#8183 - 01/12/07 06:39 PM
Re: Stanley Kubrick - da scheiden sich die Geister
|
Death Dragon
Registered: 04/04/05
Posts: 2741
|
|
|
Top
|
|
|
|
#8188 - 01/13/07 09:43 AM
Re: Stanley Kubrick - da scheiden sich die Geister
|
Archmage
Registered: 09/12/05
Posts: 2192
Loc: Turm des Magiers
|
In Antwort auf:
Im übrigen sollte man User-Rezensionen im Internet sowieso mit allergrößter Vorsicht genießen oder gleich ganz ignorieren.
Also es gibt auch gute Rezensionen, die einem sogar von Nutze sein können. Auch bei Amazon lese ich mir oft einige Rezensionen durch, wenn ich dort einen Artikel kaufen möchte. Man muss allerdings wirklich mit Vorsicht herangehen und die wirklich durchdachten Rezensionen vom 0/8/15-Schwachsinn trennen. Denn Schwachsinn gibt es zuhauf.
Klar, wenn Leute da schreiben Leute, saugeil, holt euch die Scheibe!!!! ist das nicht von Nutzen.
Edited by Pergor (01/13/07 09:44 AM)
|
|
Top
|
|
|
|
#8190 - 01/13/07 04:13 PM
Re: Stanley Kubrick - da scheiden sich die Geister
|
Death Dragon
Registered: 03/11/03
Posts: 1587
|
|
|
Top
|
|
|
|
#8191 - 01/13/07 11:14 PM
Re: Stanley Kubrick - da scheiden sich die Geister
|
Archmage
Registered: 03/10/03
Posts: 6879
|
Quote:
Es war eigentlich keine schwarze tafel sondern kleine Pillen die dazu geführt haben... aber in dem Zustand sieht man einiges mit anderen Augen.
Ja nun, nix neues, das wissen wir ja schon vom Fußball: "Dat Runde muß in dat Eckige!"
[Das sieht man mal wieder, was für einer philosophisch tiefschürfenden und künstlerisch wertvollen Sportart Elgi und ich frönen! ]
Ragon, der Monolithische
|
|
Top
|
|
|
|
#8193 - 01/15/07 04:11 PM
Re: Stanley Kubrick - da scheiden sich die Geister
|
Archmage
Registered: 03/11/03
Posts: 9122
Loc: Franken
|
BABEL: Der mexikanische Regisseur Alejandro González Inárritu hat sich in den vergangenen Jahren mit seinen vielfach preisgekrönten Werken "Amores Perros" und "21 Gramm" als Meister des anspruchsvollen, in sich verschachtelten Dramas etabliert. Mit "Babel" liefert er nun die Krönung seiner bisherigen Laufbahn ab! Der Film unterteilt sich in vier Handlungsstränge überall auf der Welt, die mehr oder weniger stark miteinander verknüpft sind. In Marokko wollen zwei junge Ziegenhirten die Reichweite ihres neuen Gewehrs überprüfen, mit dem sie eigentlich Koyoten erschießen oder verjagen sollen. Testweise feuern sie auf Fahrzeuge auf einer Straße weit unterhalb ihrer Position. Plötzlich bleibt ein Bus stehen und ein verzweifelter Mann rennt auf die Straße - die beiden Jungs ahnen, daß sie großes Unheil angerichtet haben und rennen davon. In besagtem Bus befindet sich eine amerikanische Reisegruppe, darunter das nicht allzu harmonische Ehepaar Richard (Brad Pitt) und Susan (Cate Blanchett). Susan wird durch eine der Kugeln an der Schulter verletzt und da das nächste Krankenhaus Stunden entfernt ist, fährt der Bus in ein nahegelegenes Dorf, wo es immerhin einen Tierarzt und ein Telefon gibt ... Gleichzeitig in den USA: Die Haushälterin Amelia (für den Golden Globe nominiert: Adriana Barraza) soll sich um Richards und Susans Kinder kümmern, doch als sich deren Rückkehr nach Susans Verwundung verzögert und Amelia keine Vertretung finden kann, nimmt sie gemeinsam mit ihrem