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#8842 - 02/15/08 08:40 AM Re: Kino, Kino, Kino
Patarival Offline
Warlord


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Tja, ich werde wohl in der nächsten Zeit leider nicht ins Kino kommen. Die Wochenenden sind durch mein Schauspieler-Engagement bis Ende März leider komplett ausgebucht.

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#8843 - 02/15/08 08:51 AM Re: Kino, Kino, Kino
Ddraigfyre Offline
Ancient Dragon


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Bring doch den Inhaber des Theaters dazu, Popcorn und Cola zu verkaufen - dann kommt schon ein bisschen Kino-Feeling auf...
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#8844 - 02/15/08 12:48 PM Re: Kino, Kino, Kino
Ragon_der_Magier Offline
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Quote:

... ich hoffe, du oder Elgi oder Pat oder sonstwer schaut ihn sich bald an. Sonst platze ich noch (naja, oder ich habe die ganzen Details bis dahin wieder vergessen ...)!




Auweia, Ralf!
Was für ein bemühter, fadenscheiniger Vorwand um möglichst umgehend wieder in den Film reingehen zu können...



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#8845 - 02/15/08 01:02 PM Re: Kino, Kino, Kino
Ralf Offline
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Nunja, leider scheint er am Startwochenende ziemlich zu floppen. Sollte er nicht durch einen Sieg bei der Berlinale oder viele OSCARs zusätzliche PR bekommen, dürfte er leider allzu bald wieder aus den Kinos verschwunden sein ...
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Der Kinogänger (Filmblog)

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#8846 - 02/19/08 01:15 PM Re: Kino, Kino, Kino
Patarival Offline
Warlord


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In Antwort auf:

Bring doch den Inhaber des Theaters dazu, Popcorn und Cola zu verkaufen - dann kommt schon ein bisschen Kino-Feeling auf...




Ist leider das falsche Publikum dafür. Die Leute da tragen meist schicke Anzüge und Kleider und trinken Sekt.

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#8847 - 02/19/08 01:46 PM Re: Kino, Kino, Kino
Ralf Offline
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Nur vier Monate nach dem Deutschlandstart hat es dieser Film doch noch in mein Stammkino geschafft (und zwar im Rahmen einer "Ü50"-Sondervorführung! Ich sag´s euch, wenn ihr euch mal so richtig jung fühlen wollt, DAS ist genau das richtige dafür! ).

GEFAHR UND BEGIERDE:

Hongkong, zur Zeit des Zweiten Weltkrieges: Eine sechsköpfige Gruppe junger, idealistischer Studenten engagiert sich gegen die japanische Besetzung Chinas. Zunächst nur mittels patriotischer Theateraufführungen und Spendensammlung für die Rebellen, doch dann ergibt sich die Chance, den hochrangigen Kollaborateur Mr. Yee (Tony Leung Chiu Wai) zu eliminieren. Doch es ist nur eine kleine Chance, denn Mr. Yee ist ausgesprochen vorsichtig. So dauert es auch deutlich länger als von den naiven Studenten beabsichtigt, bis sich der schönen Wong Chia Chi (sehr beeindruckend in ihrem Schauspieldebüt: Tang Wei) die Gelegenheit ergibt, eine Affäre mit Mr. Yee zu beginnen. Doch das ist erst der allererste Schritt auf dem langen Weg zur erfolgreichen Beendigung ihrer gefährlichen Mission ...

Nach seinem OSCAR-prämierten "Brokeback Mountain" hat sich Star-Regisseur Ang Lee wieder zu seiner chinesischen Heimat zurückorientiert und einen dort sehr erfolgreichen Roman verfilmt. Doch obwohl die Geschichte auf den ersten Blick ganz anders zu sein scheint als die von "Brokeback Mountain", gibt es doch starke, unübersehbare Parallelen.
Wo bei "Brokeback Mountain" der Spätwestern-Hintergrund eigentlich nur als Fassade für die ausführliche Betrachtung der Hauptcharaktere diente, gilt in "Gefahr und Begierde" das gleiche für die Spionagehandlung.
Wer einen Film wie "Casablanca" oder gar "James Bond" erwartet, wird mit Sicherheit enttäuscht werden - zwar spielen der geschichtliche Hintergrund und Wongs Auftrag eine wichtige Rolle, im Zentrum stehen jedoch erneut die beiden Haupt-Protagonisten. Obwohl Mr. Yee und Wong nur sehr wenig gemein haben, eint sie vor allem eine Sache: Ihre Einsamkeit. Mr. Yee als Kollaborateur ist sich der ständigen Gefährdung seines Lebens jederzeit bewußt, er hat auch bereits zwei Versuche, über eine Frau an ihn heranzukommen, überstanden. Das hat ihn geprägt, er traut absolut niemandem mehr, selbst die Beziehung zu seiner Frau (gespielt von Joan Chen aus "Twin Peaks" und "Der letzte Kaiser") wirkt eher distanziert. Wong andererseits ist quasi eine Waise, selbst in ihrem Mitverschwörer-Freundeskreis eher still und scheint nicht mal wirklich von ihrem Auftrag überzeugt zu sein.
Doch irgendwie kommen die beiden letztlich doch zusammen und entwickeln sogar unwahrscheinliche Gefühle füreinander.

Wie einfühlsam und schmerzhaft authentisch Ang Lee dieses Verhältnis zwischen zwei von ihrer Umwelt entfremdeten, beinahe zerbrochen wirkenden Charakteren in langsamen, elegischen Einstellungen (die übrigens mitunter stark an den Stil seines Regiekollegen Wong Kar-Wai erinnern) zelebriert, ist absolut beeindruckend. Und wenn es doch mal zu seltenen Gefühlsausbrüchen kommt, geraten diese umso heftiger und schockierender (was sowohl auf Gewalt als auch auf Sex zutrifft - in China und anderen Ländern wurden die Sexszenen komplett zensiert, in den USA führten sie zur höchstmöglichen Altersfreigabe, die dort gleichbedeutend ist mit dem kommerziellen Todesstoß, da viele Kinoketten Filme mit diesem Rating grundsätzlich nicht spielen ...). Wieder einmal funktioniert dieser Kontrast (wenngleich er etliche ältere Zuschauer in der Vorführung zum vorzeitigen Gehen animierte ) und ist sogar essentiell für die Charakterisierung der Filmfiguren.

Wie immer bei Ang Lee sind Ausstattung, Kameraführung und ähnliches tadellos (weshalb es auch sehr enttäuschend ist, daß es keine einzige OSCAR-Nominierung gab), auch die eher unauffällige Musik von Alexandre Desplat paßt sich wunderbar ins Geschehen ein.

