#50927 - 08/16/04 12:07 PM
Das letzte Buch
|
Warrior
Registered: 05/06/04
Posts: 182
Loc: Münster (Westfalen)
|
Während ich noch bei der Suche nach der Schicksalsklinge auf der Stelle trete  , habe ich ein weiteres DSA-Buch gelesen. Daher gibt es wenigstens eine neue Rezension:
Gun-Britt Tödter: Das letzte Lied
Um Enttäuschungen zu verhindern: Trotz des Titels und der Beschreibung auf dem Buchrücken handelt es sich nicht etwa um eine tragische Thorwaler-Erzählung, sondern eine nette Geschichte mit einer bunt gemischten Besetzung. Die Bezeichnung "Thorwaler-Roman" trifft aus mehreren Gründen nicht zu: Schauplatz ist nicht etwa die Heimat der Nordleute oder gar ein Schiff auf großer Fahrt, sondern das von Orks besetzte Svellttal. Als Protagonisten tauchen im Verlauf des Buches neben zwei Thorwalern auch drei Elfen, ein Magier sowie mehrere Zwerge auf. Thorwaler-Spezifisches kommt zwar durchaus vor (diverse Lieder und Sagen; Bräuche der Thorwaler), daneben aber auch viel Zwergengeschichte. Außerdem wird praktisch jeder der Helden mit seinem Werdegang, seinen Überzeugungen, seinen Zielen genauer vorgestellt.
Die Heldengruppe ist größtenteils recht eingeschworen; statt den üblichen Querelen zwischen Zwergen und Elfen und dem Konflikt zwischen Menschen und Orks liegt der Schwerpunkt mehr auf der Aufdeckung eines finsteren Planes - ein klassischer Abenteuerplot also. Am Ende wird die alle Erzählstränge miteinander verbindende Sache aufgelöst; jedoch bleiben viele Aspekte der einzelnen Heldenbiographien offen, so daß sich genügend Anknüpfungspunkte für Fortsetzungen ergeben (das Studium des Magiers, das Schicksal der Elfen, die Zukunft der Zwerge, die erahnten großen Veränderungen - letztere wohl eine Anspielung auf die dritte Dämonenschlacht).
Zu den Stärken des Romans zählt, daß er nicht mit Platz für die Beschreibung seiner Charaktere spart. Die Protagonisten müssen von etwas leben, also Geld verdienen durch Aufträge. Sie können also nicht wie die üblichen Klischee-Guten völlig uneigennützig durch die Gegend ziehen (bis auf den Geoden und seine Gefährtin - aber diese sind ja beim DSA-Spiel Nichtspielercharaktere und stehen damit über den üblichen Regeln). Zudem sind die Helden erfahren, aber nicht übermächtig: Die Magie des Zauberers, des Geoden und der Elfen ist begrenzt. Auch die Fragen über "das Böse" (Wer ist überhaupt böse? Aus welchem Motiv handelt der Bösewicht?) finden eine mögliche, nicht zu platte Lösung.
Die kleinere Schwächen bilden jene Elemente, die ein schnelleres Durchlesen unnötig erschweren: Die bei Autoren beliebte Methode, ständig neue Erzählfetzen zu schreiben, die sich erst später zu einem Ganzen zusammenfügen, erzeugt häufiges Zurückblättern und Rumgrübeln, wie denn nun alles zusammenhängt. In die gleiche Kategorie fallen diverse Träume, die nicht vollständig erklärt werden und die man zudem nur schlecht verstehen kann. Der Prolog bleibt völlig frei im Raum stehen - mir blieb bis zum Ende verschlossen, was der mit der späteren Handlung zu tun hatte.
Meinem Bruder waren die von ihm sehr geschätzten Thorwaler und Zwerge zu klischeehaft dargestellt und es kamen für seinen Geschmack zu viele Elfen vor; mir hat es hingegen recht gut gefallen. "Das letzte Lied" ist kein grandioser Superknüller, aber ein schönes Abenteuer mit einem interessanten Hintergrund. Empfehlen würde ich es Leuten mit DSA-Wissen, die mal etwas anderes lesen wollen als die üblichen Prügel- & Einsackgeschichten.
 Übrigens: Während der Zugfahrt, in deren Rahmen ich das Buch zum Teil verschlungen habe, um den Mitreisenden eine Erholungspause von den Gesprächen mit mir zu gönnen, sprach mich doch tatsächlich eine mir gegenüber sitzende unbekannte ältere Dame an. Sie meinte, ich müsse aber mit dem ständigen Bücherlesen aufhören, wenn ich erst verheiratet sei; ihr Mann mache das auch pausenlos im Urlaub und das sei ja schrecklich blablabla... ist ja wohl eine Unverschämtheit! Das war das erste Buch seit drei Monaten - und noch nicht einmal ein besonders dickes (ca. 300 Seiten). Kann ich etwa etwas dafür, daß meine attraktive weibliche Begleitung so viel Schlaf während der Zugfahrt benötigt und ich mich deswegen auch mal alleine beschäftigen muß? Das Problem, bald zu heiraten, drängt sich bei mir nun wirklich nicht auf!
