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#8142 - 11/23/06 11:34 AM Re: Königliches Spielhaus
elgi Online   alien
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Da ich mir gerade Karten für Samstag geholt habe, werde ich diese Review ausnahmsweise mal nicht lesen. Aber die Note klingt ja schon mal nicht schlecht.

EDIT:

Jetzt habe ich doch gelesen und freue mich immer noch auf den Film.
Um die Unklarheit zu beseitigen: Die beiden heiraten und erst danach wird D.Rigg erschossen.


Edited by elgi (11/23/06 02:09 PM)
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Nigel Powers: "There are only two things I can't stand in this world. People who are intolerant of other people's cultures... and the Dutch!"

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#8143 - 11/24/06 07:22 AM Re: Königliches Spielhaus
Ralf Offline
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Danke für die Aufklärung.

Übrigens gibt es bei cinezone.de ein unterhaltsame Interview mit Daniel Craig zu lesen. Ein paar Auszüge:

cinezone (bezüglich Craigs Treffen mit der Queen bei der Weltpremiere in London): "Die Legende erzählt, dass die Untertanen vor der königlichen Begegnung mit Pfefferminz-Bonbons versorgt werden ..."
Craig: "Das stimmt, wie bekamen alle vorher Pfefferminz-Bonbons gereicht. Die ganze Sache war ohnehin ziemlich surreal. Wir alle, die Produzenten, die Studiobosse und das Team standen herum und warteten und lächelten uns an. Wir alle wussten, dass dieser Abend eine ganz einzigartige Erfahrung werden würde - und wir hatten uns vorher geschworen, dass keiner bei der Begegnung mit der Königin jene Szene von Mr. Bean wiederholen würde."

cinezone: "Wie haben Sie reagiert, als Sie schließlich erfuhren, dass Sie der nächste James Bond werden?"
Craig: "Ich war in Baltimore in einem Supermarkt als mich dieser Anruf erreichte. Dann habe ich mir eine Flasche Wodka gekauft, eine Flasche Wermut und einen Mixer. Damit habe ich mir drei oder vier sehr große Wodka Martinis gemixt. Leider war ich dabei ganz allein. Aber Baltimore hat sehr viele schöne Bars - und die meisten habe ich an diesem Tag kennen gelernt."
Ein Mann nach Elgis Geschmack, was?
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#8144 - 11/25/06 07:29 PM Re: Königliches Spielhaus
elgi Online   alien
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Quote:

CASINO ROYALE:

[...]

Allerdings erfährt Bonds Kumpel Felix Leiter, der in vielen der frühen Bond-Filme mitgespielt hat, eine Wiederbelebung. Übrigens samt Hautfarbenwechsel, er wird nun von Jeffrey Wright gespielt.



Da fällt mir ein, daß Leiter in Sag Niemals Nie ebenfalls schwarz war.

Zum Film:
Ich senke mein Haupt in Scham... nehme alles zurück, was ich über Craig gesagt habe. Bei Pierce Brosnan war das Problem, daß er zumindest für mich untrennbar mit Remington Steele verbunden sein wird... deswegen hat er so gar nicht zu James Bond gepaßt. Daniel Craig hingegen ist - wie schon mehrfach erwähnt - fast schon perfekt! Ein Tier im Job, zudem durchaus witzig und wohl auch leidlich romantisch talentiert. Eben James Bond. Der Vergleich mit Sean Connery ist meiner Meinung absolut gerechtfertigt und ich hoffe, daß Craig in den folgenden Filmen noch besser werden wird!

Wie auch Ralf vergebe ich 9 Punkte. Die 10 hätte es gegeben, wenn die Poker-Szenen häufiger und länger gewesen wären, weil ich das immer so toll finde. Zudem finde ich den Titelsong zwar durchaus gelungen - gesungen von Ex-Soundgarden-Sänger Chris Cornell - aber für meinen Geschmack paßt er nicht ganz zu Bond.
Zudem stimmen die von Ralle genannten Negativpunkte auch für mich, obschon ich das niedrigere Tempo gegen Ende nicht mal so schlecht finde. Mal ne Abwechslung zum normalen Ablauf. Allerdings finde ich das fast schon Cliffhanger-artige Ende nicht gut... Bond-Filme waren immer schön für sich genommen abgeschlossene Werke. Kinofilme, die derart stark einen direkten Nachfolger ankündigen sind meine Sache nicht.

Dennoch: Ein toller Film und in der Tat einer der besten Bonds. Ich bin beeindruckt. (Und nein, die Logikfehler interessieren mich nicht im Geringsten.)
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#8145 - 11/25/06 07:33 PM Re: Königliches Spielhaus
elgi Online   alien
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Quote:

Ein Mann nach Elgis Geschmack, was?



Ganz genau!

In dem Zusammenhang ist Bonds staubtrockene Antwort im Film auf die Frage, ob der Vodka-Martini gerührt oder geschüttelt sein sollte, herrlich anzuhören.

Was ich noch erwähnen wollte: Mit der leicht dunklen Schminke im Film sieht Eva Green umwerfend gut aus.

Und noch ein letztes Wort: Vodka-Martinin schmeckt an sich beschissen.
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#8146 - 11/28/06 09:20 AM Re: Königliches Spielhaus
Ralf Offline
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SCOOP - DER KNÜLLER:

Nach seinen hochgelobten und für den Drehbuch-OSCAR nominierten Thriller "Match Point" drehte Woody Allen gleich einen zweiten Film in London: Die Krimi-Komödie "Scoop".
Die amerikanische Journalismus-Studentin Sondra (Allens neue Muse Scarlett Johansson) wird als Besucherin einer Show vom Magier Splendini (Woody Allen) als Freiwillige für eine "Entmaterialisierung" ausgesucht. Während Splendini seinen Trick dem Publikum vorführt, erhält Sondra in der engen Kiste unverhofft Besuch vom Geist des renommierten Enthüllungs-Journalisten Joe Strombel ("Deadwood"-Star Ian McShane), der auch nach seinem Tod nicht vom Beruf ablassen kann und mittels Sondra den berüchtigten "Tarotkarten-Killer" überführen will. Denn er hat Hinweise, daß es sich dabei um keinen geringeren als den reichen und gutaussehenden Adelssprößling Peter Lyman (Hugh Jackman) handelt!
Sondra macht sich also gemeinsam mit dem hoffnungslos überforderten Splendini auf die Jagd, doch es kommt, wie es kommen muß: Sie verliebt sich in den galanten Lord!