Daß "Gefahr und Begierde" von mir dennoch keine Höchstnote bekommt, liegt vor allem an seiner Länge. Während man dem Meisterwerk "There will be Blood" seine 160 Minuten kaum anmerkt (auch wenn manche Kritiker das anders sehen ), zieht sich "Gefahr und Begierde" bei gleicher Laufzeit doch etwas sehr in die Länge. Die eigentliche Handlung trägt nicht über so eine lange Zeit und obwohl die Darstellung der zentralen Beziehung zwischen Mr. Yee und Wong sehr beklemmend und eindrucksvoll in Szene gesetzt ist, hätte ich mir manchmal doch ein etwas höheres Tempo gewünscht.
Genau wie bei den Filmen von Wong Kar-Wai.

Insgesamt ist "Gefahr und Begierde" jedoch ein wirklich beeindruckender erotischer Spionage-Thriller mit starker Charakterzeichnung und einem bemerkenswerten Finale. 8,5 Punkte.

Übrigens: Ich hätte ja eigentlich gedacht, daß das Publikum einer "Ü50"-Vorstellung erträglicher wäre als das sonstige. Aber ganz ehrlich, ich habe schon ewig nicht mehr so oft während eines Films Handy-Gebimmel über mich ergehen lassen müssen wie hier! Und gequatscht haben auch einige, wenn auch zum Glück relativ leise ...
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#8848 - 02/20/08 10:55 AM Re: Kino, Kino, Kino
Ragon_der_Magier Offline
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Quote:

...
Übrigens: Ich hätte ja eigentlich gedacht, daß das Publikum einer "Ü50"-Vorstellung erträglicher wäre als das sonstige. Aber ganz ehrlich, ich habe schon ewig nicht mehr so oft während eines Films Handy-Gebimmel über mich ergehen lassen müssen wie hier! Und gequatscht haben auch einige, wenn auch zum Glück relativ leise ...




Tja, Ralf
- Du bist halt viel zu alt für die, diese cineastischen Küken!
Hätt´ ich Dir aber auch gleich sagen können, alter Methusalem des Silverscreens...

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#8849 - 02/20/08 11:22 AM Re: Kino, Kino, Kino
Ralf Offline
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Immerhin sorgte einer der Klingeltöne für Erheiterung im Saal. War irgendwas mit "yippie-yippie-yeah" oder so ähnlich (aber ohne "Schweinebacke", leider ). Auch nicht gerade ein Klingelton, den ich bei DIESEM Publikum erwartet hätte ...
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#8850 - 02/20/08 12:35 PM Re: Kino, Kino, Kino
Exhuminator Offline
Elite Orc


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*Zivilisten abschlacht*

- Hallo ich bin Rambo 4
- Ich bin ein Protagonist. Kommst du mit Lebensmittel verteilen?
- Ne, kan Bock
- Ich bin seine Gehilfin!. Wirklich nicht?
- Wenns sein muss

*Piraten abschlacht*
*Dorf abmetzel*

An dieser Stelle hab ich aufgehört.

Für alle die's nicht kapiert haben: das war JOHN RAMBO

Über die Schauspieltalente von Sly kann man streiten, aber die Regie sollte er doch besser anderen überlassen.

Alles in allem

- 2 Punkte für Schlechte Story
- 2 Punkte für Langweilige Effekt
- 2 Punkte für die schlechten Kämpfe
- 1 Sympathie Malus für den 60 jährigen, der den Hals ned voll bekommt
+ 1 für den BodyCount von 250+

=4/10 Punkten

Gott kennt erbarmen
Rambo 4 ist erbärmlich
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#8851 - 02/24/08 06:06 PM Re: Kino, Kino, Kino
elgi Online   alien
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Auf diese Beleidigung eines jeden Rambo-Fans werde ich nicht eingehen. Stattdessen:

Pünktlich zur Oscar-Verleihung möchte ich heute Abend fünf Filme auf einmal bewerten und gebe eine allgemeine Spoiler-Warnung aus!


ABBITTE:

Ralf hat die Geschichte schon angesprochen, deswegen spare ich mir das und komme gleich zu einer wichtigen Frage: Wie konnte dieser Film jemals als heißer Kandidat für den Oscar gelten?

Die Voraussetzungen sind zwar durchaus gegeben - die Schauspieler sind allesamt gut, die Story strotz nur so vor Emotionen, auch die Dramatik kommt dank der Kriegszeiten nicht zu kurz - aber das Endresultat kann mich überhaupt nicht überzeugen. Das Ganze wirkt eher wie ein wild zusammengewürfeltes Etwas, vor allem im zweiten Teil während der Kriegstage. Da wird relativ kurz das Leid der Soldaten an der Front gezeigt, in einigen kurzen Szenen auch sehr drastisch, wie etwa im Krankenhaus als die Verwundeten ankommen. Auch die lange und zusammenhängende Kamerafahrt, als Robbie mit seinen Kameraden an der französischen Küste ankommt, ist schön gemacht und gibt einen ungefähren Eindruck darüber, wie sich die Soldaten da gefühlt haben mögen. Aber das alles wirkt nicht flüssig, nicht aus einem Guß... wenn man solch einen Gefühlsfilm in eine Kriegsrahmenhandlung betten will, muß das meiner Meinung nach schon etwas gekonnter inszeniert sein und nicht so halbgar wie in diesem Fall. Da gefällt mir der erste Teil, den Ralf als Soap bezeichnet hat, zumindest von der Stringenz her deutlich besser, wenn auch dort die Handlung mehr oder weniger auf der Stelle tritt und man stattdessen relativ unwichtige Details in die Länge zieht, was dem Ganzen einen cineastischen Eindruck verleiht, aber nichts Essentielles für den Film selbst liefert.

Ich könnte mir vorstellen, daß der Film als solcher eindrucksvoller und stimmiger gewesen wäre, wenn die vereinzelten Zeit- und Ortssprünge zum Leitmotiv gemacht worden wären und man damit die Erzählstruktur von Anfang an aufgelöst hätte. Mit unkenventionelleren Mitteln, in die dann auch - sozusagen als aufschreckende Abwechslung - fast schon stakkatoartig Kriegsszenen eingestreut hätten werden können. Evtl. hätte das dem Ganzen mehr Pepp verliehen, wenn schon die Tiefe auf der Strecke bleibt.