Neffen Santiago (Gael Garcia Bernal) ihre Schützlinge kurzerhand mit zur Hochzeit ihres Sohnes in Mexiko. Zwei Mexikaner und zwei weiße Kinder in einem Wagen - was wohl die Grenzbeamten dazu sagen werden? Zunächst scheinbar unabhängig vom restlichen Film ist die japanische Episode: Hier geht es um die hübsche, aber aufgrund ihrer Taubheit und des Todes ihrer Mutter verbitterte Chieku (ebenfalls für den Golden Globe nominiert: Rinko Kikuchi), die verzweifelt nach Nähe sucht. So verschieden diese vier Handlungsstränge auch sein mögen, so hart sind auch González Inárritus Schnitte zwischen ihnen. Hart, aber teilweise wirklich brillant! Im Grunde empfiehlt sich der Regisseur hier mit Nachdruck als legitimer Nachfolger eines Terrence Malick; denn wie dessen Filme zeigt auch "Babel", wie sich die Menschheit selbst aus dem eigentlich leicht erreichbaren Paradies vertreibt - durch Vorurteile, durch Egoismus, durch trotz Globalisierung immer noch mangelnder Kommunikationsfähigkeit (daher auch der Filmtitel). Lediglich Malicks typischer Aspekt der Zerstörung der Natur durch den Menschen läßt "Babel" außen vor. Obwohl ich mich des Eindrucks nicht erwehren kann, daß die Amerikaner in "Babel" noch ein bißchen schlechter wegkommen als die restlichen Beteiligten (die aber überwiegend auch alles andere als Helden sind), begeht González Inárritu erfreulicherweise nicht den Fehler, irgendjemandem die Schuld zuzuschieben. Die USA sind nicht die Bösen, die Araber genauso wenig, die Globalisierung nicht, der Kapitalismus nicht. Zumindest nichts davon alleine. Nein, es sind vielmehr die einzelnen Menschen, deren fatale Charakterschwächen und Fehlentscheidungen im Einzelnen gar nicht mal fatal erscheinen, im Zusammenspiel aber zu der bedrohlichen Situation führen, in der sich die Welt heute befindet. Doch "Babel" ist auch kein besserwisserischer, moralpredigender Film. Allen Widrigkeiten zum Trotz streut González Inárritu immer wieder Hoffnungsfunken ein. Auch hier sind es die kleinen Dinge, die zählen: Ein mitfühlender japanischer Polizist beispielsweise oder eine hilfsbereite marokkanische Dorfbevölkerung. Dabei gelingt González Inárritu sogar das, was der letztjährige (höchst umstrittene) OSCAR-Gewinner Paul Haggis mit seinem "L.A. Crash" leider nicht ganz geschafft hat: Er hält nahezu perfekt die Balance zwischen frustrierender Realitätsnähe und vorsichtigem, warmherzigen Optimismus. Alles in allem ist "Babel" nicht weniger als ein Meisterwerk! Dazu trägt übrigens auch die Musik bei und das sowohl durch Gustavo Santaolallas Score als auch die begleitenden Songs und Melodien aus drei verschiedenen Kulturkreisen. Mein erster Kinofilm 2007 hätte besser kaum sein können. 9,5 Punkte. Und der Film, dem ich bei Golden Globes und OSCARs kräftig die Daumen drücken werde.
|
|
Top
|
|
|
|
#8195 - 01/17/07 07:26 AM
Re: Babel
|
Archmage
Registered: 03/11/03
Posts: 9122
Loc: Franken
|
DIE QUEEN:
Der Film beginnt mit der Wahl Tony Blairs (Michael Sheen) zum Premierminister 1997 und seinem Antrittsbesuch bei Queen Elizabeth II. (der OSCAR-Gewinn ist so gut wie sicher: Helen Mirren) - und damit sind die beiden Hauptfiguren von Stephen Frears´ hochgelobter Tragikomödie auch gleich eingeführt.