"Scoop" ist eine nette kleine Krimi-Komödie, von der ich jedoch deutlich mehr erwartet hätte. Die Mischung aus Krimi und Komödie ist zu unausgewogen, so daß letztlich beide Elemente nicht vollends überzeugen können. Die Krimi-Handlung ist ziemlich konventionell und relativ vorhersehbar ausgefallen, auf der anderen Seite sind die - größtenteils auf Allens eigene Figur Splendini konzentrierten - Comedy-Elemente nicht immer wirklich lustig.
Natürlich wird es in einem Film von Woody Allen immer ein paar geniale One-Liner und bissige Dialoge geben (Beispiele gefällig? "Ich bin im hebräischen Glauben geboren, später bin ich dann zum Narzissmus konvertiert"; "Du bist so ein Pessimist! Bei dir ist das Glas immer halb leer" - "Nein, keineswegs. Das Glas ist immer halb voll - voller Gift!" ), aber frühere Filme wie der thematisch leicht verwandte "Im Bann des Jade-Skorpions" konnten mich sehr viel mehr überzeugen.
Gerade die Szenen mit dem verstorenen Joe Strombel auf Charons Totenfähre hätten so viel Potential für dutzendweise herrliche Gags geboten, doch Allen verschenkt diese Möglichkeiten unverständlicherweise beinahe komplett. Liegt wohl daran, daß er keine reine Komödie drehen wollte, sondern eben eine Krimi-Komödie ...

Ein großer Pluspunkt ist natürlich die Besetzung: Allens Grimassen sind immer lustig anzuschauen, daher freue ich mich stets, wenn er in einem seiner Filme auch selbst mitspielt. Was ich von Scarlett Johansson halte, sollte inzwischen bekannt sein und auch hier kann sie schauspielerisch wie auch optisch voll überzeugen. Und Hugh Jackman spielt den englischen Aristokraten genau so, wie man ihn sich vorstellen würde (wen interessiert es da noch, daß er Australier ist? ).

Insgesamt also ein netter Film und ein durchschnittlicher Allen-Film, der mit einigen exzellenten Gags brilliert, ansonsten aber unter den Erwartungen bleibt, die Allen selbst mit "Match Point" geschürt hatte.
7 Punkte (+ 1 Extrapunkt für eine Szene, in der Miss Johansson in einem atemberaubenden Badeanzug aus dem Swimming Pool steigt - wer könnte da nicht nachvollziehen, daß sich Lord Peter auf der Stelle in sie verliebt? ).
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#8147 - 11/29/06 08:42 AM Re: Königliches Spielhaus
Ralf Offline
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GOYAS GEISTER:

Für einen Cineasten ist ein neuer Film von Milos Forman immer ein Feiertag. Denn der Mann hat wenige Filme gedreht (ganze acht in den letzten 30 Jahren), dafür aber umso bemerkenswertere: "Einer flog über das Kuckucksnest", "Hair", "Amadeus", "Larry Flynt", "Der Mondmann" - und nun "Goyas Geister".

Ich sage es gleich: Es fällt mir einfach keine Möglichkeit ein, eine angemessene Rezension zu diesem Film zu schreiben, ohne ganz extrem spoilern zu müssen. Da ich das nicht will, werde ich mich mit einer sehr oberflächlichen Handlungsbeschreibung begnügen.

"Goyas Geister" konzentriert sich auf die Lebenswege dreier Personen in Spanien zwischen etwa 1790 und 1810. Der berühmte Maler Francisco Goya (Stellan Skarsgard) verdient seinen Unterhalt mit Portraits reicher Leute - von der königlichen Familie bis hin zu Kirchenleuten. Gleichzeitig verbreitet er jedoch Kupferstiche (glaube ich zumindest ...), in denen er sich über die spanische Inquisition lustig macht. Das gefällt der Kirche nicht wirklich.
Doch einer von Goyas Kunden ist Bruder Lorenzo (großartig wie immer: Javier Bardem), der seine schützende Hand über den Maler hält.
Als Goya Lorenzo bittet, der von der Inquisition unschuldig inhaftierten Ines (Natalie Portman), der schönen Tochter eines reichen Kaufmanns, der ebenfalls zu Goyas Kunden und Freunden gehört, zu helfen, nutzt der Priester seine Position schamlos aus - ohne Ines befreien zu können.

Das ist im Grunde genommen nur die Ausgangssituation des Films. Was den Fortgang der Handlung betrifft, möchte ich es bei ein paar Stichworten belassen: Die spanische Inquisition und ihre äußerst unchristlichen Methoden sind ein zentrales Thema, doch auch die "Befreiung" Spaniens durch Napoleon (bei der Lorenzo eine gänzlich unerwartete Rolle spielt) steht im Mittelpunkt der Erzählung. Aber letztlich gilt das Hauptaugenmerk Formans stets den drei zentralen Protagonisten der Story mit ihren Eigenheiten.

Javier Bardems Spiel ist wieder einmal OSCAR-verdächtig, wie charismatisch und mitreißend er seine zwielichtige Rolle verkörpert, ist wirklich erstaunlich. Skarsgard spielt den Maler eher zurückhaltend, was auch dazu paßt, daß Goya eigentlich vor allem ein weitgehend machtloser Beobachter der Geschehnisse ist. Und die immer besser werdende Natalie Portman zeigt eine wahre Tour de Force als Unschuld in Person, die durch Folter und menschliche Bosheit gebrochen wird (übrigens nach "V wie Vendetta" bereits der zweite Film in Folge, in dem Portman gefoltert wird - ob das was zu bedeuten hat? ).

Wie man es von Milos Formans Filmen kennt, sticht die Detailverliebtheit der Inszenierung ins Auge, die authentische und unsentimentale Darstellung einer lange vergangenen, sehr schmutzigen Zeit und Welt.

"Goyas Geister" ist ein guter Film geworden. Doch zu einem Meisterwerk fehlt mir eine gewisse Stringenz in der Handlung. Vermutlich liegt es auch an dem recht großen Zeitraum, den der Film abdeckt, jedenfalls gelingt es ihm nur selten, den Zuschauer wirklich mitzureißen. Aber natürlich gibt es einige großartige Szenen, die zudem von einem extrem bösartigen schwarzen Humor durchzogen sind, der aber natürlich hervorragend in diese zynische Zeit paßt.

Fazit: "Goyas Geister" ist ein gelungener, mitunter packender Historienfilm und zugleich Studie dreier Charaktere, die - jeder auf seine ganz eigene Art und Weise - bemerkenswert und erinnerungswürdig sind, nicht zuletzt dank ihrer hervorragenden Darstellung durch drei große Schauspieler. Milos Forman zeigt erneut, daß er immer noch ein großer Regisseur ist. Das gewisse Etwas, das aus einem richtig guten Film ein wahres Meisterwerk macht, fehlt diesmal jedoch leider.
8 Punkte.

P.S.: Der gesamte Abspann ist übrigens mit Goya-Gemälden unterlegt!


Edited by Ralf (11/29/06 11:09 AM)
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#8148 - 11/30/06 07:07 PM Manneskinder
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CHILDREN OF MEN:

Ganz einfach: 10 Punkte.


In Antwort auf Ralfs Rezension (SPOILERGEFAHR!):

Quote:

Fazit: Ein beeindruckender Endzeitfilm, dessen vielleicht einzige Schwäche es ist, daß er vor lauter Realitätsnähe und Doku-Style es nicht immer schafft, den Zuschauer (oder zumindest mich) auch emotional komplett zu fesseln.



