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#7362 - 09/17/04 09:59 AM Re: M. Night Shyamalan
Ralf Offline
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DER UNTERGANG:
Wer in den letzten Wochen nicht komplett ohne Medien ausgekommen ist, dürfte sowieso schon wissen, worum es geht. "Der Untergang" handelt von den letzten knapp zwei Wochen des Dritten Reichs und basiert auf Joachim Fests gleichnamigem Buch und den Aufzeichnung von Hitlers Sekretärin Traudl Junge.
Der Film konzentriert sich einerseits auf die klaustrophobische Atmosphäre im Führerbunker und andererseits auf den hoffnungslosen Kampf gegen die weit überlegenen Russen um Berlin.
Absolut brillant ist dabei vor allem der Schweizer Bruno Ganz. Seine Darstellung von Adolf Hitler wirkt fast schon beängstigend authentisch. Er vermeidet es, Hitler als Karikatur zu spielen (wie das bei Hollywoodgrößen wie Alec Guinness und Anthony Hopkins wirkte) und überzeugt dabei nicht nur bei den berühmten Wutausbrüchen, sondern vor allem auch in den ruhigen Situationen.
Kaum weniger gut ist jedoch Ulrich Matthes als Goebbels. Seine Kaltblütigkeit zerrt fast noch mehr an den Nerven der Zuschauer als Hitlers Wutanfälle.
Auch der Rest der Besetzung ist diesem Film mehr als angemessen. Ich denke, es ist keine Übertreibung, wenn ich behaupte, daß seit "Das Boot" kein deutscher Film mehr so sehr von hervorragenden Schauspielern lebte. Man kann gar nicht alle nennen, aber stellvertretend möchte ich noch Corinna Harfouch als fanatische Magda Goebbels, Christian Berkel als Arzt Dr. Schenck, Michael Mendl als desillusionierten General Weidling und Thomas Kretschmann als Hitlers Schwager Fegelein hervorheben.
Was die Handlung selbst betrifft, muß man ehrlich sagen, daß gar nicht so richtig viel passiert. Zudem kennt der geschichtsbewußte Zuschauer sowieso schon die meisten Fakten.
Diese Fakten jedoch nun so exzellent und vor allem extrem intensiv in Bilder gefaßt zu sehen, ist ganz einfach nur beeindruckend und teilweise verstörend.
Dabei gelingt es Regisseur Hirschbiegel und Produzent und Drehbuchautor Eichinger glücklicherweise, die meisten Klischees zu umlaufen. Auch die Gefahr, daß man als Zuschauer mit einigen der größten Massenmörder der Menschheitsgeschichte sympathisiert, wurde geschickt umschifft. Zwar stimmt es, daß Hitler in einigen Szenen sehr freundlich und mitfühlend gezeigt wird. Aber durch die zahlreichen anderen Szenen, die Hitlers Größenwahn und Weltfremdheit illustrieren, besteht sicherlich keine Gefahr, daß jemand Sympathien oder echtes Mitleid für ihn empfinden könnte (außer, wenn er sowieso schon Nazi ist ...).

(Insofern halte ich übrigens auch die Vorwürfe einzelner Kritiker für Blödsinn, die die "menschliche" Darstellung Hitlers für "gefährlich" halten. Viel gefährlicher wäre es IMHO, wenn Hitler als im wahrsten Sinne des Wortes unmenschliches Monster gezeigt würde. Denn das würde doch nur zum Glauben verleiten, daß so etwas nie wieder passieren könne. Es ist stattdessen meines Erachtens sogar sehr wichtig, ihn so zu zeigen, wie er (nach vielen Augenzeugenberichten) wirklich war. Auch manchmal freundlich. Eben ein Mensch. Und deshalb besteht IMMER die Gefahr, daß es einmal einen neuen Hitler geben könnte.)

Natürlich setzt der Film dennoch auf einige Sympathieträger, anders wäre es wohl auch kaum möglich. Doch dabei beschränkt man sich auf Leute wie den erwähnten Arzt Dr. Schenck oder Traudl Junge (Alexandra Maria Lara). Es besteht also ebenfalls keine Gefahr der fehlgeleiteten Heldenverehrung von Verbrechern.

Insgesamt ist "Der Untergang" also ein Film, der trotz seiner relativ gering ausgeprägten Handlung aufgrund der ungewöhnlich dichten Atmosphäre und der herausragenden Schauspieler voll und ganz überzeugen kann. Der Behauptung vieler Kritiker, der Film sei der wichtigste deutsche Film seit "Das Boot", kann und will ich jedenfalls nicht widersprechen.
Gespannt bin ich vor allem, wie das internationale Publikum "Der Untergang" aufnehmen wird (internationale Premiere war am Mittwoch beim Festival in Toronto) - winken vielleicht sogar OSCAR-Nominierungen? Wir werden sehen.
Jedenfalls gebe ich "Der Untergang" volle 10 Punkte und wenn ich mich nicht irre, dürfte das damit der erste deutsche Film sein, dem ich in diesem Forum die volle Punktzahl gönne.