Wenige Wochen später verunglückt Prinzessin Diana in Frankreich tödlich. Ganz Großbritannien ist in Trauer, nur die königliche Familie bleibt in ihrem Urlaub im schottischen Balmoral und schweigt. Das schürt den Zorn der Massen, gesteuert durch die bekannten mega-populistischen Boulevard-Blättchen, die teilweise bereits den Anfang vom Ende der Monarchie gekommen sehen.
Blair, obwohl selbst kein erklärter Freund der Monarchie, versucht alles, um die Queen vom Ernst der Lage zu überzeugen, doch sie und ihre Familie und Berater bestehen zunächst darauf, die alten Regeln Traditionen einzuhalten (die es beispielsweise nicht erlauben, die königliche Standarte auf dem Buckingham Palace auf Halbmast zu setzen, wie von der Presse gefordert).
Als Stephen Frears ("Gefährliche Liebschaften", "Mrs. Henderson präsentiert") sein neues Projekt bekanntgab, hätte wohl kaum jemand gedacht, daß daraus ein ernsthafter OSCAR-Anwärter werden würde - und auch nicht, daß der Regisseur es schaffen würde, einen Stoff, der ein klassischer Tränenzieher zu werden versprach (oder drohte?), amüsant und zugleich einfühlsam umzusetzen. Doch das ist ihm in der Tat gelungen, nicht zuletzt aufgrund einer hervorragenden Darsteller-Riege (darunter ein wieder einmal glänzender James Cromwell als Prinz Philip und Helen McCrory als kratzbürstige Cherie Blair) und natürlich des gestern mit einem Golden Globe ausgezeichneten Drehbuchs von Peter Morgan.
Interessant ist dabei natürlich speziell die Art und Weise der Darstellung von Personen des öffentlichen Lebens: Helen Mirren interpretiert die Queen ernst und würdevoll, distanziert, aber keineswegs gefühllos.
Tony Blair, der zunächst als eher tölpelhafter Mensch eingeführt wird, erfährt die größte Entwicklung, indem er sich im Krisenmanagement bewährt und anders als einige seiner Mitarbeiter auch menschliche Größe zeigt, von der Queen höchstpersönlich jedoch auch jene Schwächen enthüllt bekommt, an denen er in der Realität letztlich scheitern sollte.
Positiv ist weiterhin, daß Frears sich keineswegs auf den ja immer noch verbreiteten Diana-Kult einläßt, sondern seine Protagonisten einige kritische (und sehr wahre!) Sätze darüber verlieren läßt, die gerade manchen britischen Zuschauer durchaus nachdenklich gemacht haben dürften. Erstaunlich auch, daß der Regisseur - der sich in der Vergangenheit oftmals monarchie-kritisch geäußert hat - zwar keineswegs die Fehler dieser Monarchie übergeht, aber jederzeit respektvoll und mitfühlend bleibt.
Echte Schwächen hat "Die Queen" eigentlich nicht, allerdings ist das Tempo über weite Strecken (vor allem in der ersten Filmhälfte) nicht allzu hoch und wer sich wirklich überhaupt nicht für Royals und die Hintergründe von Politik und Zeremonien interessiert, dürfte wohl kaum richtig glücklich werden.
Fazit: "Die Queen" ist eine wunderbar gefilmte, hervorragend gespielte und durchaus hintersinnige Tragi-Komödie, die hinter die Kulissen blickt. Dieser Blick ist natürlich spekulativ, aber da die Queen das Filmteam in den Buckhingham Palace eingeladen hat, kann das Gezeigte von der Realität so weit wohl nicht entfernt gewesen sein ...
