach "negativer Gleichheit", wenn ich das mal so nennen darf. Wie eben die Aussage: Warum sollen wir die Religionen aus der Kritik herausnehmen, wenn wir doch auch die Politik so sehr kritisieren? Das lässt sich doch ganz leicht umkehren: Bestimmte Formen der politischen Meinungsäußerung sind straffrei, daher sollten entsprechende Formen der religiösen Meinungsäußerung auch straffrei sein. Schon haben wir positive Gleichheit, nicht negative. Und die Forderung nach Abschaffung bestehender Verbote lässt sich ebenso leicht als Ansatz zur Problemlösung und damit als positives Denken auffassen.
|
|
Top
|
|
|
|
#457276 - 08/20/12 06:56 PM
Re: Merkwürdige E-Mails
[Re: Lurker]
|
Archmage
Registered: 03/10/03
Posts: 5507
Loc: Germany
|
Das mag dir sophistisch erscheinen, aber mich würde eine begründete Antwort von jemandem, der religiöse Überzeugungen tatsächlich für schützenswerter hält, schon interessieren. Da bist du bei mir an der falschen Adresse, denn der beschriebenen Meinung bin ich nicht. Das lässt sich doch ganz leicht umkehren: Bestimmte Formen der politischen Meinungsäußerung sind straffrei, daher sollten entsprechende Formen der religiösen Meinungsäußerung auch straffrei sein. Schon haben wir positive Gleichheit, nicht negative. Und die Forderung nach Abschaffung bestehender Verbote lässt sich ebenso leicht als Ansatz zur Problemlösung und damit als positives Denken auffassen. Aber du tust doch genau das, was ich versucht habe zu kritisieren. Du denkst in Verbotskategorien, weil du offensichtlich etwas im Sinne hast, was in dieser oder jener Ansicht verbietenswert wäre. Ich hingegen stelle die Frage, warum man denn etwas machen wollen sollte, was in dieser oder jener Ansicht verbietenswert wäre. Ich bin mir schon dessen bewußt, daß das sehr nach Friede, Freude, Eierkuchen klingt... und auch dessen, daß man ja im Grunde genommen an aller Kritik etwas finden könnte, woran man sich stört. In der Hinsicht verallgemeinere ich, das gebe ich zu. Aber die Tatsache, daß wir von Verboten reden, ist ja genau das, was ich meine. Wenn ich etwas auf eine Art kritisiere, die erst gar nicht in die Gefahr des Verbotenwerdens kommt, erreiche ich meiner Meinung mehr, als wenn ich eine Art und Weise wähle, die so viele Menschen so sehr verletzt, daß man überhaupt an Verbote denkt. "Mehr erreichen" heißt in diesem Zusammenhang, daß man tatsächlich da eine Änderung hervorruft, wo es auch zählt: Nämlich bei den entsprechenden Menschen. Natürlich kann man auch höchstkontrovers ein Thema ins Visier nehmen und es dabei in Kauf nehmen, zahlreiche Menschen mit der - berechtigten - Kritik vor den Kopf zu stoßen. Nur was nützt das? Ja, man hat die Kritik geäußert... toll. Ändert es etwas am Kritisierten? Ich betone noch einmal: Das heißt nicht, daß man der Mehrheit nach dem Mund reden soll. Um Gottes willen, nein. Und vor allem - noch einmal: Ich unterscheide nicht grundsätzlich zwischen Religion und Politik in der Hinsicht. Ich rede nur von den Menschen, die man mit einer Aktion zum Ziel hat.