Ich persönlich fand Clive Owen durchaus fesselnd... trotz des dokumentarischen Stils hat er es geschafft, die unwirkliche, verstörende, resignative und dann zugleich hoffnungsvolle und aktivistische Rolle mit Leben zu füllen. Alle Achtung.

Sehr gut gemacht ist vor allem die Szene, in der Theo und Kee mit zwei Begleitern unterwegs sind zu einem Ruderboot und dann von den Fishes erwischt werden... ab dann gibt es, wenn ich mich nicht irre, keinen einzigen Schnitt mehr, bis Theo Minuten später Kee und ihre Tochter wieder im zerbombten Haus findet. Perfekt gemacht!


Quote:

P.S.: Das ist jetzt wirklich ein Spoiler: Manche Kritiker bemängeln die "Erlöser-Mystik" am Ende des Films, sicher geht das auch manchem "normalen" Zuschauer so. Doch wenn man versucht, sich wirklich in die Situation hineinzuversetzen, so glaube ich, daß dieses Ende nur logisch und konsequent ist.



Ich fand die Erlöser-Mystik passend, eben aus dem von dir angedeuteten Grund, daß die Leute realistischerweise so reagieren. Und noch viel toller fand ich, daß die ganze Situation mit einem Granatenbeschuss abrupt wieder in Gewalt umschlägt. Damit wird die Erlöser-Symbolik in meinen Augen wieder negiert, denn das Leben und vor allem Sterben geht halt doch weiter... auch später als die Flugzeuge das Gebiet zerbomben, wird das noch mal verstärkt aufgegriffen.


Alles in allem ein sehr guter Film.

P.S: Ich mag Julianne Moore nicht... deswegen auch 10 Punkte...
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#8149 - 12/01/06 09:00 AM Re: Manneskinder
Ralf Offline
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Falls jemand sich über Elgis letzten Satz wundern sollte, muß er einfach den Film anschauen.

Aber Elgi (leichter SPOILER!): Wenn ich mich recht entsinne, befindet sich die von mir erwähnte "Blutstropfen"-Szene innerhalb der Sequenz, die du als eine einzige Kamerfahrt betrachtest. Falls ich damit richtig liege, muß es aber doch einen - zugegebenermaßen sehr unauffälligen - Schnitt geben, da das Blut ganz plötzlich weg ist, ohne daß es "im Film" weggewischt wird.

Das ändert aber natürlich nichts daran, daß die Academy "Children of Men" auf jeden Fall mindestens für den OSCAR in der Kategorie "Beste Kamera" nominieren muß - manche Kritiker und OSCAR-Experten hoffen ja sogar noch auf eine Nominierung als "Bester Film". Ich befürchte allerdings, daß der Film dafür einfach zu ungewöhnlich ist ...
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#8150 - 12/01/06 09:15 AM Re: Männerkinder
elgi Online   alien
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Quote:

Aber Elgi (leichter SPOILER!): Wenn ich mich recht entsinne, befindet sich die von mir erwähnte "Blutstropfen"-Szene innerhalb der Sequenz, die du als eine einzige Kamerfahrt betrachtest. Falls ich damit richtig liege, muß es aber doch einen - zugegebenermaßen sehr unauffälligen - Schnitt geben, da das Blut ganz plötzlich weg ist, ohne daß es "im Film" weggewischt wird.



Stimmt eigentlich... das Blut kommt glaube ich auf die Linse, als er so auf halbem Wege in das Bus-Wrack oder was es auch ist einsteigt, wo dann einer der Leute da erschossen wird, wenn ich mich recht erinnere. Das mit dem kein Schnitt ist mir auch etwas später aufgefallen... als er schon in Richtung des Gebäudes unterwegs ist und dann reingeht... ab da habe ich bewußt drauf geachtet, was davor war, haben ich versucht, in der Erinnerung zu rekonstruieren.

Ich muß mir den Film nochmal anschauen... hilft nix.
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#8151 - 12/01/06 09:28 AM Re: Männerkinder
Ralf Offline
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Aber nicht im Kino, befürchte ich ... (schon aus den Top10 rausgefallen)
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#8152 - 12/06/06 12:27 PM Die Abgereisten
Ragon_der_Magier Offline
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Also der allerneueste Scorcese-Streifen scheint ja ein wahrhafter Knüller zu sein - zumindest wenn man nach dem Senior-Kritiker der SZ, Tobias Kniebe geht.
Der lobt das komplette Werk sowie die Beteiligten, Darsteller und Macher, in den höchsten Tönen.
Und auch mit dem notorischen Potenzial für Oscar-Meriten (endlich mal! ) für Scorcese wird "The Departed" wird der Film gleich wieder in Verbindung gebracht.

Dabei handelt es sich im Grunde eigentlich nur - Ralf wird das aber dennoch sofort goutieren - um ein Remake des Hongkong-Thriller-Krachers "Internal Affairs".
Dieses wartet aber nicht nur mit einer hochkarätigen Besetzung aus Hollywoods Darstellergarde auf:

"... Ein teuflischer Plan

Der lange Atem, der große Plan, das ist der Ausgangspunkt der
Geschichte. Frank Costello (Nicholson) mag im organisierten Verbrechen
nur eine lokale Nummer sein, ein Schutzpatron, der noch jede Familie
seines Viertels kennt - aber er zitiert gern Shakespeare und Joyce und
denkt in großen Zusammenhängen. So umgarnt er den jungen
Waisenknaben Colin Sullivan (Damon), lockt ihn weg von den
Ministrantenpflichten in der Kirche, pflanzt ihm eine lebenslange
Loyalität ein - und schickt ihn auf die Polizeischule. Kaum zehn,
fünfzehn Jahre später erntet er die Früchte dieses teuflischen Plans:
Sein Schützling legt eine schnelle Karriere in Uniform hin und wird einer
Sondereinheit gegen die Mafia zugeordnet: Der Doppelagent in der
Schaltzentrale des Gegners.

Doch auch Captain Queenan (Martin Sheen), Costellos Nemesis im
Hauptquartier der Polizei, denkt langfristig. Aus den Abgängern
der Polizeischule sucht er einen Kandidaten aus, der den Slums
von South Boston und dem Einfluss seiner Mafia-Verwandten nur
knapp entkommen ist: Billy Costigan (DiCaprio). Er wird die Bande
unterwandern, um den Paten zu Fall zu bringen - und muss dafür
erst einmal ins Gefängnis. Bald aber spiegelt sich das Schicksal
der beiden Männer: Ihre Angst, ihr Leben in der Lüge, ihre ständige
Selbstverleugnung.
..."

Dazu noch in keinesfalls zu vernachlässigenden Nebenrollen Mark Wahlberg, Alec Baldwin und (die mir noch unbekannte) Vera Farmiga.

- Nein, auch das Drehbuch muß wohl wahrlich fantastisch sein.
Insbesondere lobenswert findet Kniebe die daraus für die Umsetzung erwachsende Tiefe der Charakterzeichnung, als auch der Plotentwicklung.