|
|
Top
|
|
|
|
#50930 - 09/07/04 08:17 AM
Re: Das letzte Buch
|
Archmage
Registered: 03/11/03
Posts: 9122
Loc: Franken
|
RABENGEFLÜSTER von Heike Wolf, Anja Jäcke und Alex Wichert: Ab und zu gibt es innerhalb der DSA-Romanreihe eine Art Schlüsselroman. Eine Geschichte, die sich nicht nur auf das Buch selbst beschränkt, sondern große Auswirkungen auf das gesamte aventurische Geschehen hat. Idealbeispiel ist natürlich Ulrich Kiesows "Das zerbrochene Rad", bislang letzter Schlüsselroman war wohl "Das Greifenopfer" von Thomas Finn. Während des Lesens von "Rabengeflüster" befällt einen immer stärker das Gefühl, hier wieder einen solchen Schlüsselroman in Händen zu halten. Ich werde an dieser Stelle nicht verraten, ob es tatsächlich einer ist. Im Grunde genommen ist das auch völlig gleichgültig. Denn alleine durch die Möglichkeit, es könnte sich um einen handeln, steigt die Spannung während des Lesens in ungeahnte Höhen ... Aber um das Pferd nicht von hinten aufzuzäumen: Man kann das Buch mehr oder weniger als eine Fortsetzung von Wicherts "Sand und Blut" betrachten. Es geht also wieder um die schwarze Perle des Südens, um Al´Anfa. Und damit um politische Intrigen, Machtspielchen und ausschweifende Gelage.  Konkret geht es diesmal um einen freigewordenen Platz im Rat. Der Patriarch Amir Honak möchte seinen Verbündeten Aurelian Bonareth auf diesem Platz sehen, während der extrem reiche Goldo Paligan seinen jungen Verwandten Amato durchdrücken möchte. Und dann gibt es da noch eine Rebellengruppe, die am liebsten alle Al´Anfaner Granden gleichzeitig zu Boron schicken würde ... Vermutlich wird dieses Buch nicht jedem gefallen. Es ist vor allem zu Beginn nicht unkompliziert, den ganzen Intrigen und verwandtschaftlichen Verstrickungen zu verfolgen (der regelmäßige Blick auf die anfängliche Personenliste wird einem schnell zur Gewohnheit ...  ) und ein Fantasy-Buch, in dem es fast nur um Politik geht, ist ja auch nicht gerade alltäglich. Mir hat es jedoch sehr gut gefallen! Obwohl ich im wahren Leben Intriganten verachte, bereitet es mir aus irgendwelchen Gründen höchste Freude, in Büchern oder Filmen brillante Ränkespiele zu verfolgen, die immer wieder unerwartete Folgen nach sich ziehen.  Und das wird im "Rabengeflüster" sehr schön beschrieben. Bemerkenswert auch, daß trotz der drei Autorinnen keine größeren Stilbrüche bemerkbar sind (zumindest nicht für mich). Das Buch liest sich extrem flüssig, trotz der zahlreichen Wechsel zwischen den vielen Charakteren. Einziges kleines Manko wäre vielleicht, daß das Buch mit gut 350 Seiten doch ein wenig zu kurz ist, um die zahlreichen Personen perfekt zur Geltung zu bringen. Das gelang Alex Wichert im ähnlich langen, aber von ihr alleine geschriebenen "Sand und Blut" naturgemäß noch wesentlich besser. Aber vielleicht gibt es ja Hoffnung auf eine oder mehrere Fortsetzungen. Ich würde mich jedenfalls sehr darüber freuen. Note 1-.
|
|
Top
|
|
|
|
#50935 - 09/15/04 04:23 AM
Re: Das letzte Buch
|
Orcling
Registered: 04/06/03
Posts: 90
Loc: Oschdalb
|
Wenn ihr Heyne-DSA-Bücher sucht so ist es oft interessant die Wühlkisten der örtlichen Kaufhäuser zu durchsuchen, da hab ich schon einige gesehen ... auch "Westwärts, Geschuppte" ... und vor kurzem sogar die gebundene Ausgabe von Bernhard Hennens "Die Nacht der Schlange" für fünf Euro ... mir nützt es leider nichts ... hab ja schon alle ...