_________________________
Nigel Powers: "There are only two things I can't stand in this world. People who are intolerant of other people's cultures... and the Dutch!"
|
|
Top
|
|
|
|
#457284 - 08/21/12 05:19 AM
Re: Merkwürdige E-Mails
[Re: Lurker]
|
Ancient Dragon
Registered: 03/10/03
Posts: 8022
Loc: Krynn
|
Weshalb sind religiöse Überzeugungen schützenswerter als politische? Ich schätze das liegt daran, dass dabei generell eine andere Wertigkeit empfunden wird. Natürlich sind politische Ansichten ebenso eine private Sache - aber eher auf einer sachlichen Ebene. Sie können sich relativ schnell ändern - zumal sich auch die politischen Programme der jeweiligen Parteien relativ schnell ändern können. Gibt ja auch genug Menschen die nicht immer dieselbe Partei wählen, sondern alle paar Jahre was anderes. Der persönliche Glaube hingegen wird weit stärker als emotionale Überzeugung empfunden und wird daher sensibler behandelt. Glaubenslehren und Dogmen ändern sich auch nicht alle Nase lang, sondern bleiben konstant. Die Leute wechseln im Gegensatz zur Politik schließlich nicht alle paar Jahre ihre Konfession. Kurz gesagt: Politik ist eine Variable, Religion hingegen eine Konstante. Und mit Konstanten gehen wir generell anders um als mit Variablen. Nämlich ernsthafter. Ob das immer richtig ist, ist eine andere Frage.
_________________________
|
|
Top
|
|
|
|
#457309 - 08/21/12 08:35 PM
Re: Merkwürdige E-Mails
[Re: Ddraigfyre]
|
Death Dragon
Registered: 04/04/05
Posts: 2741
|
Da bist du bei mir an der falschen Adresse, denn der beschriebenen Meinung bin ich nicht. Diese Frage ging auch nicht nur an dich  Aber du tust doch genau das, was ich versucht habe zu kritisieren. Du denkst in Verbotskategorien, weil du offensichtlich etwas im Sinne hast, was in dieser oder jener Ansicht verbietenswert wäre. Ich hingegen stelle die Frage, warum man denn etwas machen wollen sollte, was in dieser oder jener Ansicht verbietenswert wäre. Wenn du überlegst, was andere für verbietenswert halten könnten, um dann genau das zu vermeiden, bist doch eigentlich du derjenige, der in Verbotskategorien denkt. Ich überlege mir ja nicht, was andere für verbietenswert halten könnten, um dann genau das zu tun. Wenn man allerdings alles vermeiden wollte, was irgendein Mensch für verbietenswert hält, könnte man kaum noch etwas tun, denn bei fast allem wird es irgendjemanden geben, der dagegen ist. Ich bin mir schon dessen bewußt, daß das sehr nach Friede, Freude, Eierkuchen klingt... und auch dessen, daß man ja im Grunde genommen an aller Kritik etwas finden könnte, woran man sich stört. In der Hinsicht verallgemeinere ich, das gebe ich zu. Aber die Tatsache, daß wir von Verboten reden, ist ja genau das, was ich meine. Wenn ich etwas auf eine Art kritisiere, die erst gar nicht in die Gefahr des Verbotenwerdens kommt, erreiche ich meiner Meinung mehr, als wenn ich eine Art und Weise wähle, die so viele Menschen so sehr verletzt, daß man überhaupt an Verbote denkt. "Mehr erreichen" heißt in diesem Zusammenhang, daß man tatsächlich da eine Änderung hervorruft, wo es auch zählt: Nämlich bei den entsprechenden Menschen. Natürlich kann man auch höchstkontrovers ein Thema ins Visier nehmen und es dabei in Kauf nehmen, zahlreiche Menschen mit der - berechtigten - Kritik vor den Kopf zu stoßen. Nur was nützt das? Ja, man hat die Kritik geäußert... toll. Ändert es etwas am Kritisierten? Ich habe gesagt, dass bestimmte Formen der Kritik erlaubt sein sollten, aber ich habe nicht gesagt, dass das die einzig möglichen Formen der Kritik sein sollten, und dieser Meinung bin ich auch nicht. Bei manchen Menschen kann man mit behutsamer Kritik viel mehr erreichen als mit scharfer Kritik, das ist richtig. Bei anderen aber kann heftige Kritik eventuell dazu führen, dass sie sich überhaupt mal mit einem Thema auseinandersetzen, während vorsichtig verpackte Kritik sie nicht dazu bringt, ihre Position zu überdenken. Ich finde, beides kann seine Berechtigung haben. Es gibt keinen "Königsweg" der Kritik, mit dem man immer und bei jedem Menschen zum Ziel käme. Dazu sind die Menschen zu verschieden. Ich schätze das liegt daran, dass dabei generell eine andere Wertigkeit empfunden wird. Natürlich sind politische Ansichten ebenso eine private Sache - aber eher auf einer sachlichen Ebene. Sie können sich relativ schnell ändern - zumal sich auch die politischen Programme der jeweiligen Parteien relativ schnell ändern können. Gibt ja auch genug Menschen die nicht immer dieselbe Partei wählen, sondern alle paar Jahre was anderes.