*ACHTUNG - SPOLIERISCH !!!*


Martin Scorseses neuer Kinofilm - Der Rattenfänger von Boston

Voll ausgelebte Aggression und Sexualität: Jack Nicholson ist in
Scorseses großartigem Gangsterepos "The Departed" der Mann mit
den am wenigsten verdrängten Problemen der Filmgeschichte.

Von Tobias Kniebe

Auf den ersten Blick sieht man das Räuber-und-Gendarmen-Märchen,
den Gangsterfamilienfilm, der sich bis auf den Häuserblock genau
lokalisieren lässt, in den Quartieren, Akzenten und Legenden der
irischen Mafia in Boston. Ein Film von der Straße also, ein
Scorsese-Straßenfilm wie zu besten Zeiten, eine Rückkehr auf das
blutgetränkte Terrain seiner größten Erfolge.

Der zweite Blick enthüllt schon etwas anderes, ein kühles,
temporeiches Strategiespiel, eine Lehrstunde aus Taktik und
Täuschung, mit Maulwürfen und Doppelagenten, die eines
Spionagethrillers würdig wären. Auf der nächsten Ebene wird dann die
Sicht auf die Schauspieler frei, auf berstend vitale Nebenfiguren, auf
Leonardo DiCaprio und Matt Damon in ihren bisher stärksten Rollen, auf
Jack Nicholson, der aufdreht bis zum vollen Joker-Jack und es doch nicht
schafft, den Film aus der Balance zu werfen.

Und so großartig das alles schon ist - das eigentliche Wunder von "The
Departed - Unter Feinden" liegt noch eine Schicht tiefer, in den
Feinheiten der Psychologie, die sich erst nach und nach enthüllen.
...

Martin Scorsese, präzise und gelassen wie lange nicht mehr, wirft sich
in diesen überbreiten Strom an Menschen- und Geschichtenmaterial
und lässt den Dingen oft ihren freien Lauf. Man muss schon aufpassen,
um die speziellen Tupfer zu sehen, mit denen er diesem Riesenfresko
seine Handschrift einprägt und gleichzeitig seine Meisterschaft
untermauert: Wenn DiCaprios Gesicht einmal von einem Mobile mit
Dutzenden Spiegelscherben reflektiert wird, das Bild so zerrissen, wie
er sich im Innersten fühlt; wenn sich in einer nächtlichen Gasse zwei
expressionistisch verzerrte Schatten jagen - zwei Männer, die
tatsächlich das Gesicht des jeweils anderen nicht kennen; und wenn
Nicholson, während er von der Existenz der verräterischen "Ratte"
spricht, wie nebenbei eine wunderbare Rattenzeichnung auf die
Tischdecke malt.

Da weiß man, dass man noch längst nicht alles gesehen hat, was es
hier zu sehen gäbe - und dass dieser Film mit jedem Betrachten weiter
wachsen wird. "



Ich bin mal sehr gespannt.

Ragon, der "Flitzebogen"


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#8153 - 12/07/06 10:03 AM Re: Die Abgereisten
Ralf Offline
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Loc: Franken
LITTLE MISS SUNSHINE:

Die Familie Hoover ist recht seltsam geraten: Vater Richard (Greg Kinnear) ist ein reichlich nerviger, arbeitsloser Motivationstrainer, Opa Edwin (mit guten Aussichten auf eine OSCAR-Nominierung als Bester Nebendarsteller: Alan Arkin) ist aus dem Altersheim rausgeflogen, weil er regelmäßig seinen Heroin-Konsum pflegt, Onkel Frank (ein weiterer Schritt auf dem Weg zu internationalem Starruhm: Komiker Steve Carell) ist ein homosexueller Ex-Literatur-Professor, der gerade einen Selbstmordversuch hinter sich gebracht hat, Sohn Dwayne (Paul Dano) will solange kein Wort mehr reden, bis er der Air Force beitreten darf und die kleine, leicht übergewichtige Tochter Olive (Abigail Breslin) will unbedingt an der "Little Miss"-Schönheitswahl teilnehmen. Lediglich Mutter Sheryl (Toni Collette) ist halbwegs normal.
Als Olive tatsächlich die Teilnahmeberechtigung für die Schönheitswahl erhält, macht sich die gesamte verrückte Familie in einem steinalten VW-Bus auf den Weg durch halb Amerika bis nach Kalifornien. Und dabei gibt es einige skurrile Abenteuer und auch Schicksalsschläge zu überstehen ...

Der Debütfilm des Ehepaars Jonathan Dayton und Valerie Faris war beim Sundance Film Festival der Publikumsliebling - und das ist stets ein gutes Zeichen für die Kinoauswertung und die Chancen bei den Award-Verleihungen. Tatsächlich wurde "Little Miss Sunshine" in den USA zu einem Überraschungshit und konnte auch international Publikum und Kritiker überzeugen (z.B. mit dem Publikumspreis beim Festival in San Sebastián). Das ist durchaus verständlich, denn diese kleine, schrullige und tragikomische Road-Movie weiß zu gefallen: Mit einem homogenen, gut aufgelegten Schauspieler-Ensemble ebenso wie mit verrückten Einfällen, einer positiven, aber nicht zu aufdringlich eingesetzten Botschaft und vor allem mit viel Herz für die Charaktere mit ihren ganz persönlichen und trotz ihrer Skurrilität stets nachvollziehbaren Sorgen.
Dabei muß klar gesagt werden, daß "Little Miss Sunshine" vor allem gegen Ende hin zwar einige wirklich brüllkomische Szenen beinhaltet (hätte nie gedacht, daß der Einsatz einer Autohupe dermaßen lustig sein kann ... ), insgesamt aber eher ein Film der leisen Töne ist.
Eine Sache für sich sind die Szenen der eigentlichen "Little Miss"-Wahl. In den USA sind diese Wettbewerbe vielerorts sehr beliebt, auf unsereins wirkt das Herausputzen nicht mal 10-jähriger Mädchen eher krank und abstoßend - zumal diese Szenen tatsächlich reale Teilnehmerinnen und ihre Eltern zeigen, also quasi halb-dokumentarisch sind!
Daß das Regisseurs-Paar diese Veranstaltungen keineswegs gut findet, wird angesichts des extrem komischen Auftitts von Olive deutlich, dennoch werden die Teilnehmer von ihnen nicht noch zusätzlich vorgeführt. Dieser Schönheitswettbewerb wird einfach so gezeigt, wie er ist.
Letztlich sicher die richtige Entscheidung, denn die präsentierten Bilder sprechen in der Tat für sich.

Fazit: "Little Miss Sunshine" ist eine teils äußerst amüsante, einfühlsame Tragi-Komödie, die kein absoluter Überflieger ist, aber sicherlich ein ausgesprochen vielversprechender Debüt-Film. Das gibt gute 8 Punkte von mir.