8 Punkte.
Edited by Ralf (01/17/07 07:28 AM)
|
|
Top
|
|
|
|
#8196 - 01/19/07 01:38 PM
Balboa
|
Archmage
Registered: 03/10/03
Posts: 6879
|
Sozusagen "im Vorspann" zu dem bald anlaufenden und von den Kritikern äußerst wohlwollend aufgenommenen letzten Teils aus Sylvester Stallones Boxer-Saga, hier dieses amüsante und kurzweilige Interview, das er der SZ gegeben hat (" Stallone: Wow, man sagte mir schon, dass Sie von einer interessanten Zeitung kommen. - SZ: Super Zeitung!"  ): [Aber Vorsicht! Am Beginn der zweiten Seite sind Interviewer und Interviewter verwechselt!  ] "Ich war ein Idiot""... SZ: Sie sprachen von der Essenz. Was ist die Essenz in Rocky VI‘‘? Stallone: Es geht - wenn wir uns selbst finden wollen - nur auf dem Weg über einen anderen Menschen: Es geht nur in der liebenden Spiegelung. In beiden "Rocky"-Filmen, im ersten wie jetzt im letzten, steht der Kampf am Ende des Films als Motor für alles: "It’s not over until it’s over." Rocky Balboa lernt nun 30 Jahre später, dass das Leben die Hölle sein kann, dass es deswegen aber noch nicht vorbei ist. Vorbei ist’s ja erst, wenn es vorbei ist. Und die Geschichte ist auch jetzt: eine Liebesgeschichte! SZ: Und waren aber vielleicht einige Ihrer Werke nach den ersten "Rocky"- und "Rambo"-Filmen unter Ihrer Würde? Stallone: Oh, Sie wollten drauf zurückkommen . . . SZ: Sie haben in den Sequels von "Rocky" und "Rambo" Vietnamesen, Afghanen und Russen vermöbelt wie kein Zweiter. Mal ehrlich, war das alles ein wenig . . . Stallone: Dumm? SZ: Yep. Stallone: Seien Sie nicht so schüchtern! SZ: Das heißt? Stallone: Diese Filme waren nicht dumm. Sie waren eher wohl saudumm, oder? SZ: Sind sie Ihnen peinlich? Stallone: Nein. Sie gehören zu meinem Leben. Ich habe ein Vermögen damit verdient. Aber würde ich sie nochmal machen? Nein. SZ: Aber wie konnte ein junger Stilgott, der mit dem ersten "Rocky"-Film von der Kritik gefeiert wird, einen "Oscar" gewinnt und Hunderte Millionen Dollar verdient, so tief sinken und so bedenklich plumpe Filme drehen? Stallone: Eitelkeit natürlich. Größenwahn. Ich bin verrückt geworden. Weißer Anzug. Mercedes mit drinnen Doppelbett und Mikrowelle. Solche Sachen. Meine Karriere war mir nicht in die Wiege gelegt worden, verstehen Sie? SZ: Sie kommen, wie man so sagt, aus sehr einfachen Verhältnissen. Stallone: Allerdings, mein Lieber. Und ich hab’ nichts gegen Leute wie Sie, die mir sagen: Mann, Stallone, was für ein Müll! Stimmt ja alles. Nur: Ich bin gaga geworden. Ich treff’ in Los Angeles täglich junge Hunde wie ich damals einer war, unerfahren, aber vom Schicksal hochkatapultiert. SZ: Geben Sie den jungen Hunden Tipps? Stallone: Keine weißen Anzüge! SZ: Und der ganze Rest. Stallone: Eben. Bleibt auf’m Boden! Sucht euch die richtige Frau! Sonst schepperts eines Tages gewaltig, und zwar oben im Hirnkasten. Als der Erfolg kam, dachte ich: Es ist jetzt mal gut mit den einfachen Geschichten über die einfachen Leute. Ich hab’ mich dann selbst verraten. Ich wollte Rocky Balboa und John Rambo in eine Cartoonwelt schicken. Das ist mir gelungen. Aber der Preis war hoch. SZ: Wann haben Sie’s gemerkt? Stallone: Als Reagan das "Rambo"-Plakat hoch hielt und rief: "So wie der hier, so müssen wir Amerikaner das Ding in Libyen erledigen!" Ich saß vorm Fernseher und dachte: heilige Scheiße. ..." Ragon, der Magier