Der persönliche Glaube hingegen wird weit stärker als emotionale Überzeugung empfunden und wird daher sensibler behandelt. Glaubenslehren und Dogmen ändern sich auch nicht alle Nase lang, sondern bleiben konstant. Die Leute wechseln im Gegensatz zur Politik schließlich nicht alle paar Jahre ihre Konfession.
Kurz gesagt: Politik ist eine Variable, Religion hingegen eine Konstante. Und mit Konstanten gehen wir generell anders um als mit Variablen. Nämlich ernsthafter. Ob das immer richtig ist, ist eine andere Frage. Das klingt schon mal nach einem guten Ansatz. Mit "politischer Überzeugung" meine ich allerdings nicht die Ansichten zu tagespolitschen Themen, sondern die Grundüberzeugungen. Bin ich der Überzeugung, dass Wohlstand möglichst gleich auf alle verteilt werden sollte, oder meine ich, dass diejenigen wesentlich mehr haben sollten, die wesentlich mehr leisten? Oder die Einstellung zu "großen" Themen, die über viele Jahre in der Gesellschaft debattiert werden, wie innere Sicherheit - will ich zur Eindämmung von Kriminalität mehr Überwachung oder steht Bürgerfreiheit für mich im Vordergrund? Solche Überzeugungen bleiben meist sehr lange erhalten, daher würde ich sie schon den Konstanten zuordnen. Etwas anderes ist es natürlich, ob ich der aktuellen Gesetzesvorlage X von Partei Y zustimme, denn da wird es öfters mal Abweichungen zur Linie einer Partei geben, selbst wenn man ihre Politik sonst für richtig hält. Aber ähnliche Abweichungen gibt es in der Religion auch: Als überzeugter Katholik kann man etwa trotzdem der Meinung sein, dass der Zölibat ein Fehler ist oder dass die Benutzung von Kondomen erlaubt sein sollte. Abgesehen davon gibt es auch Menschen, die ihr ganzes Leben lang aus Überzeugung dieselbe Partei wählen. Kommunisten ist von den Kirchen oft genug vorgeworfen worden, sie propagierten eine Ersatzreligion. Nach dem Zusammenbruch des Ostblocks ist bei manchen überzeugten Kommunisten auch das ganze Weltbild zusammengebrochen, was ich durchaus mit einem religiösen Menschen vergleichen würde, der durch äußere Umstände seinen Glauben verliert. Eine stark ausgeprägte politische Überzeugung ist meiner Meinung nach schon oft eine Konstante. Auf Protest- und Wechselwähler trifft das natürlich weniger zu. Aber so eine Abstufung gibt es in der Religion ebenfalls: Manche Menschen haben einen stark ausgeprägten Glauben, befolgen alle Gebote und beteiligen sich sehr aktiv am religiösen Leben. Andere sind zwar auch gläubig, nehmen ihre Religion aber weniger wichtig, halten sich nicht an alle Gebote und/oder beteiligen sich kaum am religiösen Leben. So klar ist die Unterscheidung "Variable/Konstante" meiner Meinung nach daher nicht.