Edited by Ralf (12/07/06 10:05 AM)
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#8154 - 12/13/06 09:29 AM Re: Die Abgereisten
Ralf Offline
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Loc: Franken
DEPARTED - UNTER FEINDEN:

Billy Costigan und Colin Sullivan sind beides junge Männer, die gerade die Polizeischule in Boston absolviert haben. Während Colin (Matt Damon) schnell die Karriereleiter emporklettert, wird Billy (Leonardo DiCaprio) nach einer konstruierten Haftstrafe und Entlassung aus dem Polizeidienst als Undercover-Cop eingesetzt, der das Vertrauen des irisch-stämmigen Gangsterbosses Frank Costello (Jack Nicholson) gewinnen soll. Lediglich zwei Vorgesetzte von Billy, Captain Queenan (Martin Sheen) und Lieutenant Dignam (Mark Wahlberg) wissen von Billys Tätigkeit.
Was jedoch niemand bei der Polizei weiß: Auch Colin ist undercover tätig - denn er ein Zögling von Costello und wurde von diesem als Spitzel bei den Cops eingeschleust, um sie ihm vom Hals zu halten.
Bald finden beide Seiten heraus, daß die jeweilige Gegenseite einen Spitzel einsetzt und somit entwickelt sich eine Art Wettkampf, wer zuerst den "gegnerischen" Spitzel enttarnen kann ...
Übrigens, keine Sorge: Das alles erfährt das Publikum bereits innerhalb der ersten Filmminuten, meine Kritik ist also weitgehend spoilerfrei.

Aber Kenner asiatischer Filmkunst werden die Handlung sowieso kennen, da es sich bei Martin Scorseses Action-Thriller um ein Remake des grandiosen Hongkong-Polizeithrillers "Infernal Affairs" handelt. Kurioserweise ist "Departed" rund 50 Minuten länger als sein filmisches Vorbild und das liegt vor allem in den ersten etwa 90 Minuten begründet, in denen Scorsese eigentlich nur die Ausgangssituation aus "Infernal Affairs" übernimmt und daraus eine ganz eigene Stimmung entwickelt, die an sein frühes Meisterwerk "Mean Streets" erinnert. Gegen Ende werden die Parallelen zum Original aber immer deutlicher.
Es entbehrt übrigens nicht einer gewissen Ironie, daß "Departed" einen ganz erheblich höheren Bodycount vorzuweisen hat als das in dieser Hinsicht ziemlich zurückhaltende Original, obwohl doch normalerweise gerade asiatische Action-Filme für ihre ungezügelten Gewaltorgien bekannt sind ...
Doch es wird nicht nur nach Herzenslust geschossen und geprügelt, sondern auch so ungehobelt geflucht, daß selbst Joe Pesci (der in früheren Scorsese-Filmen oft als Choleriker vom Dienst eingesetzt wurde) vermutlich die Ohren klingeln würden.
In anderen Worten: Scorsese besinnt sich auf seine Anfänge aus den 70er Jahren, als er mit Filmen wie "Taxi Driver" oder eben "Mean Streets" (ich glaube, auf deutsch heißt der Film "Hexenkessel") zu den Begründern des "New Hollywood" zählte, welches das Publikum mit vorher kaum gekannter Realitätsnähe und ungeschönter Darstellung von Gewalt zugleich schockierte wie auch faszinierte.
Dazu paßt natürlich wie die Faust aufs Auge, daß Jack Nicholson als gewalttätiger Gangster-Boß mit schlecht sitzender Frisur sich wieder einmal den Teufel aus dem Leib spielen darf und dabei mit einem brillanten Leo DiCaprio auch noch einen würdigen Gegenspieler gefunden hat!

Dennoch gibt es ein Problem mit diesem klassischen Scorsese-Stil: Er ist in dieser Geschichte - wie das asiatische Original eindeutig beweist - gar nicht nötig und wirkt folgerichtig auch das ein oder andere Mal eher aufgesetzt als wirklich in die Handlung integriert. Wo "Infernal Affairs" zuförderst auf Eleganz setzt, verwendet "Departed" mit sichtlicher Freude den Holzhammer ...

Ein weiteres Problem ist, daß Scorsese die meiner Ansicht nach genau richtig dosierte Komplexität des Originals noch ein Stück nach oben schrauben wollte, was sich speziell in zwei zusätzlichen Figuren manifestiert: Der Polizeipsychologin Madolyn (Vera Farmiga in der einzigen nennenswerten Frauenrolle des gesamten Films, was eigentlich auch schon alles ist, was zu ihrer Figur zu sagen ist), die sowohl Billy als auch Colin therapiert und sich zu beiden hingezogen fühlt (und umgekehrt) sowie dem ungehobelten Lieutenant Dignam. Der wird von einem erstaunlich guten Mark Wahlberg zwar grandios verkörpert (er gilt völlig zurecht als chancenreicher Kandidat für eine OSCAR-Nominierung als Bester Nebendarsteller), ist aber eigentlich überflüssig. Erst am Ende wird ersichtlich, warum Scorsese die Figur überhaupt eingeführt hat und: Nein, ich mag dieses Ende nicht!
Vielleicht würde es mir ja gefallen, würde ich "Infernal Affairs" nicht kennen. Ich weiß es nicht. Aber so kann ich nur feststellen, daß ich das überragende Ende von "Infernal Affairs" weitaus besser finde. Aber auch hier will "Departed" am Ende noch eines draufsetzen. Schade.

Ein beinahe uneingeschränktes Lob verdient dagegen die Darstellerriege, die Scorsese engagiert hat und die in dieser Breite sicherlich ihresgleichen sucht: Nicholson, DiCaprio, Wahlberg, Sheen, dazu Alec Baldwin, Ray Winstone, Anthony Anderson, Mark Rolston (aus "Aliens - Die Rückkehr" und "Profiler"), James Badge Dale (aus "24"). Eigentlich ein perfekter Cast. Nur einer konnte mich leider nicht ganz überzeugen, obwohl ich ihn sonst als Schauspieler sehr schätze: Matt Damon. Er spielt gut, ist aber meines Erachtens schlicht und ergreifend eine Fehlbesetzung für die Rolle. Da hätte ich mir beispielsweise Brad Pitt - der als Co-Produzent fungierte - besser vorstellen können.
Technisch gibt es nichts zu bemängeln. Kameramann Michael Ballhaus hat einmal mehr hervorragende Bilder erschaffen, die Musik von "Herr der Ringe"-Komponist Howard Shore ist passend und die Choreographien der Schießereien und sonstigen Kämpfe sind tadellos und erreichen beinahe das Niveau eines Michael Mann.

