#7762 - 11/08/05 08:06 AM
Re: Stop-Motion
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Archmage
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Loc: Franken
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Altes Lästermaul!
THE CALL:
Ein Horrorfilm, in dem Jugendliche in gewisser Weise aufgrund ihres Handybesitzes dahingemeuchelt werden? Daß ein armer, gebeutelter Handygegner wie ich so etwas noch erleben darf ... *schnief*
Ähem, aber ernsthaft.
In den letzten Jahren kamen ja immer mehr amerikanische Remakes japanischer Horror- bzw. Gruselfilme in die Kinos ("Ring", "Dark Water", "The Grudge"), nun erreicht endlich auch mal ein japanischer Horrorfilm direkt die deutschen Leinwände - wenn auch leider keiner der absoluten Spitzenklasse.
Kultregisseur Takashi Miike ist ein echter Workaholic. Seit 1991 hat der 45-jährige bereits sage und schreibe 65 (!) Filme aus allen möglichen Genres gedreht - darunter Meisterwerke wie "Ichi, der Killer" oder "Audition" (morgen abend als Free-TV-Premiere bei arte  ), aber auch viel Schrott. "The Call", Miikes erster klassischer Horrorfilm, liegt irgendwo dazwischen.
Worum genau geht es?
In Tokio sterben zahlreiche Menschen, nachdem sie zuvor einen Anruf auf ihr Handy erhalten haben. Einen Anruf von sich selbst - aus der Zukunft! Von der Polizei werden die seltsamen Todesfälle als Selbstmorde abgetan, doch nachdem es zwei ihrer Freunde erwischt hat, versucht die junge Yumi (Kou Shibasaki) mit Hilfe von Herrn Yamashita (Shin´ichi Tsutsumi), der seine Schwester auf die gleiche Weise verloren hat, das mysteriöse Geschehen aufzuklären ...
"The Call" beginnt wie ein typischer Teenie-Slasher á la "Scream" - und langweilt. Der Handlung fehlt die Stringenz (und jeglicher Humor), alles ist schon mal dagewesen und vor allem die Gefühlsausbrüche der weiblichen Darsteller wirken trotz alles andere als überzeugend. Lediglich die durchaus gelungenen satirischen Seitenhiebe auf die Konsum- und Fernsehgesellschaft sorgen für etwas Erheiterung.
Glücklicherweise wird der Film (bis auf die durchwachsenen Darstellerleistungen) in der zweiten Hälfte deutlich besser, in der sich Miike deutlich an "Ring" oder "The Grudge" orientiert. Die Atmosphäre wird düster-unheimlich, die visuellen Effekte sind schön schaurig und vor allem das Spiel mit der zurückhaltenden Musik und speziell den Toneffekten beherrscht Miike meisterhaft. Spätestens beim vorgezogenen Showdown in einem stark an "Silent Hill" erinnernden, stillgelegten Krankenhaus kann man sich dem Sog des Films nicht mehr entziehen - auch, wenn man als Genre-Fan alles so ähnlich schon mal gesehen hat und hemmungslos genreübliche Klischees bedient werden.
Dummerweise will Miike dann mit einer überraschenden Wendung ganz am Schluß noch einen draufsetzen - was den Zuschauer allerdings überwiegend konsterniert und ratlos zurückläßt. Ich habe im Internet ein paar recht nachvollziehbare Interpretationen gefunden, trotzdem neige ich eher denen zu, die meinen, man sollte die letzten fünf Minuten schlicht und ergreifend ignorieren ...
Fazit: "The Call" beginnt sehr gemächlich und wenig überzeugend, gewinnt jedoch dann zunehmend an Fahrt und erfreut sein Publikum mit einem starken Finale (abgesehen von den erwähnten letzten Minuten) - das, was die Handlung und die Schauspieler vermissen lassen, machen dafür die phasenweise grandiose Soundkulisse und die visuellen Effekte wett. Was bleibt? 7 Punkte.
Edited by Ralf (11/08/05 08:11 AM)
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#7765 - 11/09/05 08:52 AM
Re: Stop-Motion
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Archmage
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Loc: Franken
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DOOM - DER FILM: Eine Gruppe hartgesottener Marines wird zu einer Forschungsstation auf dem Mars geschickt, um nach einigen vermissten Wissenschaftlern zu suchen. Dabei treffen sie auf übermenschlich starke Monstergegner. Yep, das ist die gesamte Handlung. Wie zu erwarten war.  "Doom" ist im Grunde genommen 90 Minuten lang Action mit ein paar Schockeffekten. Die Charaktere sind zwar sehr klischeehaft, prägen sich dadurch aber immerhin bis zu ihrem gewaltsamen Tod ein - für einen Actionfilm dieser Art ist das durchaus positiv zu sehen. Ebenso die Darstellerriege. Die Hauptdarsteller Dwayne "The Rock" Johnson, Karl "Éomer" Urban und Rosamund Pike ("James Bond - Stirb an einem anderen Tag") machen ihre Sache sehr ordentlich und auch das restliche Kanonenfutter ist ganz okay. Der mal treibende, mal atmosphärische Soundtrack von Clint Mansell ist sogar richtig gut. Unglücklicherweise leidet "Doom - Der Film" vor allem an einem geradezu erschreckenden Mangel an Originalität! Obwohl die Actionszenen handwerklich ganz gut gemacht sind, stechen sie durch nichts aus der Masse an Actionfilmen heraus und beginnen daher sehr bald zu langweilen - abgesehen von den leider nur spärlich eingestreuten, aber dafür umso intensiveren Ego-Shooter-Sequenzen, die das eindeutige Highlight des Films darstellen. Filme, die dermaßen unoriginell sind, versuchen häufig, stattdessen durch Selbstironie oder wenigstens ein paar Gags zu punkten - doch "Doom" ist über weite Strecken leider komplett humorlos. Somit bleibt aus meiner Sicht unter dem Strich ein routiniert gemachter Mix aus "Aliens - Die Rückkehr" und "Resident Evil", der mit ordentlichen Darstellern, ein paar Ego-Shooter-Sequenzen und einigen netten Anspielungen auf die Computerspiele punktet, ohne wirklich überzeugen zu können. 6,5 Punkte.