|
|
Top
|
|
|
|
#8199 - 01/20/07 04:03 AM
Re: Balboa
|
Elite Orc
Registered: 03/10/03
Posts: 1022
|
Aber er scheint schon zu wissen, was die jeweiligen Leute hören wollen: Stallone: Vertrag. Ich schulde der Filmfirma noch einen. . . . Aber die werden sich wundern. SZ: Wieso? Stallone: Weil John Rambo da als verbitterter alter Atheist herumsitzt, er hasst die Welt, Amerika, sich selbst, und am meisten: Gott. Die Religion wird eine große Rolle spielen, und was sie anrichtet.Aber hier hört sich das ganz anders an: And if a sixth "Rocky" movie isn't enough, there's "Rambo IV: Pearl of the Cobra" in the works. "It's also a Christian movie," Stallone said. "Here's how it is. I believe that you can have a Christian theme but you can't hit it too heavy. You can't hit 'em over the head with a hammer. You have to be subtle about it." Stallone described the plot to "Rambo IV," now in pre-production: "Rambo is a borderline atheist. He doesn't believe in anything anymore. His job is to bring a group of Christians upriver into a very hostile territory, and they're there to bring the word of God and medicine and dentistry to these natives. He has conversations with some of these Christians and he doesn't see it their way. They get captured, and ... he starts getting influenced by their faith in the face of such incredible odds. "I think it may work," he added.Oder der Übersetzer hat "und was sie anrichtet" irgendwie falsch übersetzt.
_________________________
"In jedem Winkel der Welt verborgen ein Paradies"
|
|
Top
|
|
|
|
#8200 - 01/22/07 09:32 AM
Re: Balboa
|
Archmage
Registered: 03/11/03
Posts: 9122
Loc: Franken
|
FLAGS OF OUR FATHERS:
Eine der bekanntesten Photographien überhaupt stammt aus dem Zweiten Weltkrieg. Sie zeigt sechs amerikanische Soldaten, die einen riesigen Mast mit der amerikanischen Flagge auf den Gipfel des Mount Suribachi auf der heftigst umkämpften japanischen Insel Iwo Jima pflanzen.
Das ist der Ansatzpunkt für Clint Eastwoods neuestes Meisterwerk, basierend auf dem gleichnamigen Roman von James Bradley und Ron Powers, der die wahre Geschichte jener sechs Soldaten erzählt (Bradley ist der Sohn von einem).
Dabei schafft "Flags of our Fathers" doch tatsächlich das Kunststück, das scheinbar ausgereizte Genre der Kriegs- bzw. Anti-Kriegsfilme aus einem neuen Aspekt zu betrachten, denn die eigentlichen Kampfhandlungen auf Iwo Jima machen nur die eine Hälfte des Films aus, während sich die andere um die Erlebnisse der überlebenden Soldaten auf dem Foto zurück in der Heimat dreht. Denn drei der sechs Soldaten fielen bereits kurze Zeit später im Gefecht, die übrigen drei hingegen wurden zurück in die USA gebracht, wo sie - die "Helden von Iwo Jima" - im Dienste des Vaterlandes für den Kauf von Kriegsanleihen werben sollen/müssen/dürfen.
Die drei Kameraden gehen ganz unterschiedlich mit der neuen, ungewohnten Aufgabe um: Während Rene (Jesse Bradford) den Ruhm und die mediale Aufmerksamkeit sichtlich genießt und "Doc" (Ryan Phillippe) einfach nur versucht, das zu tun, was ihm aufgetragen wird, verachtet Ira (stark in einer allerdings auch dankbaren Rolle: Adam Beach) den ganzen Zirkus und sucht Zuflucht im Alkohol.