Immerhin überzeugen die Schauspieler größtenteils, wie auch Ralf schon festgestellt hat. Vor allem James McAvoy spielt seine Rolle hervorragend, wie ich finde. Fand ich ihn letztes Jahr in "Der letzte König von Schottland" noch leicht überfordert, macht er seine Sache in diesem Film schon besser und kann durchaus beeindrucken. Keira Knightley ist ebenfalls gut, wenn ich auch bei ihr eine gewisse Abwechslung in der Art vermisse, wie sie ihre Rollen spielt. Das dürfte hoffentlich mit den Jahren dann kommen, so daß man nicht Keira Knightley mit immer ähnlichem Gesichtsausdruck und konstanter Stimme sieht, sondern tatsächlich die gespielte Rolle genießen kann.

Dennoch: Der schwächste der 5 nominierten Filme, denke ich. Daher schließe ich mich Ralfs Fazit an:

Quote:

Fazit: "Abbitte" ist ein wunderbar gemachter Film, der aber unter einer Story leidet, die im Buch wohl zu komplex ist, um sie wirklich umsetzen zu können und daher auf der Leinwand gehetzt und oberflächlich wirkt. 6,5 Punkte.






JUNO:

Die 16jährige Juno MacGuff (Ellen Page) ist schwanger von ihrem Mitschüler Paulie Bleeker. Da sie sich nicht bereit für ein Kind fühlt, entscheidet sie sich dafür, ihr Baby nach der Geburt zur Adoption freizugeben - und findet in einer Anzeigenzeitung auch schon das perfekte Paar dafür: Die etwas verklemmt wirkende Vanessa Loring (Jennifer Garner) und der zwangsdomestizierte Alt-Rocker Mark Loring (Jason Bateman, zuvor schon in "Operation: Kingdom" mit J. Garner vor der Kamera).
Unterstützung während der Schwangerschaft bekommt sie von ihrer resoluten Stiefmutter (Allison Janney, vor allem bekannt geworden durch ihre Rolle in der TV-Serie "The West Wing") und ihrem sympathischen Vater (J.K. Simmons, der cholerische Zeitungsboss in Spiderman 1-3).

Viel gibt es zur Geschichte nicht zu erzählen... es gibt ein, zwei kleine inhaltliche Wendungen, die ich nicht verraten möchte, aber das alles verläuft in vorhersehbaren Bahnen; gegen Ende kommen leicht tragisch-dramatische Töne in die Komödie, aber das trügt den Gesamteindruck nicht, sondern paßt von der Storyentwicklung her gut.
Doch der Film zieht seinen ganzen Charme aus den teilweise recht skurril-derben und fast immer witzigen Dialogen sowie aus der Leistung des Darstellerriege. Allen voran die erst 21jährige Ellen Page, die die eigentlich überforderte, aber immer schlagfertige Teenagerin mit beeindruckender Verve und zugleich Zerbrechlichkeit spielt, daß es eine Freude ist, ihr dabei zuzuschauen. Es gibt wohl natürlich auch andere Schauspielerinnen aus anderen Filmen, die eine Oscar-Nominierung verdient hätten, allerdings ist E. Page meiner Meinung nach völlig zurecht nominiert. Es ist eine Überraschung durchaus, aber immerhin eine sehr nette Abwechslung.
Hinzu kommt die sehr witzige Rolle von Vater MacGuff, den J.K. Simmons mit herrlich trockenen Sprüchen und zugleich warmer Mimik perfekt darstellt. Die restlichen Rollen sind nicht überragend, aber gut gespielt. Der eigentlich als Loser wirkende Paulie Bleeker wird vom 19jährigen Michael Cera erstaunlich professionell gespielt - die Leistung der beiden jungen Darsteller sollte aber nicht allzu sehr überraschen, da sie nicht ganz neu im Geschäft sind.

Die Nominierung für den besten Film und die beste Regie finde ich bei aller Freude allerdings etwas zu übertrieben. Man wollte wohl auch einen kleinen positiven Klecks in der Liste, denn bis auf einige kurze Teile ist der Film durchaus als positiv zu betrachten - es gibt keine bösen Leute, keine Feindschaften, keine Action, keine bösen Politiker, keine schlimmen Verschwörungen... nur eine einfache Geschichte aus dem Leben.

Von mir gibt es eine Wohlfühlnote von 7.5; erinnert vom Eindruck vor den Oscars her an "Little Miss Sunshine" aus letztem Jahr, den ich aber noch besser fand.



MICHAEL CLAYTON:

Michael Clayton (George Clooney) arbeitet als "Saubermacher" für eine erfolgreiche Anwaltskanzlei. Am Anfang des Films bekommt er einen einfachen Auftrag - er soll einem fahrerflüchtigen Klienten behilflich sein, aus der Sache herauszukommen. Das wird recht schnell erledigt, daraufhin rast er in seinem Mercedes durch die Morgendämmerung, als er auf einer Weide ein paar Pferde sieht... er steigt aus, um sie sich anzusehen - auf eine traurige Art und Weise, die man sich da noch nicht erklären kann. Was für ein Glück er dabei hat - denn wenige Minuten später fliegt sein Auto dank einer Sprengladung in die Luft!

Schnitt - vier Tage zuvor. Clayton wird von seinem Chef (Regie-Altmeister Sydney Pollack) auf seinen Kollegen Arthur Edens (Tom Wilkinson, oscar-nominiert) angesetzt. Dieser ist ein begnadeter Anwalt und momentan mit der Verteidigung eines großen Lebensmittelkonzerns betraut, ein milliardenschweres Verfahren, von dessen erfolgreichem Ende auch eine lukrative Fusion der Anwaltskanzlei mit einer anderen Kanzlei abhängt. Eigentlich eine einfache Angelegenheit - wenn, ja wenn Arthur Edens sich nicht wie ein Verrückter aufführen würde. Bei einer Anhörung von Zeugen legt er einen Strip hin und tanzt auf dem Tisch, was per Kamera festgehalten wird. Danach geht es noch wilder weiter... als ob das nicht genug wäre, scheint er auch die Seiten wechseln und die Anklage gegen den Lebensmittelkonzern antreiben zu wollen.
Wie gesagt, Clayton wird beauftragt, die Sache wieder in Ordnung zu bringen, seinen alten Freund zur Raison zu bringen und das Verfahren und damit die Milliarden zu retten. Parallel dazu fühlt sich die Assistentin des Lebensmittelkonzerbosses - gespielt von Tilda Swinton, ebenfalls oscar-nominiert - ebenfalls gezwungen, ihre eigenen Maßnahmen zu ergreifen, um ihre Firma vor einer Blamage zu bewahren.

Es wurde ja schon genannt: "Michael Clayton" ist ein überaus konventioneller Film und erinnert in seinem Erzähltempo und der Charakterzeichnung an Filme aus den 70ern. Eine häufige Kritik am Film dabei lautet, daß die Story nicht gerade vom Hocker reißt, daß man solcherlei Geschichte um bösen Konzernen und dunklen Geheimnissen um sie schon oft und manches Mal auch deutlich besser gesehen hat. Das stimmt. Die Story wird nur langsam weiter entwickelt, es gibt keine großen Überraschungen, man kann sich schon recht bald ein Bild über die Verstrickungen machen und dann dem Ende des Films entgegenfiebern.