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#7766 - 11/09/05 12:05 PM
Re: Stop-Motion
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Archmage
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Quote:
... und Rosamund Pike ("James Bond - Stirb an einem anderen Tag")...
Da hast Du wohl eine wichtige, kontrastierende Rolle vergessen: in "Stolz & Vorurteil"!
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#7767 - 11/10/05 09:58 AM
Re: Stop-Motion
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Archmage
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Loc: Franken
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VIER BRÜDER:
Bobby (Mark Wahlberg), Angel (Tyrese Gibson), Jeremiah (André Benjamin von OutKast) und Jack Mercer (Garrett Hedlund) waren allesamt schwierige Problemkinder, die von der fürsorglichen Evelyn (Fionnula Flanagan) aufgenommen und wenigstens ansatzweise auf den Pfad der Tugend gebracht wurden. Als Evelyn bei einem Raubüberfall erschossen wird, treffen sich die inzwischen erwachsenen, ungleichen Brüder erstmals seit langer Zeit und beschließen, die Täter zu finden und zu bestrafen. Doch dabei stoßen sie schließlich auf eine ausgewachsene Verschwörung, die eine Nummer zu groß für sie zu sein scheint ...
Action-Spezialst John Singleton ("Shaft", "2 Fast 2 Furious") hat mir "Vier Brüder" einen testosterongeladenen, bleihaltigen Action-Thriller geschaffen, der zwar moralisch durchaus fragwürdig ist und auch ein paar eher unglaubwürdige Szenen bietet, dafür aber ungemein intensiv und extrem unterhaltsam ist. Sogar die Handlung darf durchaus als solche bezeichnet werden und wartet sogar mit ein paar überraschenden Wendungen und dramatischen Zuspitzungen auf. Die Chemie zwischen den Leinwandbrüdern stimmt und Singleton gelingt es hervorragend, die vier Rabauken dem Publikum näherzubringen. Auch die Nebenrollen sind glänzend besetzt (u.a. mit Josh Charles, der außer Ethan Hawke der einzige der Jungs aus dem "Club der toten Dichter" ist, der sich immer noch ganz gut in Hollywood hält) und die Actionsequenzen sind ebenso exzellent wie die Kameraführung, die immer wieder mit tollen Bildern des verschneiten Detroit glänzt.
Fazit: "Vier Brüder" ist ein echter Männerfilm - jede Menge Action und Macho-Sprüche, coole Typen und harte Bösewichte, dazwischen sogar immer wieder ein paar Szenen fürs Herz. Trotz der erwähnten moralischen Fragwürdigkeit einfach ein Mordsspaß! 8,5 Punkte.
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#7768 - 11/10/05 12:27 PM
moralapostel
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Warlord
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Loc: düsseldorf
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nun: da bin ich eher der moralist: ich habe selten einen film gesehen, der selbstjustiz dermaßen "legalisiert" tut mir leid, bei mir gips nur ne 2-3
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#7769 - 11/14/05 06:39 PM
Chronicles of Narnia
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Archmage
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Disny Projekt "Narnia" - Gottes Film in Teufels KreisDisney setzt bei der Vermarktung seines neuen Films "Die Chroniken von Narnia" auf eine ungewöhnliche Marketingstrategie: Sowohl christliche Fans als auch Anhänger von Fantasy-Filmen sollen in die Kinos gelockt werden. Von Fritz Göttler"... Sieben Bände hat C.S. Lewis zwischen 1948 und 1952 fabriziert, und sieben filmisch fette Jahre erhofft man sich dementsprechend bei Disney. Narnia ist etwas, von dem man bei Disney seit langem träumte – ein eigenes Mega-Franchise-Projekt, das nicht nur Millionen Zuschauer anlocken soll, sondern über das auch viele Artikel vermarktet werden, von McDonald’s bis Kodak. Viele Jahre haben die Lewis-Erben Disney die kalte Schulter gezeigt – weil man sich von Hollywood die christliche Botschaft nicht versauen lassen wollte, und weil – bittere Ironie – ausgerechnet der um Sauberkeit bemühte Disneykonzern in seinen Disneylands sich zu liberal zeigte, zum Beispiel in der Behandlung gleichgeschlechtlicher Beziehungen. Nun aber herrscht Friede, auch durch den Mitproduzenten, den strikt konservativen Philip Anschutz mit seiner Firma Walden Media. Der Film ist abgedreht unter der Regie des „Shrek“-Regisseurs Andrew Adamson, unter Aufsicht von Lewis-Stiefsohn Douglas Gresham, für etwa 150 Millionen Dollar – und alles ist nur noch eine Frage der Vermarktung. ... Bei aller Freude über solche Kooperation darf man natürlich die weltlichen Kids nicht vergessen, die ihre Helden eher megacool mögen und im Kino die weltliche Lust am Abenteuer suchen, am Erobern fremder Welten, am Schlachtgetümmel. Es ist ein Teufelskreis, in dem die Disney-Leute stecken, aber es ist derjenige, den das Kino seit seinen Anfängen kennt – das Kino als sakraler Raum, in dessen Dunkel sich das Individuum in einem Gemeinschaftserlebnis eigener Art verliert. Die (Wol-)Lust am Text, die hier befriedigt wird, darüber besteht kein Zweifel, ist heidnisch – schon deshalb hat die Kirche das Kino immer wieder radikal verpönt. Einem der vier Kinder bleibt denn auch am Ende das Paradies der Kindheit verschlossen: Susan, die als Teenager den Verlockungen der Welt verfällt – Nylons, Lippenstift, Partys. "
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#7770 - 11/21/05 09:42 AM
Re: Chronicles of Narnia