Die Szenen auf Iwo Jima erinnern stark an Steven Spielbergs "Der Soldat James Ryan" - kein Wunder, fungiert Spielberg doch hier als Produzent! Die Kämpfe wurden in stark verwaschenen Farben gedreht, wodurch sie frappierend an die alten "Wochenschau"-Berichte aus dem realen Krieg erinnern (genau wie in "Der Soldat James Ryan"). Eastwood hat die Landung der Amerikaner auf dem kleinen Eiland (dessen Bedeutung für die amerikanischen Befehlshaber vollkommen unklar ist - die Invasion wurde nur befohlen, weil die Insel den Japanern so wichtig ist!) schonungslos und teilweise sehr brutal inszeniert, auch wenn die Szenen nicht an die Intensität der berühmten Landungs-Szene in "Ryan" herankommen. Was wohl auch gar nicht Eastwoods Bemühen war, denn jene Szene dürfte für lange Zeit unübertreffbar sein und außerdem zielt Eastwoods Film auch auf etwas ganz anderes ab. Die Japaner bleiben übrigens fast komplett gesichtslos, sind eigentlich nur in Gestalt feuernder Waffen oder als Leichen zu sehen - ihre Geschichte erzählt Eastwood im nächsten Monat bei uns startenden "Letters from Iwo Jima".
Eastwood zeigt seine Geschichte nicht einfach chronologisch, sondern wechselt immer wieder zwischen den Zeitebenen und Schauplätzen hin und her. So kontrastieren die beinahe schwarz-weiß erscheinenden Kampfszenen besonders extrem mit den bunten, augenscheinlich fröhlichen Bildern aus den Staaten und unterstreichen damit nur das Grauen des Krieges.
Doch auch die zweite Handlungsebene an der "Heimatfront" ist keineswegs frei von Grauen - wenn auch einer ganz anderen Art von Grauen.
Typisch Eastwood, daß er allerlei Mißstände beinahe beiläufig anprangert. Wenn beispielsweise der Indianer Ira in Football- und Baseball-Stadien bei der unfaßbaren, nachgestellten Erstürmung eines Papp-Mount-Suribachi von Zehntausenden gefeiert und bejubelt wird, später aber - unerkannt - in einer Kneipe nichts zu trinken bekommt, denn "wir bedienen keine Indianer" ...
Oder wenn in einem Akt besonderer Geschmacklosigkeit den drei "Helden" wider Willen bei einer Spenden-Veranstaltung ein Dessert serviert wird, welches das berühmte Foto mit der Flaggen-Pflanzung nachformt. Passenderweise gibt es dazu schön rote Erdbeersoße ...
Besonderes Lob gebührt auch der Musik, die Eastwood selbst gewohnt zurückhaltend, aber gerade in den Kampfszenen umso passender komponiert hat.
Fazit: "Flags of our Fathers" ist ein ungewöhnlicher, aber hervorragender Anti-Kriegsfilm, dessen einzige kleine Schwäche ist, daß er nicht übermäßig subtil ist und am Ende vielleicht ein bißchen zu rührselig wird. Das verhindert auch die Höchstwertung. 9 Punkte.
Interessant ist übrigens, daß "Flags of our Fathers" Kritiker und auch Zuschauer sehr gespalten hat. Während es zwar etliche euphorische Kritiken gab, sind doch auch überraschend viele negative zustandegekommen und auch die User-Bewertungen z.B. bei der IMDB sind zwar gut (in dem Fall 7,3), aber nicht überragend. Hauptkritikpunkt scheint zu sein, daß der Film "langweilig" sei. Ich vermute mal, sowas ist das Ergebnis falscher Erwartungen, denn wer einen typischen Kriegsfilm mit viel Action erwartet, der wird vermutlich enttäuscht werden. "Flags" erinnert mich in gewisser Hinsicht eher an Filme wie "Lord of War", "Catch-22" oder auch "M.A.S.H.", nur mit wesentlich weniger Humor.
Was ich jedoch (gerade angesichts des sehr kritischen Untertons im Film) überhaupt nicht verstehe ist die Tatsache, daß "Flags" außerhalb der USA (zumindest beim normalen Kinopublikum) deutlich schlechter ankommt als in den Staaten selbst. Möglicherweise ist die Thematik mit den Kriegs-Anleihen und der mehr oder weniger erzwungenen Werbetour der "Helden" für den Durchschnitts-Zuschauer doch zu amerikanisch? Fände ich jedenfalls schade, denn das ganze läßt sich zumindest sinngemäß sicherlich auch auf andere Nationen übertragen ...
Edited by Ralf (01/22/07 09:35 AM)
|
|
Top
|
|
|
|
|
|