Der Reiz auch dieses Films geht jedoch meiner Meinung nach ebenfalls von den Darstellern aus.
Tilda Swinton als die nervöse, kühle Karrierefrau, die sich immer wieder beweisen muß und auf keine Fall einen Fehler machen will, ist überzeugend und wohl zurecht oscar-nominiert.
Tom Wilkinson als Superanwalt, der zwar reichlich spät, aber dafür umso eindrucksvoller sein Gewissen findet und diesem mit einem Hauch von Wahnsinn folgt, ist oberflächlich gesehen zwar eine schwierige Rolle, dürfte für aber einen solch erfahrenen Schauspieler wie Wilkinson kein allzu großes Problem darstellen. Es ist, so denke ich, eine dankbare Rolle - denn diese leicht irren Charaktere sind mit etwas Talent leichter zu spielen, als total verschlossene oder ganz durchschnittliche Personen. Nichtsdestotrotz macht Wilkinson seine Sache wenig überraschend sehr gut.

Und schließlich George Clooney, der für diese Rolle zum dritten Mal insgesamt und zum ersten Mal als bester Darsteller für den Oscar nominiert wurde. Wenn man bedenkt, daß der Film mehr oder weniger auf der Figur des Michael Clayton und damit auf der Leistung von G. Clooney aufbaut, muß er diese Aufgabe ja recht gut erfüllt haben, wenn er dafür auch noch für den Oscar nominiert wurde. Und ja, das hat er in der Tat. Die Figur des Michael Clayton wird dabei glücklicherweise nicht nur als disziplinierter Saubermacher-Anwalt der Kanzlei dargestellt, sondern auch mit anderen Facetten - z.B. als bemühter, aber nicht wirklich überzeugender Vater... oder als leicht verzweifelnder Bruder. Immer wenn er alleine seinen Job macht, ist Michael Clayton durch und durch Profi und top, aber im Zusammenspiel mit anderen Menschen merkt man, daß auch er gewisse Schwächen hat. Sehr deutlich wird auch, daß Clayton eigentlich nicht wirklich zufrieden ist mit seiner Rolle in der Kanzlei... lieber wäre er normaler Anwalt im Gerichtssaal und nicht der zwielichtige Mann für alles. G. Clooney schafft es, diese kleine Zerrissenheit des Charakters beinahe unprätentiös wiederzugeben. Sein Minenspiel und seine Leinwandpräsenz sind beeindruckend und er trägt in der Tat den Film - zumindest meiner Meinung nach.

In dem Zusammenhang sollte eine weitere Kritik erwähnt werden, die man so liest: Über die Vergangenheit von Michael Clayton würde nicht viel verraten werden... seine dunkle Vergangenheit, die nicht ganz so legalen Aktionen, mit denen er seinen guten Ruf in der Branche aufgebaut hat, würden nicht thematisiert. Das ist richtig. Aber kann keine ernst gemeinte Kritik sein. Was hätten sie machen sollen? Immer wieder mal Dialogfetzen wie "Weißt du noch Michael, wie du vor 5 Jahren diesem Mann die Beine hast brechen lassen?" Nein, ich finde es gut, wie die Charaktere ohne sehr viel Hintergrund eingeführt werden. Man muß ja nicht alles wissen.

Vom Handwerklichen her muß sich der Film ebenfalls nicht viel gefallen lassen... wenn man sich nicht unbedingt auf die genannten Kritikpunkte versteifen möchte. Die Regiearbeit überzeugt, der Film trägt eine eindeutige, teils düstere, teil beklemmende, teils triste Handschrift, die Kameraführung ist unauffällig und gut, die musikalische Untermalung passend zur aufgebauten Atmosphäre.

Alles in allem ein durchaus konventioneller, behäbiger Thriller, der weniger Wert auf die Story legt - die in anderen Filmen sicher besser erzählt wird - sondern durch seine gefällige Inszenierung und seine guten Schauspieler überzeugt. Kein überragendes Werk, aber mir hat er durchaus gefallen - aber ich bin auch ein überzeugter Clooney-Fan.
Note: 8.



NO COUNTRY FOR OLD MEN:

Irgendwo in Texas... Jäger Llewelyn Moss (Josh Brolin) stößt auf seiner Jagd in der texanischen Steppe auf die Überreste eines Drogendeals, der wohl nicht ganz so wie geplant verlaufen ist. Ein paar Pickups, einige Leichen, ein Überlebender (der Wasser will, was er ihm nicht bieten kann) eine Ladefläche voll Drogen und ein Koffer mit 2 Mio. Dollar - das ist die Szenerie, die er vorfindet. Er nimmt den Koffer mit in seinen Wohnwagen. In der Nacht plagt ihn sein Gewissen, er nimmt einen Kanister voll Wasser und geht nochmal zum Tatort, um dem Überlebenden das Wasser zu geben. Als er dort ankommt, wird er von mexikanischen Killern überrascht, die ihrerseits Jagd auf ihn machen. Aber er kann ihnen doch noch entkommen, indem er leicht verwundet in den nächsten Fluß springt. Ab da befindet er sich mit dem Geld auf der Flucht und gleichzeitig auf der Jagd nach seinen Häschern.

Parallel dazu wird auch die Geschichte des psychopathischen Killers Anton Chigurh (Javier Bardem, oscar-nominiert) erzählt. Dieser kann gleich am Anfang aus der polizeilichen Obhut entkommen und zieht mit seiner Sauerstoffflasche und einem Druckluft-Tötungsapparat durch die Lande. Sein Ruf ist mittlerweile fast schon legendär, so daß er von denjenigen, denen das Drogengeld gehört, engagiert wird, dem Geld auf die Spur zu kommen - glücklicherweise haben sie einen Signalgeber im Koffer angebracht, so daß es nur noch eine Frage der Zeit, bis Chigurh dem Geld auf die Spur kommt.

Ebenfalls parallel dazu und eher als übergeordnetes Rahmenwerk folgen wir den Ermittlungen durch den alternden Sheriff Ed Tom Bell (Tommy Lee Jones), der durch seine unaufgeregte, teilweise sarkastische, oberflächlich desinteressiert wirkende, aber von der Weisheit, die das Alter und der Job mit sich gebracht haben, geprägte Art auffällt.