|
|
Top
|
|
|
|
#457334 - 08/22/12 11:39 AM
Re: Merkwürdige E-Mails
[Re: Lurker]
|
Elder Druid
Registered: 03/10/03
Posts: 19505
Loc: Rogue Squadron
|
Dies hier ist einer der Gründe, warum ich gegen Steam bin : http://wegotthiscovered.com/news/valve-accept-steam-subscriber-agreement-disable-account/Im Grunde ist das nichts weiter als eine Erweiterung meiner Annahme, daß, wenn eines Tages die Steam-Server abgeschaltet werden, dann für den Käufer nichts mehr übrig bleibt. Wie soll denn der Käufer etwas spielen können, für das er Geld gezahlt hat, wenn mit dem gekauften Produkt ein "always on" - DRM verbunden ist, wenn dieses DRM offline geht ? Bei manchen Menschen kann man mit behutsamer Kritik viel mehr erreichen als mit scharfer Kritik, das ist richtig. Bei anderen aber kann heftige Kritik eventuell dazu führen, dass sie sich überhaupt mal mit einem Thema auseinandersetzen, während vorsichtig verpackte Kritik sie nicht dazu bringt, ihre Position zu überdenken. Nebenbei bemerkt : Hier stimme ich zu. Deswegen diskutiere ich so selten hier mit : Der Ton ist mir hier schlichtweg zu brachial.
Edited by AlrikFassbauer (08/22/12 11:41 AM)
_________________________
When you find a big kettle of crazy, it's best not to stir it. --Dilbert cartoon
"Interplay….some zombiefied unlife thing going on there" - skavenhorde at RPGWatch
|
|
Top
|
|
|
|
#457338 - 08/22/12 12:37 PM
Re: Merkwürdige E-Mails
[Re: Lurker]
|
Ancient Dragon
Registered: 03/10/03
Posts: 8022
Loc: Krynn
|
So klar ist die Unterscheidung "Variable/Konstante" meiner Meinung nach daher nicht. Schon klar, das war ja auch nur als grober Ansatz gedacht. Worum es mir hauptsächlich ging, war die psychische Unterscheidung. Glaubensfragen sind imho emotional eine wesentlich intimere Sache, als politische Überzeugungen. Politische Überzeugungen gehen mehr nach außen, Der Glaube geht mehr nach innen. Und innen sind wir verwundbarer als außen. Deswegen diskutiere ich so selten hier mit : Der Ton ist mir hier schlichtweg zu brachial. Das ist hier nun mal nix für *******, Du *******. Dann steck Deinen ********* doch in den ******** und ******** Dich!  Na schön. Kurze Unterbrechung und eine Runde Kuscheln für Alrik. 
_________________________
|
|
Top
|
|
|
|
#457374 - 08/23/12 11:29 AM
Re: Merkwürdige E-Mails
[Re: Ralf]
|
Ancient Dragon
Registered: 03/10/03
Posts: 8022
Loc: Krynn
|
Oh, ist das "Glücksrad" wieder aus der Versenkung aufgetaucht? Hmm, ich glaube, ich kaufe ein "A" ... Na, das hat sich kaum gelohnt... Und überhaupt: War dafür nicht Namara zuständig? ---------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------- Das ist hier nun mal nix für *******, Du *******. Dann steck Deinen ********* doch in den A******* und ******** Dich!