Was mich übrigens besonders freut: Im Kino war heute auch mindestens eine Kinoklasse. Was ich normalerweise überhaupt nicht mag. Aber diesmal haben sich die Schüler nicht nur überwiegend ruhig verhalten (daß die Wutausbrüche Hitlers gelegentlich zu leichtem Gelächter führen würden, war zu erwarten) und am Ende applaudiert, viele davon haben beim Verlassen des Kinos sogar sehr ernsthaft darüber diskutiert. Das hätte ich kaum zu hoffen gewagt und falls diese Reaktion nicht atypisch war (was ich nicht glaube), wäre alleine dieses Erreichen einer Generation, die überwiegend nicht mehr viel Ahnung hat vom 2. Weltkrieg (und nur zu oft bei der Wahl auf NPD oder DVU zurückgreift) ein großes Verdienst des Films.
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#7363 - 09/17/04 10:40 AM Re: M. Night Shyamalan
elgi Offline
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Ich habe den Film noch nicht gesehen, werde es aber bäldigst nachholen (Riddick fällt flach, nächste kommt erst The Village dran ) Aber vorab schon mal zu einige Punkten, die Ralle angesprochen hat:

Quote:

Absolut brillant ist dabei vor allem der Schweizer Bruno Ganz.



Wie nicht anders zu erwarten war... nicht umsonst ist er der Träger des Iffland-Rings und damit nominell der beste deutschprachige Schauspieler. Ich habe bisher eigentlich kaum einem Film mit ihm gesehen, in dem er nicht mindesten sehr gut gewesen wäre.

Zu der Diskussion um die "Vermenschlichung von Hitler": Das ist wohl die sinnloseste Diskussion, die ich in letzter Zeit so mitbekommen habe. Ralf hat die Gründe für einen korrekten Umgang schon genannt, und deswegen MUSS man sich mit Hitler auch und vor allem in solchen Werken auseinandersetzen. Obwohl ich normalerweise die Meinung nicht teile, daß der 2. Weltkrieg und die Nazi-Herrschaft generell tabuisiert werden, bin ich in diesem Falle durchaus der Meinung, daß hier eher um der Diskussion willen diskutiert wurde und nicht um etwas Sinnvolles auszudrücken.

Und zu Deinem letzten Absatz, Ralf: Bekanntlich stirbt die Hoffnung zuletzt. (Wenn das hier mal schon nicht der Fall ist )
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#7364 - 09/17/04 03:50 PM Ten years later
Ragon_der_Magier Offline
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Roman "Porno" - Das machen wir nochmal, Baby

"Zehn Jahre nach "Trainspotting" gibt Irvine Welsh den Helden seiner
Geschichte eine zweite Chance. Diesmal versuchen sie sich an
Hardcore-Filmchen. Und kriegen erneut triumphal in die Fresse."


...
Diese Typen werden nie modern genug werden fürs moderne Leben,
genau deshalb sind sie ja so interessant. Sie müssen einfach
weiterleben. Der mitunter hysterisch komische Plot schreit wieder nach
einer Verfilmung, auch wenn Welsh schwört, daran nie gedacht zu
haben – und es damit eh Probleme zu geben scheint. Allerdings weniger
wegen der expliziten Natur des Beschriebenen.

McGregor der Zögerer

Ewan McGregor sperrt sich offenbar als einziger der ehemaligen
Beteiligten dagegen, mitzuspielen. Obwohl Doyle und Hodge bereits
eine Drehbuchadaption von „Porno“ verfasst haben. Tatsächlich zeugt
nicht nur McGregors Weigerung davon, dass es lustige Parallelen gibt
zwischen den Schicksalen der Schauspieler der
„Trainspotting“-Verfilmung und denen der Romanfiguren: Rent Boy, stellt
sich in „Porno“ heraus, hat sich vor seinen einstigen Kumpanen in
Amsterdam versteckt. Aus ihm ist mittlerweile ein erfolgreicher
Club-Betreiber geworden – McGregor hat seit „Trainspotting“ als
einziger seine Arbeitszeit größtenteils in Hollywood verbracht, allerdings
in Filmen, in denen er vor allem mit Singen, Tanzen oder Schmachten
beschäftigt war. Oder noch schlimmer: als Obi-Wan in den
Star-Wars-Filmen. Lächerlich.
..."