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Archmage
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Loc: Franken
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Heute gibt´s mal wieder einen Doppelpack, leider einen, der mich nicht völlig überzeugen konnte: FLIGHTPLAN: Nach dem Tod ihres Mannes fliegt Kyle Pratt (Jodie Foster) mit ihrer sechsjährigen Tochter von Berlin nach New York, um den Leichnam zu überführen und dem Ort des Unglücks zu entfliehen. Die völlig fertige Kyle schlummert bereits kurz nach Beginn des Fluges weg und als sie nach etwa drei Stunden wieder erwacht, ist ihre Tochter verschwunden! Dumm nur, daß keiner sie überhaupt das Flugzeug betreten hat sehen und sie nicht einmal auf der Passagierliste geführt wird. Dreht Kyle durch? Oder wurde ihre Tochter entführt? Das Hollywood-Debüt des deutschen Regisseurs Robert Schwentke ("Tattoo", "Eierdiebe") ist über weite Strecken ein routiniert gemachter Thriller, dessen größte Stärke seine Hauptdarstellerin ist: Jodie Foster spielt die gramgebeute Witwe und Mutter dermaßen überzeugend, daß man am liebsten gleich mitheulen will ... Ihre Rolle ähnelt natürlich der in ihrem letzten großen Film "Panic Room", bloß daß die Handlung diesmal eben in einem Flugzeug stattfindet. Und selbige leider wesentlich schwächer ist. "Flightplan" beginnt wirklich recht vielversprechend, doch spätestens ab der erschreckend unoriginellen und noch dazu nicht allzu glaubwürdigen Auflösung in der letzten halben Stunde geht das Drehbuch ziemlich den Bach runter - was umso ärgerlicher ist, als es zuvor Schwentke und seinem Kameramann Florian Ballhaus (Sohn der mehrfach für den OSCAR nominierten Michael Ballhaus) wirklich gut gelungen ist, Spannung und Atmosphäre aufzubauen. Auch die weiteren Darsteller sind gut gewählt: Sean Bean spielt seine recht unspektakuläre Rolle als Pilot souverän und Peter Sarsgaard überzeugt als schnöseliger Sky Marshall. Dazu kommen weitere talentierte Mimen wie Erika Christensen ("Traffic") oder Greta Scacchi. Wirklich schade, daß sie alle nur noch Schadensbegrenzung betreiben können - dabei zeigt Schwentke in einigen wundervollen Szenen, vor allem zu Beginn und ganz am Ende des Films, das er sein Handwerk sehr wohl versteht. Aber das direkte Duell der beiden "Flugzeug-Thriller" des Jahres verliert "Flightplan" eindeutig gegen Wes Cravens "Red Eye". Dafür ist "Flightplan" kommerziell erheblich erfolgreicher ... 6,5 Punkte (davon mindestens einer für die überragende Jodie Foster!). WALLACE & GROMIT - AUF DER JAGD NACH DEM RIESENKANINCHEN: In ihrem ersten Kinofilm bekommen es die beiden legendären Plastilin-Figuren mit einem Riesenkaninchen zu tun, das die örtlichen Gemüsebeete verheert. Diese an sich recht dünne Grundhandlung nutzt der Film für zahlreiche Gags, viele gelungene Anspielungen an Gruselfilm-Klassiker (am besten haben mir die auf "King Kong" gefallen  ) und einige rasante Verfolgungsjagden. Vor allem Zuschauer, die auch auf Details wie die Rückseite der Zeitung achten, werden immer wieder mit einem Lacher belohnt. Dennoch bleibt auch hier das Drehbuch das Hauptproblem - denn es ist nicht sonderlich originell, aber dafür umso vorhersehbarer. Auch bei einer Komödie darf man da schon ein bißchen mehr erwarten. Auch die Nebencharaktere wirkten auf mich nicht so liebevoll und detailliert wie beispielsweise in Tim Burtons "Corpse Bride". Damit bleibt am Ende ein amüsanter Film vor allem für "Wallace & Gromit"-Fans, der durch den gelungenen Vorfilm mit den vier "Madagascar"-Pinguinen (gesprochen von den Fantastischen Vier) noch leicht aufgewertet wird. Dennoch: Meine (hohen) Erwartungen wurden nicht gänzlich erfüllt. 7,5 Punkte. Außerdem ist meine Rezension zu "Stolz und Vorurteil" ja im Daten-Limbus verschwunden, deshalb hier noch eine Kurzfassung: STOLZ UND VORURTEIL: Die x-te Verfilmung von Jane Austens Klassiker um fünf mehr oder weniger heiratswillige Schwestern (gespielt u.a. von Keira Knightley und Rosamund Pike) im viktorianischen England überzeugt durch schwungvolle Dialoge, hochwertige Produktion und überwiegend sehr gute Darsteller (darunter Donald Sutherland, Brenda Blethyn, Dame Judi Dench und die junge Talulah Riley). Etwas geschmälert wird das Vergnügen durch den erst gegen Ende überzeugenden männlichen Hauptdarsteller Matthew MacFadyen und die lange Zeit recht spärliche Leinwandchemie zwischen ihm und Knightley. Auch das Weglassen fast sämtlicher gesellschaftskritischer Anspielungen aus dem Buch kann man kritisieren. Dennoch: "Stolz und Vorurteil" ist vielleicht kein herausragendes, aber doch ein rundum gelungenes Vergnügen. 8 Punkte.
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#7772 - 11/23/05 07:29 AM
Re: Ultraviolence!
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Archmage
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Loc: Franken
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THE DESCENT - ABGRUND DES GRAUENS:
Sechs Freundinnen im Alter von etwa 20 bis 35 Jahren machen eine Art Abenteuerurlaub und wollen in einem Höhlensystem herumklettern. Dummerweise geraten sie jedoch in eine komplett unerforschte Höhle und werden dort nach einem Erdrutsch eingesperrt. Unangenehm genug, doch auf der Suche nach einem zweiten Ausgang treffen sie zu allem Überfluß noch auf fleischfressende Monster, die durchaus das Resultat einer Paarung zwischen Gollum und einem Ork sein könnten ...