_________________________
|
|
Top
|
|
|
|
#457385 - 08/23/12 05:58 PM
Re: Merkwürdige E-Mails
[Re: Pergor]
|
Death Dragon
Registered: 04/04/05
Posts: 2741
|
War dafür nicht Namara zuständig? Pff, jetzt hab dich mal nicht so, schließlich bist du doch Namaras Haustier, seit die Biene kein Geld mehr für Futt... äh, seit du im Stich gela... ach, egal. Und Namara lässt sich sehr gerne vertreten, das hab ich auch schon mal gemacht. *stupst unauffällig einen prall gefüllten Sack zur Seite* Lateinische Buchstaben scheinen aus unerklärlichen Gründen gerade aus zu sein ... dann nehme ich ein փ.
|
|
Top
|
|
|
|
#458505 - 10/18/12 02:15 PM
Re: Merkwürdige E-Mails
[Re: AlrikFassbauer]
|
Archmage
Registered: 03/10/03
Posts: 5507
Loc: Germany
|
Meinungsfreiheit ? http://www.sueddeutsche.de/digital/verbotene-organisation-im-netz-twitter-versteckt-deutsche-neonazi-propaganda-1.1499285 Ich verstehe nicht ganz, worauf du hinaus willst. Willst du damit sagen, daß du mit der "Zensur" nicht einverstanden bist? Oder das Gegenteil?
_________________________
Nigel Powers: "There are only two things I can't stand in this world. People who are intolerant of other people's cultures... and the Dutch!"
|
|
Top
|
|
|
|
#458822 - 10/31/12 09:03 AM
Re: Merkwürdige E-Mails
[Re: elgi]
|
Death Dragon
Registered: 04/04/05
Posts: 2741
|
29.10.2012: Brüderle fordert Baustopp für SolaranlagenDer FDP-Fraktionschef im Bundestag, Rainer Brüderle, hat sich wegen der steigenden Strompreise dafür ausgesprochen, zunächst keine neuen Solaranlagen mehr zu bauen. "Der Öko-Snobismus durch die Subvention in der Solarindustrie muss dringend beendet werden", sagte er [...] 31.10.2012: Fünf für die Wüstenstrom-VisionRegierungen aus Europa und Nordafrika forcieren das Wüstenstromprojekt "Desertec": Deutschland, Frankreich, Italien, Marokko und Spanien wollen nach SZ-Informationen das Jahrhundertvorhaben mit einem Abkommen regeln. 600 Millionen Euro soll das Solarkraftwerk kosten. [...] Passt ja toll zusammen - bei uns soll Baustopp für Solaranlagen sein, aber dafür kann Deutschland sich bei den 400 Millionen Euro, die Desertec noch fehlen, großzügig beteiligen. Klar, bei uns sind das ja auch meist dezentrale Anlagen, die den Strom da erzeugen, wo er gebraucht wird, während man die Wüste mit einem Riesenprojekt zupflastern kann, um Konzernen bei Erzeugung und Weiterleitung des Stroms dicke Gewinne zuzuspielen. Wieder ein herausragendes Beispiel für hirnrissige Politik im Sinne großer Firmen, gegen kleinere und mittelständische Betriebe sowie Verbraucher.
|
|
Top
|
|
|
|
#458832 - 10/31/12 01:37 PM
Re: Merkwürdige E-Mails
[Re: Ddraigfyre]
|
Death Dragon
Registered: 04/04/05
Posts: 2741
|
Ach so - gut, dass du das erklärst. Dann bin ich natürlich auch dafür, Riesenanlagen in die Wüste zu klatschen und bei irgendeinem absolut unabhängigen Großunternehmen noch ein paar Posten für die einzurichten, die darauf angewiesen sind. Da du Gas-Gerd erwähnst: Im Artikel " Union und FDP wehren sich gegen Lex Wulff" steht, dass der arme Schröder als Altkanzler derzeit nur "acht verschiedene Dienstfahrzeuge" auf Steuerzahlerkosten nutzt, und dadurch ist er ja praktisch gezwungen, sich irgendwo noch was zu verdienen, damit er nicht betteln gehen muss. Nein wirklich, dann schaffen wir doch lieber bei einer Firma, die rein gar nicht von irgendwelchen Regierungsentscheidungen profitiert, so ein kleines, finanziell weiches Endlager für ausgediente Politiker.
|
|
Top
|
|
|
|
|
|