Dies alles und noch etwas mehr spinnen die Coen-Brüder zu einer filmischen Reise in die Abgründe der menschlichen Seele zusammen... vor allem durch den Charakter Chigurh dargestellt, der zwar ein wahnsinniger Killer ist, dabei aber scheinbar seine Prinzipien hat und diese auch strikt einhält. Llewelyn Moss erscheint hierbei zwar als der "Gute" im Film, ist aber auch nicht so der astreine Mensch, den man sich als Schwiegersohn wünschen würde. Immerhin fängt die ganze Geschichte ja damit an, daß er der Versuchung nicht widerstehen kann, das Drogengeld zu nehmen.

Auf jeden Fall schaffen es die Coen-Brüder, ein Netz aus Story-Fäden zu spinnen, das den Zuschauer fesselt und sehr spannend ist. Man will wirklich wissen, wie sich dieses ungleiche Duell zwischen Psychopath und dem unaufdringlichen Jäger entwickelt - und vor allem, wie es sich auf ihre Umwelt auswirkt. Ohne die überraschenden Elemente der Story zu verraten, kann man zumindest sagen, daß die Coen-Brüder wie gewohnt einiges Unerwartete aufbieten, bis es zum Ende kommt, das viele Menschen verstört und unbefriedigt zurückgelassen haben soll. Ich finde es jedoch durchaus passend. Abgesehen davon zeigen sie ihre unnachahmliche Art, einen Film mit kleinen, teilweise innovativen Details zu bereichern. Dazu gehören die superbe Kameraarbeit, der trockene Humor, das Spiel mit Objekten und den Lichteffekten etc.

Abgesehen davon überzeugt natürlich auch hier der Cast. Allen voran Javier Bardem als wie erwähnt psychopathischer, jedoch überwiegend gesittet auftretender Killer, der lediglich seinen eigenen Prinzipien folgt und vor nichts und niemandem zurückschreckt. Die in kurzen Phasen fast schon diabolische Präsenz von Bardem als Anton Chigurh wurde dabei vollkommen zurecht für den Oscar nominiert. Gleich am Anfang, als er sich aus der Obhut der Polizei befreit, sieht man das mit am deutlichsten.
Auch T.L. Jones und J. Brolin sind sehr gut in ihren Rollen. Vor allem J. Brolin gefällt mir als teilweise lethargischer, sturer und tougher Ex-Soldat-Jetzt-Jäger.

Aber ich hatte ehrlich gesagt deutlich mehr von diesem Film erwartet... von dem, was ich darüber gelesen habe, war das ein ganz klarer 10er-Kandidat für mich, zumal ich großer Fan der Coen-Brüder bin. Aber dazu reicht es nicht. Dafür wäre mehr nötig gewesen als nur gute Schauspieler, gewohnt ungewöhnliche Erzählweise und die kleinen Details... ich denke, sie hätten mehr aus dem Film machen können, wenn es keine Roman-Adaption gewesen wäre und sie deutlich mehr ihres schriftstellerischen Genies in den Film hineingesteckt hätten. Dies ist aber nicht der Fall, was den Film fast schon normal werden läßt.
Dennoch ein sehr guter Coen-Bros-Film, der jedoch noch Luft nach oben hat. Note 8.5



THERE WILL BE BLOOD:

Ralf hat ja eigentlich alles schon dazu gesagt. Göttlicher Daniel Day-Lewis, fantastische Musik, teilweise elegische, dann wieder druckvolle Inszenierung, sonst gute Schauspieler, enorme Tiefe des Werks = 10 Punkte.

Und ich gehöre zu den wenigen, die den Charakter des Daniel Plainview sogar vorwiegend positiv finden. Klar, er ist krankhaft gierig, aber das ist seine "einzige" Schwäche in meinen Augen, auf deren Basis andere weniger gute Charakterzüge entstehen. Aber die Quelle des Charakters ist die Gier. Und die Gier ist größer als seine Liebe zu seinem Ziehsohn - die sich bis zum Ende des Films zeigt, selbst als die beiden im Zorn sich trennen. Das von Ralf erwähnte Zitat, daß er den Jungen nur angenommen hätte, um damit bessere Geschäfte zu machen, ist auch nicht ernst gemeint, denke ich... aber in der Gier hat er sich eben nicht so unter Kontrolle, wie man das erwarten könnte. Dabei ist diese Gier nicht nur auf das Geschäft gerichtet - da er seinem Sohn vorwirft, daß sie ab dann Konkurrenten wären - sondern auch auf den familiären Zusammenhang. Ich glaube, daß er seinen Sohn einfach nicht verlieren will - und da das nicht möglich ist, geht er wie ein gehetztes Tier in die verletzende Offensive. Meiner Meinung nach ein ganz eindeutiges Zeichen von nicht ganz so selbstloser, aber umso hilfloser Liebe zum Ziehsohn, die auch in der Realität nicht selten auftritt. Wie viele Eltern gibt es, die in der Angst, sich von ihren Kindern endgültig lösen zu müssen, verletzend werden? Er spricht zwar in einer Szene davon, daß er alle Menschen haßt und am liebsten fernab von allen leben würde (was er am Ende ja auch erreicht), aber ich bezweifle, daß diese Einstellung sich auf wirklich alle Menschen bezieht - mit Sicherheit nicht auf seine Familie.

Also: Die Liebe zu seinem Ziehnsohn ist für mich ganz deutlich... selbst in der Szene, in der er ihn in den Zug setzt und dann weggeht. Man kann ihm den Schmerz, den er empfindet, geradezu ansehen.
Darüberhinaus gibt es noch andere Anzeichen dafür, daß er im Grunde genommen ein Familienmensch sein müßte, wenn die Gier ihn nicht total beherrschen würde. Z.B. wie rührend er mit Mary, der Tochter von Abel, umgeht. Oder wie er dem Typen von Standard (Oil?) droht, ihn umzubringen, weil er sich in seine Familienangelegenheiten einmischt. Oder wie er seinem Henry von dem einen Haus erzählt, das er unbedingt besitzen wollte... und - noch selbst ein Kind - Kinder haben wollte, die darin herumrennen. Und ganz allgemein, wie er mit dem kleinen H.W. umgeht... vor allem als er ihm sagt, daß er ihn liebt - obwohl er taub ist und es gar nicht mitbekommt.