Der Horrorfilm des 35-jährigen britischen Independent-Regisseurs Neil Marshall ("Dog Soldiers") war DER Hit der diesjährigen Fantasy-, Mystery- und Horrorfilm-Festivals, erhielt aber auch von den üblichen Kritikern gute Kritiken und wurde in England sogar zu einem veritablen Kassenerfolg.
Zurecht.
Denn "The Descent" ist endlich mal wieder ein purer Horrorfilm. Dieses Jahr gab es mit "Creep" mit Franka Potente ja schon einen Horrorfilm, der mit sehr gut gefallen hat (insgesamt aber sehr kontrovers besprochen wurde), doch der konnte mich eher mit seinem trashigen Charme überzeugen - "The Descent" ist da ganz anders.
Erstmal ist er gewissermaßen ein echter "Frauenfilm" - lediglich im Prolog während des Vorspanns kommt ein Mann vor, ansonsten gibt es nur Frauen im Film (und Monster natürlich!  ). Die Darstellerinnen sind weitgehend unbekannt, machen ihre Sache aber ordentlich - auch wenn es gerade in der ersten Hälfte des Filmes für meinen Geschmack doch etwas arg viel Gejuchze und Gekreische gibt ...
Überhaupt ist die erste Hälfte noch etwas zwiespältig zu betrachten. Regisseur Marshall geht recht langsam vor, etabliert geschickt die Charaktere und baut sogar so etwas wie eine Hintergrundstory auf - nur gelegentlich gibt es ein paar zwar sehr gut getimte, aber letztlich doch recht billige Schockmomente. Vermutlich einerseits eine Art Beruhigung für hartgesottene Horrorfans, die sich in diesem Stadium des Films ansonsten langweiligen könnten, andererseits aber auch eine gekonnte Irreführung des Publikums, das in der Folge einen relativ konservativen Horrorfilm erwartet - und positiv überrascht wird!
Einige dieser durchaus selbstironischen Szenen sind wirklich gelungen, wenn beispielsweise eines der Mädels wie am Spieß schreit, weil aus der Dusche nur eiskaltes Wasser kommt - tja, später werden die Damen aus anderen Gründen schreien ...
Nach diesem recht gemächlichen Aufbau geht es also endlich in die Höhle und damit zur Sache - ohne daß ich zuviel verraten will!
Nur soviel: Je länger der Film dauert, desto mehr Action gibt es. Die ist sehr gut gemacht und spart auch nicht an einigen recht extremen Splatterszenen (wobei aber einige der ekligsten Szenen nicht mal mit Gollums Nachfahren zu tun haben!). Wie so oft im Genre gilt jedoch auch hier: Das Beste ist eigentlich die atemlose Spannung ZWISCHEN den Schockmomenten. Die kommt am Ende leider ein klein wenig zu kurz, dafür wird man jedoch durch einige wahrhaft überraschende Szenen mehr als entschädigt und durch die erfreuliche Tatsache, daß die meisten Horrorfilm-Klischees elegant umschifft werden.
Tatsächlich wendet Marshall nicht mal die erwartete "Zehn kleine Negerlein"-Methode im herkömmlichen Sinne an, sondern fügt immer wieder einen kleinen, aber feinen Twist ein (trotzdem schade, daß es meinen Liebling unter den Mädels gleich als erstes erwischt ...  ).
Und am Ende schafft er es sogar, das Publikum innerlich auf einen wirklich billigen Schlußgag (sowas ist im Genre ja unvermeidlich) vorzubereiten - nur um dann doch einen ganz anderen, ungleich besseren anzubringen!
Doch bevor ich zu sehr ins Schwärmen komme - ein paar kleine Schwächen gibt es dann doch. Am meisten geärgert hat mich, daß die sechs Frauen tatsächlich in dieses Höhlensystem hinabsteigen und nicht spätestens dann umdrehen, als sie sich durch einen extrem engen Gang schlängeln müssen. Sorry, Mädels! Aber wenn ihr wirklich so dämlich seid, bis dahin nichts zu bemerken, dann habt ihr es eigentlich fast schon verdient, was danach auf euch zukommt!
Außerdem bleibt die in der ersten Hälfte etablierte Hintergrundstory letztlich erwartungsgemäß doch nur ein Alibi, um einige - zugegebenermaßen sehr gelungene - Szenen später im Film zu rechtfertigen. Wirklichen Tiefgang gibt es aber natürlich nicht. Naja, wer würde den in einem Horrorfilm auch ernsthaft erwarten ...
Aber zum Abschluß dieser erstaunlich ausführlichen Kritik (wohl auch ein Ausdruck meiner großen Sympathie für den Film  ) möchte ich noch erwähnen, was ich bei allen Stärken des Films mit Abstand am besten fand: Die phänomenale Musik von David Julyan ("Memento", "Insomnia")!
Wenn die Welt gerecht wäre, würde er dafür zweifelsohne den OSCAR erhalten, denn "The Descent" ohne diesen tollen Score wäre wie "Gladiator" ohne die Musik von Hans Zimmer oder "Star Wars" ohne die Musik von John Williams - nur halb so gut! Anders als bei der Hollywood-Horror-Durchschnittsware setzt Regisseur Marshall nämlich nicht auf billige Soundeffekte, um sein Publikum zu schocken - statt dessen nutzt er David Julyans epochalen, immer wieder gänsehauterzeugend an- und abschwellenden Score, um die spannungsgeladene Atmosphäre immer wieder ins Unendliche zu steigern. Das ist schlicht und ergreifend genial - und nichts weniger!
Umso trauriger, daß dieser Soundtrack offenbar (noch?) nicht auf CD erhältlich ist ...