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#7365 - 09/19/04 11:34 AM Re: Ten years later
Ralf Offline
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Artikel über "Der Untergang:

"Der Untergang" sorgt für volle Säle
Die Lobesarie vom "Hollywood Reporter" (auf Englisch)
Bemerkenswert wenig bemerkenswert
"Es menschelt nicht"
Internationale Reaktionen
noch eine englischesprachige Kritik

Da mir der Film sehr gut gefiel, mag ich nicht ganz objektiv sein. Aber ich halte die geäußerte Kritik (im allgemeinen: Der Film erkläre nichts, er stelle nur dar - was natürlich genau das ist, was Hirschbiegel und Eichinger wollten! Und: Der Film sei wenig innovativ - na und? Muß denn jeder Film megainnovativ sein?) für weitgehend haltlos.
Jedenfalls ist die bisherige Durchschnittsbewertung beim IMDB exzellent, also scheinen die "normalen" Zuschauer eher meine Sichtweise zu teilen (die ja auch von den meisten "normalen" Kritikern in Deutschland eingenommen wird).


Edited by Ralf (09/19/04 11:49 AM)
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#7366 - 09/23/04 02:22 PM This Girl with a Pearl Earring
Ragon_der_Magier Offline
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Na, das klingt doch mal wieder nach einem reinen Fest für unseren `Edelkritiker´!

Im Kino: "Das Mädchen mit dem Perlenohrring" - Ein Gemälde wird gezeugt

"... Eher instinktiv erkennt und fördert Vermeer die
künstlerische Sensibilität
des Mädchens, das wahrscheinlich weder lesen
noch schreiben kann. Jede kleine Geste, mit der
er Griet in seine Arbeit einbezieht, ist eine
Liebeserklärung; jede scheinbar zufällige
erührung gerät zum Ausdruck der erotischen
Spannung zwischen den beiden. Der Maler weist Griet in die Herstellung
von Farben ein und duldet sogar ihre Eingriffe in seine Arrangements.

„Warum hast du den Stuhl entfernt?“, fragt er sie. Die Frau, antwortet
sie, habe auf dem Entwurf ausgesehen „wie in die Falle gegangen“!
Tatsächlich haben Röntgenbilder gezeigt, dass Vermeer auf dem
berühmten Bild einen Stuhl übermalt hat. ...

... All diese Erfahrungen – zu denen auch der Ärger mit Vermeers Ehefrau
zählt – scheinen nun in dem Blick der jungen Frau auf dem vollendeten
Gemälde erkennbar zu sein. Ob Peter Webber damit dem Geheimnis von
Jan Vermeers Gemälde auf die Spur gekommen ist oder nicht, spielt
keine Rolle: Man wird es nach seinem Film mit anderen Augen sehen."


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#7367 - 09/24/04 12:37 PM Re: This Girl with a Pearl Earring
Ralf Offline
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Leider läuft der Film nur in wenigen Kinos, weshalb ich ihn wohl auch erst irgendwann im TV werde sehen können. Dabei würde ich schon verdammt gerne Scarlett Johansson in ihrer zweiten Golden-Globe-nominierten Rolle neben "Lost in Translation" sehen ...
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#7368 - 09/27/04 11:21 AM Re: This Girl with a Pearl Earring
Ralf Offline
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"Der Untergang" entwickelt sich in Deutschland erfreulicherweise zu einem echten Hit. Nach dem erfolgreichen Start mit etwa 450.000 Zuschauern aus nur knapp 500 Kinos (Hollywood-Blockbuster á la "Herr der Ringe" kommen auf über 1000!) wurde die Reichweite in der zweiten Woche erhöht, wodurch es nun sogar fast 600.000 Zuschauer gab! Und damit mehr als doppelt soviel als bei Tom Cruises "Collateral" in der Startwoche.

Zudem wurde "Der Untergang" völlig überraschend als deutscher OSCAR-Beitrag für 2005 ausgewählt.
Zwar kenne ich natürlich die Konkurrenten nicht, aber IMHO hat "Der Untergang" sehr gute Chancen zumindest auf eine Nominierung.
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#7369 - 09/28/04 05:38 AM Tass Kaff und ne Kippe
elgi Offline
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Quote:

Leider läuft der Film nur in wenigen Kinos, weshalb ich ihn wohl auch erst irgendwann im TV werde sehen können. Dabei würde ich schon verdammt gerne Scarlett Johansson in ihrer zweiten Golden-Globe-nominierten Rolle neben "Lost in Translation" sehen ...



Hehe... sollte ich erwähnen, daß der Film in meinem Stammkino läuft?

Wie dem auch sei, bevor unser Edelkritiker den Film rezensiert, möchte ich mit einem anderen fortfahren:

Coffee and Cigarettes

Dabei handelt es sich um Jim Jarmuschs bisher letzte Arbeit nach dem wundervollen "Ghost Dog" und dementsprechend überrascht ist der geneigte Zuschauer, daß "Coffe and Cigarettes" aus 11 Schwarzweißkurzfilmen besteht, die alle jeweils um Zigaretten und Kaffee (in einem Fall Tee) herum aufgebaut sind.
Dabei fällt auf, daß drei der Episoden aus den drei früheren "Coffe and Cigarettes"-Filmen stammen, die Jarmusch in den letzten 18 Jahren gedreht hat. Und der Rest ist eben neu.