Die erwähnte Beziehung zu Eli Sunday ist ebenfalls in der Tat relativ beliebig zu interpretieren... ich persönlich habe beim ersten Mal anschauen die Religionskritik, die oft und gerne zitiert wird, nicht so stark gesehen. Klar, auch der Priester Eli ist ein charismatischer Seelenfänger, der seinen Einfluß so gut es geht vergrößern will. Und auch die Rolle der gespielten Religiösität von Plainview, um sein Geschäft ausbauen zu können (übrigens eine der unglaublichsten Szenen überhaupt, in der Kirche, die Beichte und Taufe von Plainview!!!), ist vordergründig gesehen so interpretierbar, daß der Film hier die Parallelen zwischen Kapitalismus und Massenreligion kritisieren will. Aber die komplizierte Beziehung von Plainview zur Religion und vor allem das den Zuschauer geradezu zermalmende Ende lassen das in meinen Augen eher unwahrscheinlich werden. Ich bin mir allerdings auch noch nicht ganz sicher, wie ich das alles zu einer einheitlichen Interpretation zusammenfassen soll, und werde den Film noch einige Male anschauen müssen und auch wollen, um da zu einem Schluß zu kommen.
Man könnte z.B. durchaus vampirische Elemente hineininterpretieren - alleine der Titel "There will be Blood" läßt dies vermuten. Dazu die Tatsache, daß der Ölmann das "Blut" der Erde leersaugt... und vor allem im Enddialog das Saugen und Trinken noch einmal hervorstellt. Plainview als der moderne Vampir in Zeiten des Kapitalismus, der die Erde, sein Umfeld und in letzter Instanz sich selbst leersaugt, wobei seine unstillbare Gier seinen Vampir-Fluch darstellt? Dazu würde auch seine eher indifferente bis feindselige Haltung zur Religion passen...
Wie gesagt, den Film muß man mehrfach anschauen, um ihn in Gänze erfassen zu können, denke ich. Daher halte ich mich vorerst mit großen Interpretationen einfach mal zurück.

Mit Superlativen kann man sich jedoch auch schon nach dem ersten Mal anschauen nicht zurückhalten. Daniel-Day Lewis wird seinem Ruf wieder einmal gerecht und spielt Plainview nicht, sondern er ist Plainview. Und dabei zieht er alle Register seiner Schauspielkunst. Von reduziertem, aber eindrucksvollem Minenspiel (z.B. am Anfang im Zug mit H.W. oder später als er am Strand nach einer Fangfrage seinen angenommenen Halbbruder entlarvt) bis hin zu fast schmervoll-wahnsinnigem körperlichem Einsatz (z.B. in der besagten Kirchenszene oder am Ende beim Finale mit Eli) - er kann alles und er setzt alles ein. Als Bill the Butcher in "Gangs of New York" war er schon überragend, aber die Rolle war fast schon eindimensional. Als Daniel Plainview in "There will be Blood" ist er überwältigend und durchaus differenziert. Ich behaupte einfach mal, daß wir es hier mit einem Charakter zu tun haben, mit dem DDL auch noch in 50 Jahren zurecht identifiziert werden wird. Alles andere als der Oscar für diese epochale Leistung wäre eine Beleidigung jedes Cineasten!

Die anderen Schauspieler können gegen diese wuchtige Präsenz, die selbst die besten Leistungen des jungen Marlon Brando z.B. oder etwa Robert de Niro in seinen eindrucksvollsten Rollen noch übertrifft, naturgemäß kaum ankommen. Dennoch schaffen es Dillon Frasier als der junge H.W. und auch Paul Dano als Paul und mehr noch als Eli Sunday, ihre Rollen eindrucksvoll genug zum Leben zu erwecken.

Nicht minder beeindruckend ist die Kameraarbeit und die Regie. Selbst wenn man die handwerklichen Zitate klassischer Kinowerke nicht erkennt, kommt man nur schwer umhin, von der Kamerarealisierung ergriffen zu werden. Virtuos wird verstanden, schwelgerische Naturaufnahmen, düstere Shots im Dunkeln der Erde oder der Nacht und vor Kraft strotzende Ereignisablichtungen zu kombinieren, und damit visuell einen ähnlich zerrissen-differenzierten Eindruck zu hinterlassen, den man auch mit dem Charakter von Plainview hat.
Und die Krönung des Ganzen ist die schon erwähnte fast schon geniale musikalische Untermalung. Dadurch, daß sie eher einem europäischen Autorenfilm entstammen könnte, verstärkt sie die Kopflastigkeit des Films, die trotz der klassischen Hollywood-Visualität eindeutig evident ist.

Kurz: Ein Meisterwerk. Wie schon gesagt: Note 10.

Und damit ergeht der Befehl an jeden, der sich auch nur etwas für Kino und Film interessiert, dieses Werk mindestens einmal im Kino anzuschauen - und selbst wenn es nur dazu dient, daß man ihn am Ende nicht gut findet.
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Nigel Powers: "There are only two things I can't stand in this world. People who are intolerant of other people's cultures... and the Dutch!"

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#8852 - 02/24/08 06:30 PM Re: Kino, Kino, Kino
Ddraigfyre Offline
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Jeezes, diesen LS kriegt nicht mal Ragon getoppt.
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#8853 - 02/25/08 05:36 AM Re: Kino, Kino, Kino
Ralf Offline
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Sehr schöner Fivepack, Elgi!

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Die erwähnte Beziehung zu Eli Sunday ist ebenfalls in der Tat relativ beliebig zu interpretieren... ich persönlich habe beim ersten Mal anschauen die Religionskritik, die oft und gerne zitiert wird, nicht so stark gesehen. Klar, auch der Priester Eli ist ein charismatischer Seelenfänger, der seinen Einfluß so gut es geht vergrößern will. Und auch die Rolle der gespielten Religiösität von Plainview, um sein Geschäft ausbauen zu können (übrigens eine der unglaublichsten Szenen überhaupt, in der Kirche, die Beichte und Taufe von Plainview!!!), ist vordergründig gesehen so interpretierbar, daß der Film hier die Parallelen zwischen Kapitalismus und Massenreligion kritisieren will. Aber die komplizierte Beziehung von Plainview zur Religion und vor allem das den Zuschauer geradezu zermalmende Ende lassen das in meinen Augen eher unwahrscheinlich werden. Ich bin mir allerdings auch noch nicht ganz sicher, wie ich das alles zu einer einheitlichen Interpretation zusammenfassen soll, und werde den Film noch einige Male anschauen müssen und auch wollen, um da zu einem Schluß zu kommen.