Fazit: Wer keine Probleme mit unappetitlichen Szenen und nahezu unaufhörlicher, nervenzerrender Spannung hat und nicht gerade auf der Suche nach einer anspruchsvollen Literatur-Verfilmung ist, sollte mit "The Descent" jede Menge Spaß haben!
9 Punkte.
Edited by Ralf (11/23/05 07:36 AM)
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#7774 - 11/24/05 09:17 AM
Re: Ultraviolence!
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Archmage
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Loc: Franken
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MERRY CHRISTMAS:
Die wahrscheinlichste schönste Begebenheit in der langen und unrühmlichen Geschichte der Kriegsführung ist hierzulande bislang weitgehend unbekannt:
Im ersten Jahr des Ersten Weltkrieges kam es an vielen Stellen der Westfront an Heiligabend zu einem spontanen Waffenstillstand und einer Verbrüderung zwischen deutschen, französischen und britischen (im Film, genaugenommen, schottischen) Soldaten.
Diese wahre Geschichte erzählt die (angemessenerweise) europäische Co-Produktion (neben Deutschen, Franzosen und Briten waren auch noch Belgien und Rumänien beteiligt) "Merry Christmas" - passenderweise aus allen drei Perspektiven.
Im Mittelpunkt steht der deutsche Star-Tenor Nikolaus Sprink (Benno Fürmann, seine Gesangspassagen wurden übrigens vom echten Star-Tenor Rolando Villazón synchronisiert), der als einfacher Soldat an der Front eingesetzt wird und an Heiligabend gemeinsam mit seiner Geliebten (oder Frau, das habe ich nicht so ganz mitbekommen), der ebenso berühmten, dänischen Sopranistin Anna Sörensen (Diane Krüger) für die deutschen Soldaten singt. Mitten in "Stille Nacht" stimmt plötzlich ein Dudelsack aus den in Rufweite gelegenen schottischen Schützengräben in den Gesang ein. Und so nimmt die Verbrüderung ihren Anfang. Die Soldaten kommen aus ihren Gräben hervor, die Offiziere vereinbaren einen inoffiziellen Waffenstillstand und die Soldaten feiern gemeinsam Weihnachten.
Eine wahrlich unglaubliche Geschichte, die man höchstwahrscheinlich für puren Unfug hält, wenn man nicht weiß, daß sie wahr ist (abgesehen von der Sache mit den Opernsängern).
Dem Thema angemessen zeigt Regisseur und Autor Christian Carion den ganzen Film aus drei verschiedenen Perspektiven. Das beginnt schon mit dem beklemmenden Auftakt, wo gezeigt wird, wie jeweils ein Kind ein Propaganda-Gedicht gegen den jeweiligen Feind aufsagt, wonach man alle Deutschen bzw. Engländer oder Franzosen restlos ausmerzen müsse ...
Die Besetzung ist der Rollen ist sehr gelungen. Auf Deutscher Seite spielt vor allem Daniel Brühl sehr überzeugend, bei den Engländern Gary Lewis ("Gangs of New York") und Alex Ferns, bei den Franzosen Diane Krügers Ehemann Guillaume Canet und Altstar Bernard Le Coq.
Erfreulicherweise ist die bewegende Geschichte von Carion erstaunlich unprätentiös und mit nur wenig Pathos und Kitsch inszeniert worden. Auch verzichtet er darauf, die Schrecken des Krieges zu deutlich darzustellen, was Vor- und Nachteile hat: Einerseits ist dieser Weihnachtsfilm dadurch auch für Leute geeignet, die sonst nicht das geringste mit Kriegsfilmen am Hut haben (und der Film ist zurecht bereits ab 12 Jahren freigegeben). Andererseits wirkt es auch ein klein wenig verharmlosend und die zwischenzeitliche Verbrüderung der feindlichen Soldaten nicht so außergewöhnlich, wie sie es tatsächlich ist - es fehlt doch irgendwo der eindeutige, krasse Gegensatz zwischen Kriegs- und Friedensszenen.
Dennoch wird auch nicht versäumt, die Absurdität der ganzen Situation herauszustellen, was kurz vor Schluß in einigen gelungenen Szenen gipfelt, die durchaus an Stanley Kubricks Meisterwerk "Dr. Seltsam" erinnern.
Problematisch ist dafür wiederum, daß "Merry Christmas" ganz offensichtlich ein Wohlfühlfilm sein will, eben ein echtes Weihnachtsmärchen. Aber natürlich kann die Geschichte nicht gut ausgehen. Denn die Verbrüderung findet irgendwann ein Ende und der Krieg geht weiter. Regisseur Carion hat sich daher für einen Kompromiß entschieden: Er verheimlich seinem Publikum zwar nicht, daß die Kämpfe bald fortgeführt werden - er zeigt sie aber auch nicht. Im Grunde genommen endet der Film mittendrin und man erfährt nicht mal etwas über die (fiktiven) Schicksale der sympathischen Protagonisten. Mir persönlich wäre da ein etwas dramatischerer Schluß doch lieber gewesen.
Aber davon abgesehen ist "Merry Christmas" - der für Frankreich an den Start geht im Rennen um den diesjährigen Auslands-OSCAR - ein wirklich gelungener und handwerklich gut gemachter Weihnachtsfilm, an dem das schönste die Tatsache ist, daß er eine wahre Geschichte erzählt.
8 Punkte
P.S.: Anhand dieser wahren Geschichte kann man übrigens auch sehen, wie wichtig die Pressefreiheit ist: Denn während englische Zeitungen offen über diese "Weihnachtsgeschichte" berichtet haben, wurden die Geschehnisse in Frankreich und Deutschland rigoros unter Verschluß gehalten. Viele der damaligen Soldaten und auch einige Geschichts-Experten sind der Ansicht, daß der Erste Weltkrieg an diesem Weihnachten 1914 ein schnelles Ende hätte finden können, wenn auch das französische und das deutsche Volk von dieser spontanen Verbrüderung erfahren hätten ...