In erster Linie geht es darum, wie Menschen miteinander interagieren, wenn sie mal nichts machen als eine Pause - eben bei Kaffee und Zigaretten. Gut, es ist nicht immer eine Pause, aber ganz allgemein ist es eher eine kontemplative Phase, die hier gezeigt wird. Dabei gibt es unterschiedlichste Konstellationen, was die betroffenen Personen angeht. So lernen sich in der ersten Episode z.B. Roberto Benigni und der US-Komiker Steven Wright näher kennen und unterhalten sich hauptsächlich über nichts und Wrights Zahnarzt. Oder aber wir sehen Cate Blanchett in einer wundervollen Doppelrolle als sie selbst und ihre Cousine - die beiden Frauen treffen sich kurz vor einem Pressetermin von Cate und es ist die typische, fast schon peinliche Spannung in der Luft, die man erwartet, wenn eine berühmte Persönlichkeit einen nicht so berühmten Verwandten trifft. Oder aber das bemerkenswerte Treffen von Iggy Pop (kaum wieder zu erknennen ) und Tom Waits... ein herrliches Gespräch voller unterdrückter Rivalität der beiden Musiker, die am Ende auf lustige Weise sehr deutlich wird (auch toll ist, wie Tom Waits eine Kippe nach der anderen raucht, weil er so stolz darauf ist, das Rauchen aufgegeben zu haben ).
Die besten Episoden meiner Meinung nach sind das Gespräch zwischen Alfred Molina und Steve Coogan, in dem Molina aufgeregt erzählt, daß er ein entfernter Cousin von Coogan ist - ein wundervoller Dialog mit einem herrlich arroganten Coogan und einem fiesen und gerechten Ende. Und die zweite der besten Episoden ist natürlich die mit Bill Murray und zweien Mitgliedern des Wu Tang Clan... wenn sich die beiden Musiker über die Nachteil von Koffein und Nikotin auslassen und Murray in seiner coolen Art dem ganzen zuhört... dabei werden einige witzige Gesprächsdetails aus vorgehenden Episoden aufgenommen und überraschend eingearbeitet (kommt auch in anderen Episoden vor).

Ich merke schon, daß es recht schwierig ist, viel Sinnvolles über diesen Film zu schreiben... aber er hat halt keine zusammenhängende Story sondern ist ein Episodenfilm. Aber er bietet blendend aufgelegte Darsteller und durchgehend unterhaltsame und meistens interessante Dialoge. Mehr gibt es eigentlich nicht zu sagen meiner Meinung nach... außer vielleicht eine Warnung an die Raucher: Es ist eine Qual, den Film in einem Nichtraucher-Kino anzuschauen!

Note: 8.
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#7370 - 09/28/04 12:31 PM Re: Tass Kaff und ne Kippe
Ralf Offline
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Loc: Franken
Noch so ein Film, den ich wohl erst im TV werde genießen können.
Aber wenigstens laufen diese "Kunstfilme" meistens bei den öffentlich-rechtlichen und häufig schon nach relativ kurzer Zeit.

Übrigens werden sich meine Kritiken in den nächsten Wochen aufgrund eines Praktikums sehr in Grenzen halten. Ich hoffe mal, daß ich wenigstens an den Samstagen dazu komme, ins Kino zu gehen. Momentan fehlen mir noch "Hellboy", "Collateral" und "Resident Evil 2" - glücklicherweise wurde "Die Bourne Verschwörung" um einen Monat verschoben ...
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#7371 - 09/28/04 03:46 PM Re: Tass Kaff und ne Kippe
Ragon_der_Magier Offline
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Tja, elgi - nicht umsonst halte ich Jim Jarmusch für einen der genialsten Regisseure der Welt,
der die Technik der Episodenfilme wahrlich zur Meisterschaft gebracht hat.
Um genau zu sein tue ich das seit ebenjenem mMn besten Film dieser Sorte:
"Night on Earth"!
Und bei dem warte ich in der Tat brennend, Ralf, daß er endlich mal wieder von den Öffentlich-Rechtlichen spätnächtens gebracht wird...!

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#7372 - 09/28/04 04:15 PM Re: Tass Kaff und ne Kippe
zacharia Offline
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@Ralf: Dann warte ich mal auf deine Kritik von Hellboy....


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#7373 - 09/29/04 05:47 AM Re: M. Night Shyamalan
elgi Offline
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Quote:

Bei den Kritikern wurde der Film allgemein als Shyamalans schwächster bezeichnet und auch die Zuschauer waren nicht übermäßig euphorisch. Ich muß aber sagen, daß mir "The Village" richtig gut gefallen hat (und auch der Freundin, mit der ich ihn mir angesehen habe).