Ich denke, es ist sogar eine der großen Stärken von "There will be Blood", daß er jede Menge Interpretationen zuläßt. Und ich glaube auch, daß Anderson und Day-Lewis genau deshalb in sämtlichen Interviews eine auch nur ansatzweise über die Charaktere selbst hinausgehende (also speziell gesellschaftliche/politische) Interpretation zu verweigern scheinen.
Man kann in "There will be Blood" genau das sehen, was man will - man wird immer gute Argumente dafür finden. Und für das Gegenteil genauso!
Ich persönlich bin der Ansicht, daß "There will be Blood" weder sonderlich kapitalismus- noch religionskritisch ist.
Er schildert beides realistisch und - wie ich finde - durchaus objektiv, im Vordergrund stehen aber eindeutig die beiden Protagonisten mit ihren Stärken und Schwächen.
Gerade angesichts der Tatsache, daß die Romanvorlage von Upton Sinclair im Gegensatz dazu ein eindeutiges politisches Traktat ist (wie es auch Anderson auf der Berlinale gesagt hat) und davon kaum etwas im Film übriggeblieben ist, verstärkt meine Überzeugung nur noch.

Anderson hat einfach etwas gewagt, das sich Hollywood heute nur noch selten traut: Er vertraut auf die Intelligenz und das eigenständige Denken seines Publikums. Und dafür gebührt ihm aller Dank der Welt angesichts einer Filmbranche, die ansonsten dazu neigt, alles ganz genau zu erklären, damit nur ja kein Zuschauer verwirrt zurückbleiben könnte ...

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Oder wie er seinem Bruder Henry von dem einen Haus erzählt, das er unbedingt besitzen wollte... und - noch selbst ein Kind - Kinder haben wollte, die darin herumrennen.




Übrigens halten einige dieses Kapitel mit Daniels Bruder - gerade angesichts der Laufzeit von 160 Minuten - für verzichtbar. Meines Erachtens ist sie jedoch geradezu essentiell für die Ausgestaltung der Figur des Daniel Plainview!
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#8854 - 02/25/08 05:39 AM Re: Kino, Kino, Kino
Ralf Offline
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Sehr schöner Fivepack, Elgi!

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Die erwähnte Beziehung zu Eli Sunday ist ebenfalls in der Tat relativ beliebig zu interpretieren... ich persönlich habe beim ersten Mal anschauen die Religionskritik, die oft und gerne zitiert wird, nicht so stark gesehen. Klar, auch der Priester Eli ist ein charismatischer Seelenfänger, der seinen Einfluß so gut es geht vergrößern will. Und auch die Rolle der gespielten Religiösität von Plainview, um sein Geschäft ausbauen zu können (übrigens eine der unglaublichsten Szenen überhaupt, in der Kirche, die Beichte und Taufe von Plainview!!!), ist vordergründig gesehen so interpretierbar, daß der Film hier die Parallelen zwischen Kapitalismus und Massenreligion kritisieren will. Aber die komplizierte Beziehung von Plainview zur Religion und vor allem das den Zuschauer geradezu zermalmende Ende lassen das in meinen Augen eher unwahrscheinlich werden. Ich bin mir allerdings auch noch nicht ganz sicher, wie ich das alles zu einer einheitlichen Interpretation zusammenfassen soll, und werde den Film noch einige Male anschauen müssen und auch wollen, um da zu einem Schluß zu kommen.





Ich denke, es ist sogar eine der großen Stärken von "There will be Blood", daß er jede Menge Interpretationen zuläßt. Und ich glaube auch, daß Anderson und Day-Lewis genau deshalb in sämtlichen Interviews eine auch nur ansatzweise über die Charaktere selbst hinausgehende (also speziell gesellschaftliche/politische) Interpretation zu verweigern scheinen.
Man kann in "There will be Blood" genau das sehen, was man will - man wird immer gute Argumente dafür finden. Und für das Gegenteil genauso!
Ich persönlich bin der Ansicht, daß "There will be Blood" weder sonderlich kapitalismus- noch religionskritisch ist.
Er schildert beides realistisch und - wie ich finde - durchaus objektiv, im Vordergrund stehen aber eindeutig die beiden Protagonisten mit ihren Stärken und vielen Schwächen.
Eine echte Systemkritik kann ich jedenfalls schwerlich entdecken ...
Die Tatsache, daß die Romanvorlage von Upton Sinclair im Gegensatz dazu ein eindeutiges politisches Traktat ist (wie es auch Anderson auf der Berlinale gesagt hat) und davon kaum etwas im Film übriggeblieben ist, verstärkt meine Überzeugung nur noch.

Anderson hat einfach etwas gewagt, das sich Hollywood heute nur noch selten traut: Er vertraut auf die Intelligenz und das eigenständige Denken seines Publikums. Und dafür gebührt ihm aller Dank der Welt angesichts einer Filmbranche, die ansonsten dazu neigt, alles ganz genau zu erklären, damit nur ja kein Zuschauer verwirrt zurückbleiben könnte ...

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Oder wie er seinem Bruder Henry von dem einen Haus erzählt, das er unbedingt besitzen wollte... und - noch selbst ein Kind - Kinder haben wollte, die darin herumrennen.




Übrigens halten einige dieses Kapitel mit Daniels Bruder - gerade angesichts der Laufzeit von 160 Minuten - für verzichtbar. Meines Erachtens ist sie jedoch geradezu essentiell für die Ausgestaltung der Figur des Daniel Plainview!
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#8855 - 02/25/08 05:57 AM Re: Kino, Kino, Kino
Pergor Offline
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Sehr schönes Doublepack, Ralf.

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#8856 - 02/25/08 06:19 AM Re: Kino, Kino, Kino
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Sehr schön nachgetreten, Roperg.
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#8857 - 02/25/08 06:23 AM Re: Kino, Kino, Kino
Ralf Offline
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Mal sehen, wann der erste mit dem Sixpack ankommt ...


Edited by Ralf (02/25/08 06:25 AM)
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#8858 - 02/25/08 09:15 AM Re: Kino, Kino, Kino
elgi Online   alien
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Übrigens halten einige dieses Kapitel mit Daniels Bruder - gerade angesichts der Laufzeit von 160 Minuten - für verzichtbar. Meines Erachtens ist sie jedoch geradezu essentiell für die Ausgestaltung der Figur des Daniel Plainview!



Wer bloß so einen Unsinn denken kann!
Die Geschichte mit dem Bruder ist in der Tat sehr wichtig... zeigt sie doch z.B. u.a. den schon erwähnten Hang zur Familie von Daniel Plainview. Oder warum sollte er sonst einen solchen Loser akzeptieren, von dem er niemals genau weiß, ob er tatsächlich sein Bruder ist. Hinzu kommen die beiden Gespräche, die Wichtiges über ihn verraten... und schließlich das Ende der Beziehung, die zwar hart ist, aber nur konsequent.
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#8859 - 02/26/08 02:44 PM Re: Kino, Kino, Kino
Ralf Offline
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DAS WAISENHAUS:

Laura (Belén Rueda) zieht mit Mann und Sohn wieder in das ehemalige Waisenhaus, in dem sie aufgewachsen ist. Dort will sie ein Heim für behinderte Kinder eröffnen. Doch bereits vor der Ankunft der ersten Kinder findet Sohn Simón Gesellschaft in Form imaginärer Freunde. Bloß, so richtig imaginär scheinen die gar nicht zu sein, jedenfalls geschehen plötzlich die seltsamsten Dinge im Haus - und dann geschieht eine Tragödie ...