P.P.S.: In der Sendung "Aspekte" im ZDF gab es zum Film noch eine interessante Meldung: Adolf Hitler war damals ja einfacher Gefreiter in der deutschen Armee. Auch er war an diesem Heiligabend an der Westfront, doch er sprach sich klar gegen die Verbrüderung aus - als Folge wurde er von seinem Vorgesetzten weg von der Front versetzt und konnte den Krieg so überleben. Dumm gelaufen für den Rest der Welt.
Edited by Ralf (11/25/05 09:10 AM)
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#7777 - 11/28/05 08:46 AM
Re: Ultraviolence!
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Archmage
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Loc: Franken
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SERENITY: Im Jahre 2002 schuf Joss Whedon nach seinen sehr erfolgreichen Mysteryserien "Buffy" und "Angel" eine weitere TV-Serie namens "Firefly". Obwohl die originelle Mischung aus Western, Science Fiction, Comedy, Mystery und sogar ein wenig Horror bei den Kritikern gut ankam, schnell eine eingeschworene Fangemeinde hinter sich versammeln konnte und trotz katastrophaler Sendepolitik ordentliche Zuschauerzahlen holte (beispielsweise begann FOX die Serie nicht etwa mit dem Pilotfilm, sondern mit einer vermeintlich zuschauerfreundlicheren, weil actionhaltigeren Episode - und auch sonst blieb die Einhaltung der vorgesehenen Reihenfolge die Ausnahme ...), wurde "Firefly" nach nur elf Epiosden ohne Angabe von Gründen abgesetzt - ein nahezu einmaliger Vorgang in der amerikanischen Fernsehgeschichte! Gerüchteweise sollen die heftigen Proteste von Kirchen und konservativen Politikern ausschlaggebend gewesen sein, die sich mit den Charakteren der Serie - die in der Tat nicht unbedingt Vorbild-Charakter besitzen  - alles andere als anfreunden konnten.  Jedenfalls ist es bezeichnend, daß Joss Whedon noch vor den sensationell guten Verkäufen der "Firefly"-DVD-Box (inklusive drei Episoden, die nie im TV ausgestrahlt wurden - in Deutschland sind die DVDs vor ein paar Wochen erschienen) von einem anderen großen Filmstudio (Universal) beauftragt wurde, eine Kinoversion seiner Serie zu drehen - mit komplett freier Hand für Whedon, weshalb auch die relativ unbekannte Besetzung zum Glück identisch blieb. Und diese Kinoversion hält fast alles, was sich die Fans davon versprochen hatten, kann gleichzeitig aber sicherlich auch "Neulinge" gut unterhalten. Genug der langen Vorrede, kommen wir zum Film. In der fernen Zukunft wird das Weltall (in dem es übrigens KEINE Außerirdischen gibt, selten genug für Sci-Fi-Filme bzw. -serien) von der faschistoid anmutenden "Allianz" beherrscht. Allerdings ist ihr Einfluß in den äußeren Planeten begrenzt, weshalb sich dort neben den Ärmsten der Armen vor allem lichtscheues kriminelles Gesindel sammelt - darunter auch die Crew des kleinen Transport-Frachters "Serenity", die zum Überleben wirklich jeden Auftrag annimmt und sich daher vor allem durch Diebstahl, Schmuggel und Personentransport über Wasser hält. Die Crew der "Serenity" ist bunt gemischt: Neben dem (wie Joss Whedon offen zugibt) deutlich an Han Solo erinnerenden Captain Malcolm Reynolds (Nathan Fillion), der als Soldat gemeinsam mit Zoe (Gina Torres) einziger Überlebender einer entscheidenden Schlacht gegen die Allianz war, gibt es da den flippigen Piloten Wash (Alan Tudyk aus "Ritter aus Leidenschaft"), den grobschlächtigen Verbrecher Jayne (genial: Adam Baldwin!), die stets fröhliche Technikerin Kaylee (Jewel Staite) und die Companion (eine Art Edelhure) Inara (Morena Baccarin). Dazu kommen der mit einer zwielichtigen Vergangenheit ausgestattete Priester Book (Ron Glass) und ein seltsames Geschwisterpaar: Der junge Arzt Simon (Sean Maher) hat seine Karriere aufgegeben, um seine telepathisch begabte Schwester River (Summer Glau) aus den Händen der Allianz zu befreien, die schreckliche Experimente mit ihr veranstalteten - ihr aber dabei versehentlich auch brisantes Wissen übermittelt haben, das für die Allianz gefährlich werden könnte ... folglich tut sie alles, um das schmächtige, geheimnisvolle Mädchen zurückzuholen (namentlich in Person von Chiwetel Ejiofor als namenlosem Agenten). Die ersten 20 Minuten dienen gleichzeitig als Prequel zur "Firefly"-Serie wie auch als Einführung für diejenigen Zuschauer, die die Serie nicht kennen. Das funktioniert ziemlich gut, auch wenn den Serienfans ein paar Kontinuitätsfehler nicht verborgen bleiben werden. Insgesamt hat Joss Whedon "Serenity" sowieso in einem etwas anderen Stil als "Firefly" gedreht: wesentlich düsterer (der Film ist übrigens zurecht erst ab 16 Jahren freigegeben) und dramatischer, dafür leider sehr viel weniger humorvoll und die Western-Elemente sind zugunsten der Science Fiction fast komplett verschwunden. Dennoch ist "Serenity" für die Fans der Serie ein absolutes Muß (wie auch die aktuelle IMDB-Bewertung von 8,2 bestätigt!), aber auch das neutrale Publikum wird sich über komplexe Charaktere (wenngleich sich die Komplexität zugegebenermaßen nur dem Serienkenner vollends erschließt, der Film alleine muß da notgedrungen etwas oberflächlicher bleiben), sehr gelungene Spezialeffekte (trotz eines vergleichsweise geringen Budgets von $40 Mio.) und vor allem in der zweiten Filmhälfte satte Action und Dramatik freuen. Ob im gleichen Maße wie die "Firefly"-Fans, kann ich nicht abschließend beurteilen, von mir (als Fan) erhält der Film jedenfalls 8,5 Punkte. Leider wird es wohl kaum zu einer Fortsetzung kommen, da "Serenity" trotz exzellenter Kritiken offenbar fast nur die "Firefly"-Fangemeinde mobilisieren konnte, wie ein enttäuschendes Einspielergebnis von $25 Mio. in den USA zeigt - weltweit (wo die Serie größtenteils noch nicht mal im TV lief) wird das kaum besser aussehen. Bleibt nur die Hoffnung, daß - wie bei "Firefly" - die DVD-Verkäuft dermaßen gut laufen, daß Whedon am Ende vielleicht doch noch das Geld für einen weiteren Film zusammenbekommt (den er nach eigener Aussage sehr gerne drehen würde) - dann vielleicht auch wieder einen mit etwas mehr Humor und Westernelementen!