Fazit: "Departed - Unter Feinden" ist ein guter, aber brutaler Action-Thriller mit herausragender Besetzung, der aber gerade im Vergleich zum Original "Infernal Affairs" zu viel will. Ich nehme an, daß Kinogänger, die das Original nicht kennen, wesentlich beeindruckter sein werden, da die Story wirklich bemerkenswert ist - was auch dadurch bestätigt wird, daß jeder, den ich kenne und der "Departed" ohne vorherige Kenntnis von "Infernal Affairs" gesehen hat, absolut begeistert davon war (bis auf einen, dem das Ende zu übertrieben war). Ebenso wie die allermeisten Kritiker übrigens.
Von mir gibt es dagegen "nur" gute 8 Punkte.
("Infernal Affairs" erhielt übrigens 10)


Edited by Ralf (12/13/06 09:31 AM)
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#8155 - 12/14/06 06:57 AM Re: Die Abgereisten
Ralf Offline
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ERAGON - DAS VERMÄCHTNIS DER DRACHENREITER:

Die Geschichte ist klassisch: Junger Bursche (hier: Eragon) wächst am Arsch der Welt auf einer Farm auf, ehe ein geliebter Mensch stirbt und Eragon erfährt, daß er auserwählt ist (hier: als Drachenreiter, der als einziger das Böse besiegen kann). Er findet einen Mentor und macht sich auf den Weg, sein Schicksal zu erfüllen.

Tja. Die Struktur kommt einem sehr bekannt vor, nicht wahr? "Eragon" ist die Verfilmung eines weltweit erfolgreichen Fantasy-Romans des Teenagers Christopher Paolini. Dem Buch (mittlerweile gibt es auch einen Nachfolger) wird oft vorgeworfen, ein ziemliches Plagiat von "Herr der Ringe" und Co. zu sein. Nun, ich habe es nicht gelesen, aber der Film orientiert sich jedenfalls sehr eindeutig an Tolkiens Meisterwerk bzw. Peter Jacksons cineastischer Umsetzung des selbigen.
In Paolinis Fantasywelt gibt es ganz klassisch Elfen (die wohl einzige im Film wird von Sienna Guillory verkörpert, die zwar hübsch, aber nicht wirklich elbisch aussieht), Zwerge (amüsanterweise einfach kleine, bärtige Männer ...), böse und gute Zauberer und eben die Drachenreiter, die einst von einem der ihren verraten wurden, der nun als dunkler König über die Welt herrscht (John Malkovich schafft es tatsächlich, sein gewohntes finsteres Charisma auszuspielen, obwohl seine Rolle kaum mehr als ein Cameo ist). Achja, und die Schergen der Bösen sehen ziemlich nach Orks aus, auch wenn sie anders heißen ...

Für Regisseur Stefen Fangmeier ist "Eragon" das Regiedebüt, bislang war er vor allem für die visuellen Effekte in Filmen wie "Lemony Snicket", "Master & Commander", "Jurassic Park" oder "Die Bourne Identität" zuständig. Folgerichtig sind auch in "Eragon" die visuellen Effekte, darunter Drachenlady Saphira, ein Highlight (wenngleich die eher unbefriedigende finale Schlacht das relativ geringe Budget des Films erahnen läßt), ebenso die oft wunderschönen Aufnahmen von Kameramann Hugh Johnson - allerdings sind einige Einstellungen beinahe 1:1 aus "Der Herr der Ringe" abgefilmt ... Die Musik von Patrick Doyle ist stimmungsvoll, wird aber gelegentlich etwas zu aufdringlich eingesetzt.

Damit ist also klar, daß der Film toll aussieht. Aber was steckt hinter der schönen Fassade? Leider nicht genügend. Die Geschichte ist klischeehaft (wenn auch durchaus unterhaltsam) und ist viel zu überhastet erzählt, dazu bleiben leider sämtliche Charaktere komplett oberflächlich.
Kein Wunder, wenn man ein Buch von über 700 Seiten auf gerade mal 100 Minuten Film zusammenstaucht (man vergleiche das mit den "Herr der Ringe"-Filmen, bei denen Jackson aus jeweils etwa 400 Seiten 170 bis 200 Minuten pro Film machte und immer noch einiges weglassen mußte)!
Den Schauspielern kann man da keinen großen Vorwurf machen: Newcomer Ed Speleers macht seine Sache als Drachenreiter Eragon in seinem allerersten Film sehr ordentlich (was nicht so einfach ist, da die Figur mitunter recht vorlaut und stur ist und somit nicht unbedingt als Identifikationsfigur taugt), Jeremy Irons spielt seine Rolle als Mentor Brom mit gewohnter Souveränität, Robert Carlyle gibt sich als dämonischer Hexer schön fies und Djimon Hounsou und Sienna Guillory sehen gut aus (nein, mehr haben sie wirklich nicht zu tun, was gerade beim unbestritten sehr guten Schauspieler Hounsou eine echte Verschwendung darstellt!). Und selbst an Nena als deutsche Stimme der telepathisch begabten Drachin Saphira gewöhnt man sich nach einer Weile (im Original wird sie von keiner geringeren als OSCAR-Gewinnerin Rachel Weisz gesprochen).

Unterm Strich ist "Eragon - Das Vermächtnis der Drachenreiter" ein sehr schön anzusehender, aber leider auch sehr mittelmäßiger Fantasy-Film für die ganze Familie (die FSK12-Freigabe für dieses harmlose Werk halte ich übrigens für übertrieben, wenn man bedenkt, daß selbst "Der Herr der Ringe" in den Kinofassungen ab 12 freigegeben wurde ...), der unglaublich viel Potential durch die überhastete Erzählweise verschenkt. Bei kommerziellem Erfolg gilt eine Verfilmung des zweiten Buches als sicher - dann aber bitte mit etwas mehr Sorgfalt, denn allen Klischees zum Trotz bietet diese Fantasy-Welt mit Sicherheit genügend Raum für schöne Geschichten.
6 Punkte.

Und damit immer noch deutlich besser als "Narnia" oder gar "Dungeons & Dragons" ...


Edited by Ralf (12/15/06 09:08 AM)
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#8156 - 12/15/06 03:23 AM Re: Die Abgereisten
Ddraigfyre Offline
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Offen gestanden war bei mir schon nach dem TV-Teaser und dem Anblick des blondgelockten Milchbubis als Hauptfigur der Ofen aus. Ist es denn absolut unmöglich, mal einen Schauspieler mit Charisma für sowas zu finden, oder ist der Held im Buch auch als Clerasil-Reklame für die Altersgruppe 10 - 16 angelegt ?

Vielleicht sehe ich mir den mal an, wenn er auf DVD erscheint, aber dafür wird sicher kein Geld oder Zeit im Kino verplempert.
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#8157 - 12/17/06 11:53 PM Re: Eragon
Kolibri Offline
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FSK 12... seltsam hier in Österreich läuft er ab 10.....