Tja, das zeigt, daß die Kritiker ja mal gar keine Ahnung haben, denn meiner Meinung ist "The Village" nach Sixth Sense Shyamalans bester Film!

Die Story hat Ralf ja schon erwähnt... ein isoliertes Dorf im Jahre 1879... Wald... Monster... dergleichen.

Mich haben zwei Sachen sehr überzeugt und eine Angelegenheit unendlich erbost. Zuerst das Gute:

1. Die Schauspieler. Im Grunde genommen sind sie alle mindestens einfach gut... selbst Adrien Brody als der geistig behinderte Noah - Behinderte darzustellen artet oft in schlechte Leistungen aus - ist wirklich gut. Wie auch Ralf fand ich Bryce Dallas Howard und William Hurt besonders überzeugend, und dazu noch die zurückhaltende Leistung von Joaquin Phoenix, die dennoch voller unterdrückter Energie steckt - eine der besten Szenen war das Gespräch zwischem ihr und Howard auf der Veranda. Ganz allgemein fand ich es sehr gut, daß es eben wenig "Action" gab und die Schauspieler einfühlsam und fast schon zurückhaltend gespielt haben.

2. Kamera, Sound, Musik, Schnitt! Audiovisuell ist "The Village" ein Genuß. Die unauffäligen Kamera-Schwenks und -Zooms sind genauso überzeugend wie die gleichsam hektischen Aufnahmen im Wald, die beinahe an Blair Witch Project erinnern. (kommt erfreulicherweise nicht allzu oft vor ). Sehr gelungen ist die Kameraarbeit wenn die blinde Ivy im Blickpunkt ist - wenn sie etwa durch den Wald irrt, wird dem Zuschauer nicht nennenswert mehr des Waldes gezeigt, das sie selbst sieht - nämlich recht wenig. Dadurch wird Spannung aufgebaut, die dann durch die eine oder andere Überraschung gelöst wird.
Auch die Aufnahmen im Dorf sind eine Augenweide. Der Blick aus dem Wald des Nächtens etwa... oder die zahlreichen Totalaufnahmen sowohl bei Tag als auch Nacht, in denen man fast das gesamte Dorf aber auch den Wald und die klar gezogene Grenze sieht... das ist nicht gruselig, aber eine gewisse Beklemmung geht von diesen Bildern durchaus aus.
Die Kameraführung bei den Dialogen mit den teilweise extremen Nahaufnahmen tut ihr Übriges, um die "Immersion" des Zuschauers voranzutreiben. Der Höhepunkt dieser Dialogaufnahmen ist für mich das entscheidende Zusammentreffen von Noah und Lucius... sehr schön gemacht.
Dazu wie schon erwähnt die Musik, die sich stets der Stimmung anpaßt und sie gleichzeitig erst erzeugt. Klingt verwirrend, ist aber so. Oft sind es langsame, fast melancholische Melodien, die die düster-resignative Stimmung des Films tragen... durchsetzt von effektvollen und rasanten Abschnitten bei Bedarf.
Die Soundeffekte ebenso... die Geräusche aus und in dem Wald klingen schon besorgniserregend.

Was mich aber mehr als nur gestört hat:
Das Mikrofon! In mindestens acht verschiedenen Szenen hängt das Mikrofon über meist längere Strecken im Bild. Wenn das ein Mal passiert, kann man das ja noch als dummen Fehler abtun. Aber wenn fast in jeder Szene das Mikro reinhängt, ist es schon unverschämt. Einmal ist es sogar so schlimm, daß das Mikro sichtbar ist, obwohl die Kamera reinzoomt! Ich persönlich finde das ganze unverzeihlich - sowas wird selbst bei einem gewöhnlichen Abschlußfilm von Filmstudenten nicht geduldet... und hierbei handelt es sich um einem großen Hollywood-Film.

Um zum Abschluß zu kommen: Der Film an sich hat mir außerordentlich gut gefallen... viel besser als Unbreakable oder gar Signs. Und die gefürchtete Überraschung am Ende ist nicht allzu arg aufgesetzt, sondern wird sogar behutsam vorbereitet. Es ist ein fesselnder Film, der (fast) ohne Action und Special Effects auskommt und die Spannung und das "Grauen" nur mit Hilfe der Darsteller und den handwerklichen Hilfsmitteln des Filmemachers erzeugt. Allerdings ärgert mich die Mikrofon-Geschichte maßlos!

Note: 8.5 (ein Punkt Abzug wegen des erwähnten Makels )
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#7374 - 09/29/04 07:00 AM Re: Ten years later
Alix Offline
Warlord


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Loc: Chemnitz
In Antwort auf:

... "Der Untergang:
Da mir der Film sehr gut gefiel, mag ich nicht ganz objektiv sein.....