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#7778 - 11/28/05 12:00 PM
Re: Ultraviolence!
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Archmage
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Irgendwie seltsam passend dazu und auch mit Hinblick auf einen noch konkreteren, bevorstehenden Anlaß - ein wenig `Meta-Futter´ in Sachen Kino. Hiermit "zur Diskussion freigegeben"!  : Kino in der Krise - Klappe zu, Affe tot - es richt schonDie Schuldfrage ist noch nicht geklärt, aber die Aussichten für die Zukunft des Lichtspiels sind eher trostlos. Von Tobias KniebeIn diesem Tagen kann man die Steine förmlich rumpeln hören, die den Mächtigen in Hollywood von den Herzen fallen. Ein katastrophaler Sommer, ein schwacher Herbst - so dringend wie selten zuvor haben die Studiobosse im Jahr 2005 auf Erfolgsmeldungen gewartet. Viel zu wenig hat an der Kinokasse gezündet, mit großer Regelmäßigkeit blieben die Filme hinter den Erwartungen zurück - nur "Harry Potter", der brave Zauberlehrling, war so etwas wie die letzte Bastion der Verlässlichkeit: Teil IV legte die bisher besten Zahlen der Serie hin und den viertbesten Starttag überhaupt. Eine dringend benötigte Atempause - bis ein gewisser Riesenaffe, der am 14. Dezember in die Kinos stürmt, weitere Erleichterung bringen soll. ... Schlichtweg zu schlechtGanz oben auf der Liste der möglichen Sündenböcke: die Filme. ... Die Idee der zyklischen Qualitätskurve folgt der alten Theorie von "Boom & Bust": Läuft es gut an der Kinokasse, geben die Studios jede Menge Schrott in Auftrag, die Startlisten müssen schließlich gefüllt werden. Kommen diese Filme dann heraus, rebellieren die Zuschauer, die Krise ist da und zwingt dazu, wieder mehr auf Qualität zu setzen - und sofort, ad infinitum. ... Ausreißer gesuchtDie Wahrheit ist jedoch eher, dass man Qualität nur sehr begrenzt planen kann, dass sich unerklärliches Scheitern und überraschendes Gelingen ziemlich die Waage halten. ... Überhaupt ist die Grundannahme, dass schlechte Filme zwangsläufig schlecht laufen, generell nicht bewiesen. ... Eine neue Denkschule fokussiert sich deshalb auf Überraschungshits. ... Solche Hits sind jedoch per definitionem unkalkulierbar. ... Die Ausrede "Es gab leider keinen großen Überraschungshit" klingt aus dem Mund eines Studiochefs auch deshalb reichlich absurd, weil seine Aufgabe schließlich wäre, wenigstens für den großen Rest der Filme eine sinnvolle Strategie zu finden. ... Okay, damit könnte man arbeiten, das sind Trends im Kleinen, auf die man reagieren kann. Was aber, wenn auch sie nicht alles erklären, wenn es überhaupt nicht mehr nur an den Inhalten liegt? Dann rückt auf einmal das Medium Kino selbst in den Mittelpunkt. ... ... Das muss auch mit Dingen zusammenhängen, die sonst im Entertainmentgeschäft geschehen: Video-on-Demand, DVD-Verleih im Internet, High Definition TV, Portable Playstations, Beamer, Flachbildschirme, Home Theatre - die Zahl der Kanäle, auf denen Hollywood seine Ware verkauft, nimmt ständig zu, überall werden heftige Steigerungsraten verzeichnet. Und das ist die eine Erkenntnis aus der Krise, an der kaum noch zu zweifeln ist: Es wird ernst für das Prinzip Lichtspielhaus, für das Gruppenerlebnis im verdunkelten Zuschauerraum. ... Niemand will es hoffen - aber 2005 könnte tatsächlich das Jahr werden, das mit normalen Erklärungen nicht mehr zu fassen war: Das Jahr, indem die überzeugten Kinogänger, vergleichbar den Vinylsammlern, endgültig den langen Marsch zum puristischen Connaisseur antrat - während die Zapping- und Multitasking-Gesellschaft ihrerseits begann, sich von einer ihrer letzten Zumutungen zu verabschieden: Sich zwei Stunden lang im Dunkeln nicht vom Fleck zu bewegen, weder vor- noch zurückzuspulen - und sich wirklich zu konzentrieren. Kino ade? - Ein Michelin für Filmpaläste?Das Kino steckt gewaltig in der Krise, und man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass die einzelnen Menschen sich in der Zuschauer-Masse spinne-feind sind. Die Generation Popcorn, die noch Geld für Kino-Tickets ausgab, hat jedenfalls ausgedient. Von FRITZ GÖTTLEREs klingt unglaublich, aber es ist wirklich wahr, zumindest in Berlin und Karlsruhe von kommendem Donnerstag an, später dann auch in weiteren deutschen Städten. "Ben Hur" kommt ins Kino zurück, und das, obwohl der mit elf Oscars bestückte MGM-Großfilm seit Jahren ein fester Bestandteil des deutschen Festtags-TV-Programms ist und es eine Luxus-DVD-Edition gibt, die alles, sogar die stumme Version aus den Zwanzigern mit Ramon Novarro enthält . . . Es war vielleicht der letzte große Film der Fünfziger, und es war, damals im November 1959, eine der letzten Möglichkeiten, das klassische Kino zu erleben. ... Solche