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#8158 - 12/18/06 06:32 AM Re: Eragon
elgi Online   alien
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#8159 - 12/20/06 09:27 AM Re: Eragon
Ralf Offline
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APOCALYPTO:

Lateinamerika, frühes 16. Jahrhundert: Der junge Jäger "Pranke des Jaguar" lebt mit seiner Familie zufrieden in einem kleinen Dorf mitten im Urwald. Doch eines Tages werden sie von Maya-Kriegern überfallen, die viele töten und noch mehr versklaven - als künftige Menschenopfer (lustigerweise erinnerte mich dieser Überfall übrigens stark an den ähnlichen Auftakt von "Conan, der Barbar" )! Pranke des Jaguar schafft es gerade noch, ein Versteck für seine schwangere Frau und seinen Sohn zu finden, dann wird auch er gefangengenommen.
Sehr viel mehr kann ich wieder mal nicht erzählen, ohne zuviel über den Fortgang der Handlung zu verraten.

Mel Gibson hat in diesem Sommer bekanntlich für sehr negative Schlagzeilen gesorgt, als er besoffen Auto fuhr und bei seiner Festnahme auch noch antisemitische Kommentare von sich gab. Keine gute PR für einen neuen Film. Schon gar nicht, wenn es sich dabei um einen so ungewöhnlichen handelt wie eben seine neueste Regiearbeit "Apocalypto": Ein Film über den Untergang der Maya-Kultur, gedreht mit Laiendarstellern und Dialogen in einem alten Maya-Dialekt (netterweise untertitelt ) ...
Doch allen schlechten Vorzeichen zum Trotz (inklusive etlicher Boykottaufrufe und einer IMHO albernen Haßkampagne im Internet): "Apocalypto" eroberte in den USA auf Anhieb die Nummer 1 der Kino-Charts! Und dafür gibt es einen Grund - der Film ist wirklich gut, was auch die Kritiker erkannt haben!

Die Handlung ist an sich eher schlicht: Es wird (sehr gelungen, mitunter sogar überraschend amüsant) das primitive Leben der Eingeborenen gezeigt, ihre Versklavung und später Flucht und Verfolgung. Um das zu verstehen, hätte man die Dialoge nicht mal unbedingt untertiteln müssen. Nein, die Stärken des Films liegen woanders. Beispielsweise bei den traumhaften Bildern von "Der mit dem Wolf tanzt"-Kameramann Dean Semler. Bei der ausgesprochen athmosphärischen Musik von "Braveheart"-Komponist James Horner. Beim authentischen Schauspiel der engagierten Laiendarsteller (allen voran Hauptdarsteller Rudy Youngblood sowie Jonathan Brewer). Bei den rasant geschnittenen und dabei alles andere als zimperlichen Action-Szenen. Und auch bei den nicht gerade sehr subtilen, aber umso treffenderen Anspielungen auf die heutige Gesellschaft.

Denn Mel Gibson präsentiert die Maya kurz vor ihrem Untergang als ein dekadentes Volk, das seinen eigenen Untergang herbeiführt und als einziges Gegenmittel Menschenopfer en masse kennt, um die Götter zu besänftigen.
Wie es zu Beginn in einem eingeblendeten Zitat eines amerikanischen Philosophen (sinngemäß) heißt: "Jede große Nation kann nur erobert werden, wenn sie sich bereits selbst von innen heraus zerstört hat." Die Spanier waren demnach eigentlich nur noch das i-Tüpfelchen ...

Ich muß zugeben, daß ich mich mit Mayas, Azteken und Co. nicht wirklich gut auskenne, insofern kann ich auch nicht sagen, wie historisch akkurat Gibsons Film ist. Aber das ist eigentlich auch egal, was die Qualität des Films betrifft ebenso wie die gesellschaftskritische Aussage, die Gibson mit seinem Werk tätigt. Der Film funktioniert einfach, auch wenn er nicht frei von Schwächen ist.
So kommen für meinen Geschmack gerade die Szenen in der großen Maya-Stadt zu kurz, während die Wanderungen durch den Dschungel manchmal ein wenig kürzer hätten ausfallen dürfen.

Aber insgesamt hat Mel Gibson mit "Apocalypto" ein packendes, brutales und phasenweise brillantes Abenteuer-Epos mit gelegentlichen Längen und ein paar etwas unglaubwürdigen Szenen geschaffen. 8,5 Punkte.


Edited by Ralf (12/20/06 09:30 AM)
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#8160 - 12/20/06 12:11 PM Re: Eragon
AlrikFassbauer Offline
Elder Druid


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In Antwort auf:

Ich muß zugeben, daß ich mich mit Mayas, Azteken und Co. nicht wirklich gut auskenne, insofern kann ich auch nicht sagen, wie historisch akkurat Gibsons Film ist.




Ich habe im "Neues aus Hollywood" - thread eine realistische, aus archäologischer Sicht geschriebene Kritik verlinkt - sie ist allerdings in Englisch.

Das Fazit ist sehr kurz : Mel Gibson hat alles, was ihm nicht passte, zusammengestrichen, um ein möglich blurünstiges Epos verfilmen zu können. Seiner Sichtweise nach waren die Spanischen Conquistadores diejenigen, die das Heil und die Errettung der Maya aus ihrer auf reine, seelenlose, blutige Brutalität ausgerichteten Religion darstellten.

In Antwort auf:

Although this film will undoubtedly create interest in the field of Maya archaeology by way of its spectacular reconstructions and beautiful jungle scenes, the lasting impression of Maya and other Pre-Columbian civilizations is this: The Maya were simple jungle bands or bloodthirsty masses duped by false religions, that their mighty but misguided civilization fell into ruin as a result, and their salvation arrived with the coming of Christian beliefs saddled on the backs of Spanish conquistadors




Mel Gibson tut sich da also wieder als christlicher Fundamentalist hervor, mit einer offensichtlichen Lust an Blut und an Zerstörung.

Eine Schande (aber vielleicht nicht unerwartet), daß in den USA der Film zum Kassenschlager geworden ist.

Eine Gute Gelegenheit, das Christentum wieder einmal über alles Andere, Fremdartige zu stellen.


Ich sah übrigens vor ein paar Tagen in einer Dokumentation auf Pheonix, daß Wissenschaftler endlich herausbekommen haben, woran die Maya-Kultur WIRKLICH zusammengebrochen ist :

Es gab zwi Machtpole, zwei Städte, und dazwischen viele kleinere, die sich der einen oder der anderen Partei anschließen MUSSTEN. (Die ganzen Namen kann ich mir leider nie auswendig merken).

Eine dieser Städte brachte in eine der kleineren Städte eine Frau, vermutlich eine angehörige des dortigen Herrscherhauses, um die dortige Gegend zu kontrollieren und ein lokales Königtum aufzubauen.

Diese "Kriegerkönigin" war es, die das Sstem zum Einsturz brachte.

Sie hielt mehrere Jahre Krieg, was die Gegenden unter Druck setzte. In ihrem Machtwahn aber tat sie das Fatale : Sie ließ einen Adligen aus dem gegnerischen Machtzentrum entführen, ihm die Nägel ausreißen, und ihn die Treppe des Tempels herunterstrürzen : So dargestellt erscheint sie auf einer Stele, die die Forscher fanden. Sie hatte den Adligen den Göttern geopdfert.