Wie beurteilst Du die Altersgrenze von 16 Jahren? Bei uns fangen sie an Schulklassen in den Film zu schicken! Meine Bakannte (Tochter ist 15 und war mit ihrer Klasse dort) erzählte, dass ihre Tochter sehr geschockt war über die Bilder im Film und mehrere Tage damit zu tun hatte.
Meine Tochter (14) erzählte mir, dass ihre Geschichtslehrerin erwägt auch mit der Klasse hinzugehen. Ich werde mich auf jeden Fall wiedersetzen. Zumal mir mein Sohn erzählte, dass man im Film z.B. abgeschnittene Körperteile sehen kann. Das mag vieleicht manchem Computerspielabgehärteten Jungen nichts ausmachen, aber meiner Tochter ist schon Cultures machmal zu kriegerisch.


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Wenn man zur Quelle will, muss man gegen den Strom schwimmen.
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#7375 - 09/29/04 07:48 AM Re: Ten years later
AlrikFassbauer Offline
Elder Druid


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Loc: Rogue Squadron
In einer Potsdamer oder Berliner Zeitung las ich, daß sogar Kinder in den Film gigen - eine Schulklase. Ich weiß nicht, welches Alter sie waren, aber das Bild in der Zeitung sah nicht nach Jugendlichen aus.

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#7376 - 09/29/04 01:19 PM Re: Ten years later
Tutamun Offline
Death Dragon


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Resident Evil 2: sehr gut Der erste Teil hat mir aber besser gefallen... schade das ich den nicht im Kino gesehen habe. Leider war ich zum Zeitpunkt wo Teil I und II hintereinander liefen nicht im Lande.

ps. Der Film ist nicht wirklich sooo toll... aber mir gefällt so ein Film eben

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#7377 - 10/01/04 01:04 PM Re: Ten years later
Ralf Offline
Archmage


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Loc: Franken
Tut: Das war ja beim ersten Teil nicht anders - manche Filme mag man einfach, obwohl man WEISS, daß sie nicht gut sind!
Vermutlich werde ich mir Teil 2 morgen ansehen.

Zacharia: Möglicherweise kannst du darauf lange warten, denn "Hellboy" ist in Deutschland wenig erfolgreich angelaufen und deshalb schon wieder aus meinem Stammkino verschwunden. Falls der Film nicht noch in einem anderen auftaucht, wird das wohl nix mehr ...

Alix: Meines Wissens ist der Film doch sogar ab 12 Jahren freigegeben, oder nicht? Zumindest war das die Altersangabe, die im Kino aushing.
Eine Freigabe ab 16 wäre auf jeden Fall in Ordnung, wenn man den Film mit anderen derselben Altersfreigabe vergleicht. Zumal hier die Gewalt ja alles andere als verherrlichend dargestellt wird. Eine Freigabe ab 12 dagegen wäre eher diskussionswürdig. Ja, es werden vereinzelt abgetrennte Körperteile und ähnlich leckere Szenen gezeigt - andererseits sieht man in den Nachrichten heutzutage auch nicht viel Harmloseres ...
Fakt ist: Gerade junge Leute sollten diesen Film sehen. Ab welchem Alter, das vermag ich nicht zu entscheiden. Und zwingen darf man natürlich niemanden, auch nicht in der Schule. Wenn jemand mit solchen Szenen absolut nicht zurechtkommt (was ja durchaus nachvollziehbar ist), dann sollte er lieber auf den Film verzichten. Auch wenn er damit viel verpassen würde.


Edited by Ralf (10/01/04 01:06 PM)
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#7378 - 10/02/04 10:37 AM Re: Ten years later
fenwulf Offline
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Jawohl. Es ist wichtig, dass sich die Jugend an Bilder von abgetrennten Körperteilen gewöhnt...

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#7379 - 10/02/04 10:50 AM Re: Ten years later
elgi Offline
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Registered: 03/10/03
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Richtig! Denn nur darum geht es ja in "Der Untergang".

Interessanter FAZ-Artikel zum Thema Untergang:

Rechtsextremist als Komparse - „Als Hitler mir die Hand schüttelte”

01. Oktober 2004 Der 1995 wegen Volksverhetzung verurteilte Karl Richter hat als Komparse in dem deutschen Spielfilm „Der Untergang” mitgewirkt. Das schildert er in der von Verfassungsschützern dem rechtsextremen Spektrum zugeordneten Monatsschrift „Nation und Europa”. Im Herbst 2003 seien er und andere Personen gleicher politischer Gesinnung auf dem Bavaria-Filmgelände in Grünwald bei München als Komparsen in den Rollen von Wehrmachtssoldaten, SS-Männern und Angehörigen des „Führer-Begleitkommandos” aufgetreten.