_________________________
---------------------------------- Schweige www.stefanschweikerts.de) ----------------------------------
|
|
Top
|
|
|
|
#50936 - 09/26/04 08:48 AM
Re: Das letzte Buch
|
Orcling
Registered: 04/06/03
Posts: 90
Loc: Oschdalb
|
Sooo ... ich melde mich mal wieder zu Wort ... und gelobe Besserung --------------------------------------------------------------------------------------- Rezi: Spielsteine der Götter von Heike WolfTaron von Gratenbach ist nicht gerade ein typischer Rondrageweihter. Insbesondere sein Jähzorn - geradezu eine thorwallsche Walwut - bringt ihn regelmäßig in Schwierigkeiten. Doch ... auch wenn er lange Zeit davon überzeugt ist ... die grimmige Leuin hat ihn nicht verstoßen, sondern hält noch eine wichtige Aufgabe für ihn bereit. Heike Wolf erzählt uns die Geschichte dieses Helden von seiner Aufnahme in Donnerbach bis zu der Schlacht an der Trollpforte 26 Götterläufe später ... und übernimmt sich dabei gewaltig. Was hier auf etwa 330 Seiten erzählt wird, sind einige Episoden aus Tarons Leben; teilweise liegen Jahre zwischen den einzelnen Kapiteln. Das wäre weiter nicht schlimm, machen ja andere auch, leider fehlen aber Schlüsselszenen - wie z.B. der Grund, warum Taron Donnerbach verlässt - die werden dann als kurze Erklärungen nachgereicht. Eine Unsitte, die sich vielleicht Professor Tolkien erlauben durfte, und auch der hat genügend Prügel dafür beziehen müssen. Die Erlebnisse anderer Personen werden gelegentlich als kurze Nebenhandlungen weitergeführt, leider jedoch so kurz, dass man sie auch vollends hätte weglassen können. Die Geschichte der Halbelfe Marga wird in ein paar Häppchen erzählt, die mehr Fragen aufwerfen als sie beantworten. Wichtige Personen werden einfach für Tod erklärt, die näheren Umstände erfahren wir nicht. Auch die Hoffnung, über den großen Showdown an der Trollpforte mehr zu erfahren als mir als Nicht-Abonent des "Aventurischen Boten" und "Nicht-P+P-Spieler" erlaubt ist, erfüllt sich nicht. Das ganze ist in eine Rahmenhandlung - als Erzählung eines alternden Rondrageweihten an seine Schützlinge - verpackt, aber die hätte man auch vollends weglassen können. Was die ganze Geschichte rettet ist der doch recht flotte und einfühlsame Erzählstil von Heike Wolf. Einige Kapitel sind wirklich anrührend oder spannend geschrieben und verlangen eigentlich nach mehr. Im Großen und Ganzen habe ich den Eindruck, als habe die Autorin einen, wohl auf über 1000 Seiten, dann hätte es vielleicht funktioniert, angelegten Epos plötzlich beendet und das Geschriebene zusammengepackt. Nett, aber ich habe schon bessere Geschichten aus Aventurien gelesen ... und ... schade, da wäre mehr drin gewesen. ------------------------------------------------------------------------------------- Tja ... so oft ich mit Ralf über die Bücher einer Meinung bin ... diesmal wohl nicht
_________________________
---------------------------------- Schweige www.stefanschweikerts.de) ----------------------------------
|
|
Top
|
|
|
|
#50937 - 09/26/04 10:31 AM
Re: Das letzte Buch
|
Archmage
Registered: 03/11/03
Posts: 9122
Loc: Franken
|
|
|
Top
|
|
|
|
#50938 - 09/26/04 03:32 PM
Re: Das letzte Buch
|
Archmage
Registered: 03/10/03
Posts: 6879
|
Heda Ihr! Schreiberling! "... für tot erklärt..." schreibt man aber doch hoffentlich noch so rum?!  Oder handelt sich dabei um eine weitere Ausgeburt der jüngeren `praiotischen Reformen´  , die allerdings mehr den Eindruck erwecken, als wären sie das `gräuliche Werk´ des Niederhöllenboten "Rächtschraib" (dessen Namen man besser nur im Schutze des Phex munkelt und tunlichst niemals auf die Rolle nimmt, äh, bringt!  ), denn daß die gute Göttin der Weisheit dabei auch zu Rate gezogen wäre!?!  [Hallo Schweige! Erfreulich, daß´d wieder da bist! Wie geht´s so mit der schönen Kunst?  )
|
|
Top
|
|
|
|
#50940 - 09/27/04 04:21 AM
Re: Das letzte Buch
|
Orcling
Registered: 04/06/03
Posts: 90
Loc: Oschdalb
|
Edited by Schweige (09/28/04 03:49 AM)
_________________________
---------------------------------- Schweige www.stefanschweikerts.de) ----------------------------------
|
|
Top
|
|
|
|
#50942 - 09/27/04 12:40 PM
Re: Das letzte Buch
|
Archmage
Registered: 03/10/03
Posts: 6879
|
Quote:
... ich habt doch recht! ...
Wie !? Was !?  HEY, MOMENT MAL!  Mir hat keiner was davon gesagt, daß wir jetzt plötzlich zu fünft(!) sind?!!...  Ralf? Al? Stone? *tap* *tap* *tap*
*grml* IsdochehrlichwahrwenigstensBescheidsagenkönntemanjawennsichmalwiederwasändert... *grml* *nureinkurzesWort*... *brml* 
[ ]
|
|
Top
|
|
|
|
|
|