Menschenopfer waren nichts ungewöhnliches zur Zeit der Maya-Kultur, aber dies erzürnte den König des Machtzentrums, zu dem der entführte Adlige gehört hatte, und er griff das andere Machtzentrum, von dem die Kriegerkönigin gestammt hatte, an, und zerstörte es.

Es folgte ein gefährliches Machtvakuum. Es gab keine Balance mehr in einer Kultur, die auf die Balance zwischen diesen beiden Machtzentrem vollkommen ausgerichtet war.

Was nun folgte, war, das lokale Kriegsherren (in der Dokumentation als "Warlords" bezeichnet) die Macht an sich rissen, und sich untereinander bekämpften - und dabei Stadt um Stadt in Schutt und Asche legten.

Selbst Rückzugsgebiete der alten Maya-Könige wurden beraubt, geplündert und zerstört - dem Erdboden gleichgemacht. Von Wrlords, die kurzzeitig unumschränkte Herrscher waren - für eine *sehr* kurze Zeit. Niemand kennt heute mehr ihre Namen.

Also etwa das, was sich unter anderem in Afghanistan und in Afrika abspielt : Territoriale Fürsten halten die Bevölkerung niedrig, um ihre Macht auszubauen, und sie bekämpfen sich gegenseitig. In 1000 Jahren wird jeder ihre Namen vergessen haben, was bleibt, ist die Zerstörung, die sie angerichtet haben.

Hinzu kam, daß die Bevlkerung unkontrolliert anwuchs, was die Böden auslagte, und die zunehmend intensivierte Landwirtschaft führte zur Zerstörung und zur Erosion wervollen Ackerlandes.

Nach etwa 50 Jahren nach Antritt der Herrschaft der Kriegerkönigin war alles vorbei.

Das war das Fazit dieser zweiteiligen Dokumentation.

Deutsche Forscher sind übrigens in der Maya Forschung weltweit führend , speziell Bonn.

Wer sich mehr dafdür interessiert, sollte nach und nach mal bei der Webseite www.mesoweb.com vorbeischauen, sie haben exzellenze Berichte darüber, allerdings in Englisch und in PDF.



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#8161 - 12/20/06 12:50 PM Re: Eragon
Ralf Offline
Archmage


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Alrik, du solltest nicht alles glauben, was du im Internet liest! Folgendes ist beispielsweise so ziemlich das Schwachsinnigste, was ich je gelesen habe:

In Antwort auf:


Das Fazit ist sehr kurz : Mel Gibson hat alles, was ihm nicht passte, zusammengestrichen, um ein möglich blurünstiges Epos verfilmen zu können. Seiner Sichtweise nach waren die Spanischen Conquistadores diejenigen, die das Heil und die Errettung der Maya aus ihrer auf reine, seelenlose, blutige Brutalität ausgerichteten Religion darstellten.




Ich frage mich wirklich, wie voreingenommen gegen den Film man sein muß, um ihn dermaßen falsch zu interpretieren.
SPOILER-ALARM!!!
Gibsons Ansicht in "Apocalypto" ist ganz unzweideutig, daß die Spanier dieses einst so mächtige Reich nur deshalb erobern konnten, weil die Gesellschaft der Maya zu diesem Zeitpunkt sich bereits selbst mehr oder weniger zerstört hatte. Davon, daß die Spanier (die im Film sowieso nur einen Mini-Auftritt haben!) die Maya "erlösen" oder von ihrer blutrünstigen Religion befreien oder sonst irgendein Schmarrn, ist nicht einmal ansatzweise die Rede!
Zugegeben, das wortlose "Cameo" der Spanier kann man wohl verschieden interpretieren. Meiner Meinung nach ist die Art und Weise, wie Gibson ihr Auftauchen zeigt, jedoch alles andere als positiv (und erst recht die weise Entscheidung des Filmhelden, sich von ihnen fernzuhalten). "Unheilvoll" ist das Wort, das mir dazu sofort in den Sinn kam. Aber keinesfalls als Retter - ich bin wirklich erschüttert, wie man auf so eine abstruse Interpretation überhaupt kommen kann! Das wäre ja so, als würde man Werner Herzogs "Aguirre, der Zorn Gottes" als kriegsverherrlichend bezeichnen ...

Wie gesagt: Ich kenne mich mit dem Thema nicht wirklich aus, aber meines Wissens ist es Fakt, daß die Maya Menschen geopfert haben (schreibst du ja selbst) - und zwar nicht zu knapp. Daraus leitet "Apocalypto" in eindrucksvollen Bildern übrigens auch einen der Gründe für den Untergang der Maya ab - daß nämlich infolge der zahlreichen, unbestatteten Leichen der Menschenopfer Seuchen ausbrachen.
Da ist es auch vollkommen gleichgültig, ob das der historischen Realität entspricht oder nicht: Es ist einfach eine sinnvolle und zumindest nicht komplett unwahrscheinliche Metapher dafür, wie die Maya sich selbst zerstört haben. Denn Fakt ist jedenfalls auch, daß die Zivilisation der Maya schon vor dem Eintreffen der Spanier ziemlich heruntergekommen war ...
Außerdem handelt es sich schlicht und ergreifend um einen Spielfilm und nicht um eine Dokumentation: Ich bin mir sicher, daß auch "Ben Hur" kein perfektes Abbild der Römer-Zeit gezeigt hat.

Aber es wird ja noch schlimmer:

In Antwort auf:

Mel Gibson tut sich da also wieder als christlicher Fundamentalist hervor, mit einer offensichtlichen Lust an Blut und an Zerstörung.

Eine Schande (aber vielleicht nicht unerwartet), daß in den USA der Film zum Kassenschlager geworden ist.

Eine Gute Gelegenheit, das Christentum wieder einmal über alles Andere, Fremdartige zu stellen.




Du schaffst es wirklich sehr selten, mich wütend zu machen, Alrik. Eigentlich kann ich mich gar nicht erinnern, daß es schon einmal vorgekommen wäre. Aber durch solche beinahe schon vor Haß triefenden Tiraden offenbarst du leider angelesene Vorurteile, die dir alles andere als gut zu Gesicht stehen (und dabei bin ich selbst bekanntlich ein scharfer Kritiker der christlichen Kirchen!). Vor allem angesichts der Tatsache, daß du somit auch anhand eines Filmes, den du nicht einmal gesehen hast, einen Menschen (der sicherlich kein Heiliger ist, das weiß jeder) verurteilst.

Und nur mal so nebenbei: Ja, "Apocalypto" ist ziemlich brutal. Aber dabei weit weniger blutig als z.B. Gibsons OSCAR-gekrönter "Braveheart" und viele andere Filme der heutigen Zeit, die dabei noch nicht einmal einen guten Grund für ihre Gewalttätigkeit haben (wohingegen Menschenopfer nun einmal erwiesenermaßen eher selten ein Kinderspiel sind - vor allem für die Opfer).

So, jetzt brauche ich aber dringend eine Flasche Baldrian, oder zwei ...
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