Quote:

In seinen Eindrücken von den Dreharbeiten schreibt Richter, daß er über die Vermittlung einer Casting-Agentur für die Rolle des Adjutanten von Generalfeldmarschall Keitel ausgewählt worden sei. Auf die Frage eines Mitarbeiters der Casting-Agentur: „Ist dein Haarschnitt immer so?” habe er diesen mit Hinweis auf Einsätze bei der Bundeswehr beruhigen können: „Das ist wegen der Wehrübungen. Ich bin Reservist beim Bund, da ist der Haarschnitt so.”

Man kennt sich, bleibt unauffällig

Während der Dreharbeiten hätten sich „nach und nach bekannte Gesichter aus der Szene” eingestellt. „Man kennt sich, zwinkert sich zu, bleibt unauffällig”, berichtet Richter. Die Produktionsfirma des Films, die in München ansässige Constantin Film AG, bestätigte, daß Richter in „Der Untergang” mitgespielt habe. „Der Mann hat als Komparse mitgewirkt”, sagte der bei Constantin für Marketing und Vertrieb zuständige Vorstand Thomas Peter Friedl. Die Mitwirkung einiger Rechtsextremisten unter den etwa 3.000 Komparsen des Films, davon 1.000 in Deutschland, ändere aber nichts an der Grundaussage des Films. „Man muß es nun mal als Tatsache hinnehmen, daß solche Dinge nicht zu vermeiden sind”, sagte Friedl. Allerdings habe die Casting-Agentur bei der Auswahl der Statisten nach „optisch Verdächtigen” Ausschau gehalten. „Aber man kann nicht in die Leute reinschauen.”



(Quelle und vollständiger Artikel: FAZ.net)
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#7380 - 10/02/04 01:29 PM Re: Ten years later
Ralf Offline
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Loc: Franken
Fenwulf: Findest du nicht verharmlosende Kriegsfilme á la John Wayne gefährlicher? Daß der Krieg nicht so klinisch rein abläuft, wie es die US-Militärs immer gerne darstellen, erfahren viele Menschen leider erst, wenn sie als Soldaten mittendrin stecken ...

Passend zum Thema:

THE FOG OF WAR - ELF LEHRSÄTZE VON ROBERT S. MCNAMARA:
Robert S. McNamara ist ein hochintelligenter Mann. Er war in Schule und Uni immer unter den besten, er wurde erster Ford-Präsident, der nicht zur Familie Ford gehörte, er war sieben Jahre lang US-Verteidigungsminister unter Kennedy und Johnson und anschließend noch 13 Jahre lang Präsident der Weltbank.
Heute ist er 88 Jahre alt und erzählt in diesem OSCAR-gekrönten Dokumentarfilm aus seinem ereignisreichen Leben.
Regisseur Errol Morris ist quasi das Gegenteil von Michael Moore. Er ist nie selbst im Bild, sondern nur ab und zu aus dem Off zu hören, wenn er eine Frage stellt oder vorsichtig nachhakt. Er kommentiert McNamaras Antworten nicht und humorvoll oder sarkastisch ist der Film auch nicht geworden.
Dennoch haben beide Regisseure einiges gemeinsam: Beide haben einen OSCAR gewonnen und beide erreichen mit ihren Filmen ein großes Publikum. Außerdem haben beide eine sehr ähnliche Einstellung zur Politik.
Und schließlich machen beide einfach gute Filme.
"The Fog of War" ist eigentlich unspektakulär. Die halbe Zeit über sehen wir McNamara, wie er erzählt - von seiner Jugend, von seiner Zeit im 2. Weltkrieg, von Kennedy, der Kuba-Krise und vor allem vom Vietnam-Krieg, als dessen Initiator er vielerorts gilt. Außerdem werden alte Aufnahmen eingespielt, auch Tonbandaufnahmen - u.a. von den berühmten "Kennedy-Tapes" - und ab und zu gibt es ein paar grafische Spielereien. Alles unterlegt von Philip Glass´ einfühlsamer Musik, die in der Tat sogar die beste Musik sein könnte, die je eine Doku begleitet hat.
Aber wirklich wichtig ist natürlich nicht die Form, sondern der Inhalt. Hier mehr denn je. Und dieser Inhalt ist sehr beeindruckend. McNamara ist noch immer ein begnadeter Redner. Er argumentiert bestechend und präsentiert immer wieder verblüffend einfache, aber durchaus einleuchtende Erklärungen für die Ereignisse (den Vietnam-Krieg haben die USA nach seiner Meinung vor allem deshalb verloren, weil sie ihn als einen Teil des Kalten Kriegs gesehen haben - während es für die Vietnamesen ein Bürgerkrieg war, in dem es schlicht und ergreifend um ihre Existenz ging).
Irgendwie faszinierend ist es auch zu beobachten, wie McNamara scheinbar teilnahmslos über Entscheidungen trifft, die Hunderttausende Zivilisten das Leben gekostet haben, während er gleichzeitig nur knapp die Tränen zurückhalten kann, wenn er über Kennedys Tod spricht. Dabei kommt McNamara keineswegs selbstherrlich rüber. Er gibt ohne Umschweife viele Fehler zu, ohne sie ernsthaft zu rechtfertigen.
Und wenngleich mit keinem Wort Bezug auf die heutige Weltsituation genommen wird, ist es doch nicht zu übersehen, wie unzufrieden er mit der Bush-Regierung ist.