Erlebnisse sind heute selten, mit "Harry Potter", dem "Herrn der Ringe", "King Kong". Mit den schlechten Kino-Zahlen 2005 haben schnell Diskussionen eingesetzt, was Kinokultur eigentlich ist - wie die Kultur ins Kino und wie das Kino zu seiner Kultur kommen kann. Nun hat auch die Branche die Sünden erkannt, die ihr seit Jahren aufgezählt wurden - überhöhte Preise, ödes Multiplex-Dekor, das wirre Labyrinth der auf diverse Etagen verteilten Kinosäle, im Kinosaal dann endlose Werbekolonnen, Monotonie der Filmtrailer, Popcorn- und Nachos-Gemampfe, Handygebimmel . . . [...] Schnell haben die großen Multiplex-Betreiber umgedacht, Hans-Joachim Flebbe mit seinem Cinemaxx, und Heiner Kieft mit seinem Cinestar. Starke Nostalgie ist plötzlich im Spiel, die Sehnsucht nach der Kinopalast-Atmosphäre der Vierziger und Fünfziger. Aber lassen sich die Multiplex-Abfertigungshallen wirklich noch umdekorieren? In Amerika ist man bereits ziemlich weit mit der Verwirklichung solcher Kinoträume. Bis zum Exzess hat das Hamid Hashemi getrieben mit seiner Firma Muvico, die erst in Florida, später im Rest der USA Fünf-Sterne-Kinos errichtete. Mit höchstem Luxus: Valet-Parking, Cocktail-Bar, Superrestaurant, natürlich mit Kinderaufsicht. Ein Michelin der Luxuskinos scheint nur noch eine Frage der Zeit. Die Sitze sind 1,8 m breit - auch zum paarweisen Gebrauch einladend, und man darf nach dem erlesenen Mahl zuvor natürlich seine Flasche Wein, sein Dessert, seinen Kaffee mitnehmen in den Kinosaal. Eins der Kinos, in Baltimore, ist gar im ägyptischen Stil gestaltet - die Lasvegarisierung des Kinos? ... Klingt für mich zum Teil schon etwas ominös, die `Wiederbelebungsversuche´, die da von einigen augenscheinlich unternommen werden  ... Stichwort: `Las Vegarisierung´ !  Ich hätte sicher kein Geld für sowas übrig...  Ragon, der Magier
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#7779 - 11/28/05 04:33 PM
Re: Ultraviolence!
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Elite Orc
Registered: 03/10/03
Posts: 1022
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Der Exorzismus von Emily Rose Pfarrer Moore steht vor Gericht, weil die Studentin Emily Rose, an der er einen Exorzismus durchgeführt hat, gestorben ist. Die Haupthandlung dreht sich um die Gerichtsverhandlung, aber immer wieder gibt es Rückblenden zu dem, was davor geschehen ist. Der Film basiert lose auf dem, was in den 70er Jahren in Klingenberg in Franken passiert ist, ist allerdings komplett nach Amerika verlegt, was sich für einen Gerichtsfilm wohl auch besser eignet. Angenehm ist, daß der Film dem Zuschauer keine Meinung aufdrückt, sondern ihn selbst entscheiden läßt, und daß er die religiöse Thematik nicht nur als Kulisse verwendet wie die meisten anderen Filme, sondern auf sie eingeht. Ansonsten fand ich den Film eher schwach, ich weiß nicht, an wen er sich eigentlich richtet. Als Horrorfilm nehmen die Rückblenden einen zu kurzen Teil ein und sind auch eher zu lau (gut, sonst wäre ich gar nicht erst rein), was dazu gehört, da eben nie klar wird, ob es sich um übernatürliche Ereignisse handelt oder nicht. Als Gerichtsfilm gehört er zum schwächsten was das Genre zu bieten hat und kommt nie über Genrestandards hinaus. Das durchschnittliche Publikum wird bei den teils recht langen Erklärungen von Pfarrer Moore eher mit den Augen rollen, das gläubige Publikum wundert sich über einige recht seltsame Vorstellungen (3 Uhr ist Geisterstunde?!). Und so landet der Film letztlich zwischen allen Stühlen.
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"In jedem Winkel der Welt verborgen ein Paradies"
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#7781 - 11/29/05 03:44 PM
Kurze Anmerkung:
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Ancient Dragon
Registered: 03/10/03
Posts: 8022
Loc: Krynn
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Noch ein kleiner Nachtrag zum Thema "1. Weltkrieg und Adolf Hitler":
Hitler war während des WK 1 "Melder", das heisst, seine Aufgabe bestand darin, zwischen den Schützengräben herumzuwetzen und Nachrichten zu überbringen.
Die Lebenserwartung dieser Melder war normalerweise sehr gering, denn es war einer der gefährlichsten Jobs überhaupt, da oft die Deckung der Gräben verlassen werden musste.
Das Hitler diesen Dienst überlebt hat, hat wesentlich dazu beigetragen, seinen Glauben daran zu prägen, "die Vorsehung" halte ihre schützende Hand über ihn, mache ihn unverwundbar und berufe ihn zu großen Taten.
Wenn man dann noch sieht, wieviele Attentate später gegen ihn verübt wurden, die er alle ohne einen Kratzer überstanden hat, kann einem schon sonderbar zumute werden...
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