Es ist wirklich schwer, das adäquat zu beschreiben. Fazit: "The Fog of War" ist das beeindruckende Portrait einer starken und umstrittenen Persönlichkeit. Und zugleich ist es ein tiefer Einblick in das politische und militärische Denken. Nicht umsonst erinnern die elf "Lehrsätze" an Sun Tzu ...
9 Punkte.

RESIDENT EVIL: APOCALYPSE:
Den ersten Teil mochte ich trotz aller unbestreitbarer Schwächen sehr. Er hatte IMHO vor allem drei große Stärken:
1. Er spielte in einer geschlossenen, unterirdischen Räumlichkeit, wodurch eine beklemmend klaustrophobische Atmosphäre kreiert wurde.
2. Als Gegner kamen ausschließlich Zombies in verschiedenen Formen vor. Zombies sind einfach schön gruselige Gegner!
3. Es war die Show von Milla Jovovich! Nun ist Jovovich sicher nicht die beste Schauspielerin der Welt - aber sie gibt eine exzellente und vor allem sehr sexy Actionheldin ab.

Die Fortsetzung "Apocalypse" wirft alle diese Stärken achtlos über Bord.
1. Der Großteil des Films spielt in der Stadt Raccoon City. Die wimmelt zwar ebenfalls vor Zombies, aber im Tageslicht wirken die irgendwie wenig grausig.
2. Zudem sind sie nicht mehr die einzigen Gegner der Helden. Es gibt die menschlichen Soldaten der bösen Umbrella-Corporation und ein terminatorartiges Wesen namens "Nemesis". Dadurch ist "Apocalypse" kein Horrorfilm mehr, sondern lediglich ein durchschnittlicher Action-Streifen mit ein paar Schockeffekten.
Und vor allem 3. Milla Jovovich spielt in der ersten Stunde (von etwa 90 Minuten) eigentlich nur eine untergeordnete Rolle. Überhaupt verstrickt sich der Film zunächst in zu vielen Handlungssträngen und vor allem in zu vielen Charakteren. Das hat zwar den Vorteil, daß man nicht genau weiß, wer überleben wird. Andererseits lernt man die Figuren auch nicht gut genug kennen, als daß einen wirklich interessieren würde, was aus ihnen wird ...

Daß ich bislang nichts zur Story erzählt habe, ist nicht wirklich schlimm. Raccoon City wird vom bösen Major Cain (Thomas Kretschmann) von der Umbrella-Corporation abgeriegelt und soll per Atomschlag zerstört werden, um die Ausbreitung des Zombie-Virus zu verhindern. Einige Überlebende um Alice (Jovovich) wollen vorher entkommen.
"Resident Evil: Apocalpyse" wäre ein ziemlicher Rohrkrepierer, gäbe es da nicht wenigstens die rasanten und actionreichen letzten 30 Minuten, in denen dann auch endlich wieder Milla Jovovich glänzen kann. Das entschädigt doch noch für einiges.
Außerdem zeigt Thomas Kretschmann mit seiner gefühlskalten Darstellung des an sich ziemlich eindimensionalen Bösewichts einmal mehr, warum er sich zum international begehrtesten deutschen Schauspieler entwickelt hat. Aus seiner Rolle hätte man mehr herausholen sollen. Und Oded Fehr aus den "Mumie"-Filmen hat auch ein paar gute Szenen, während Mike Epps als Pausenclown wenigstens für ein paar Lacher sorgt.

Fazit: Eine eher schwache Fortsetzung von "Resident Evil", die aber immerhin noch gut genug ausgefallen ist (dank des Showdowns), um eine weitere - dann hoffentlich wieder gelungenere - Fortsetzung nach sich zu ziehen. 6 Punkte.
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Der Kinogänger (Filmblog)

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#7381 - 10/04/04 02:18 PM Re: Ten years later
fenwulf Offline
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Fenwulf: Findest du nicht verharmlosende Kriegsfilme á la John Wayne gefährlicher? Daß der Krieg nicht so klinisch rein abläuft, wie es die US-Militärs immer gerne darstellen, erfahren viele Menschen leider erst, wenn sie als Soldaten mittendrin stecken ...




Bei dem Punkt gebe ich Dir durchaus recht.

Mein Kommentar war auch nicht ganz so ernst gemeint...

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