Erwartet hatte ich von diesem von Guillermo del Toro produzierten spanischen OSCAR-Beitrag einen im besten Sinne altmodischen, ruhig erzählten, athmosphärischen Gruselfilm.
Geboten bekam ich einen lauten, klischeehaften und unlogischen Schocker! Und als dann auch noch völlig unmotiviert eine Wackelkamera-Sequenz eingefügt wurde, hatte ich in Gedanken das Eintrittsgeld bereits als verschwendet abgehakt.
Doch dann, nach immerhin bereits 40 Minuten, wurde viele anders. Besser. Viel besser! Plötzlich paßte das Timing der (eigentlich weiterhin nicht sonderlich kreativen) Schockmomente perfekt, die Geschichte wird interessant und sogar recht originell und ein überraschender Gastauftritt von Geraldine Chaplin bringt zusätzliches Pfeffer in das bis dahin fade Horror-Gericht.
Leider kann der Film diese vorübergehende Hochstimmung nicht bis zum Ende durchhalten, aber trotz einiger Längen und fragwürdiger Handlungsweisen vor allem von Laura fühlt man sich bis zum Ende gut unterhalten - etwas, das man nach den ersten 40 Minuten nicht mehr zu hoffen gewagt hatte ...

Ein großer Pluspunkt ist dabei Hauptdarstellerin Belén Rueda ("Das Meer in mir"), deren leidenschaftliches Spiel auf der ganzen Linie zu überzeugen weiß. Kaum zu glauben, daß es sich erst um den dritten Film des 42-jährigen Ex-Models handelt!
Eine große Schwäche von "Das Waisenhaus" ist dagegen die Musik von Fernando Velázquez. Die ist zwar teilweise durchaus schön anzuhören. Beziehungsweise wäre es auf CD. Im Film ist sie jedoch meist viel zu laut, zu melodramatisch und zu plakativ eingesetzt.

Insgesamt bleibt festzuhalten, daß "Das Waisenhaus" auf jeden Fall das Potential gehabt hätte, sich in der ersten Reihe der vielen (und nur relativ selten wirklich guten) Spukhaus-Filme einzuordnen. Nötig wäre dafür jedoch vor allem ein besserer oder zumindest erfahrener Regisseur als Debütant Juan Antonio Bayona gewesen. Selbst das zwar teilweise vorhersehbare, aber insgesamt sehr schöne Ende wird durch eine zu lange Inszenierung noch etwas verwässert. Ohne die letzten fünf Minuten würde das Ende IMHO eine noch etwas bessere Wirkung erzielt als es - zugegeben - auch so tut. Aber Bayona ist eben kein Paul Thomas Anderson und deshalb muß natürlich alles noch genau erklärt und ausgewälzt werden ...
Ach, hätte del Toro doch nur selbst die Regie übernommen.

Also: "Das Waisenhaus" ist eine etwas unentschlossen wirkende Mischung aus Grusel- und Horrorfilm, deren eigentlich gelungene Story samt hervorragender Hauptdarstellerin leider vor allem durch handwerkliche Schwächen und ein in den Details etwas unausgegorenes Drehbuch beeinträchtigt wird.
6,5 Punkte.


Edited by Ralf (02/26/08 02:50 PM)
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#8860 - 03/04/08 09:31 AM Re: Kino, Kino, Kino
Ralf Offline
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SWEENEY TODD:

London, 19. Jahrhundert: Einst war der junge Barbier Benjamin Barker (OSCAR-Nominierung für Johnny Depp) unschuldig aus dem Land verbannt worden, weil der mächtige Richter Turpin (Alan Rickman) ein Auge auf seine schöne Frau Lucy geworfen hatte. 15 Jahre später ist Barker zurück! Nun nennt er sich allerdings Sweeney Todd und als er erfährt, daß seine Frau sich umgebracht hat und seine Tochter vom Richter adoptiert wurde, hat er nur eines im Sinne: Gnadenlose Rache! Hilfe erhält er bei seinem Vorhaben von Mrs. Lovett (Helena Bonham Carter), der Inhaberin des Fleischpastetenladens unter Todds früherem Barbiersalon, der nun wieder in blutigen Betrieb genommen wird ...

Vor dieser Verfilmung durch Tim Burton hatte ich ehrlich gesagt noch nie davon gehört, aber offenbar soll "Sweeney Todd" gerade im englischsprachigen Raum ein sehr bekanntes Musical sein. Ich glaube aber nicht, daß ich es mir jemals auf der Bühne anschauen werde - denn dafür finde ich die Filmversion nicht ganz überzeugend genug.

Das Hauptproblem ist meines Erachtens, daß die zugrundeliegende Geschichte letztlich nicht viel mehr als eine klassische, wenig originelle und ziemlich vorhersehbare Rächer-Story ist, die nicht von vornherein mitzureißen vermag.
Um das doch zu erreichen, benötigt es also mehr. Und da es sich um ein Musical handelt, sind natürlich primär die Lieder gefragt (die aus dem Musical von Stephen Sondheim übernommen wurden). Zwar ist die Musik schön bombastisch und die Schauspieler singen mit Verve und Leidenschaft (und sogar ziemlich gut!), allen voran erwartungsgemäß Johnny Depp. Doch fehlt es den meisten Songs meiner Ansicht nach an dem gewissen Etwas. Sie sind nicht allzu eingängig, auch nicht übermäßig melodiös. Mit den üblichen Musical-Melodien haben sie relativ wenig gemein, es sind düstere Songs, die musikalisch eher in Richtung Oper gehen. So weit, so ungewöhnlich und eigentlich sehr interessant. Aber Fakt ist leider: Nur wenige dieser Songs konnten mich richtig begeistern.

Regisseur Burton hat in diesem Film relativ wenig zu tun - immerhin handelt es sich um eine Bühnen-Adaption, die noch nicht mal er selbst in ein Drehbuch umgesetzt hat (sondern "Gladiator"-Autor John Logan) und da der Großteil der Handlung in Form von Liedern vorangetrieben wird, blieb sein kreativer Input letztlich mehr auf die Äußerlichkeiten und das wortwörtliche "In Szene setzen" beschränkt. Das hat er natürlich wunderbar hingekriegt: Für die Ausstattung gab es einen hochverdienten OSCAR, für die Kostüme eine nicht weniger verdiente Nominierung und auch das Make-Up ist eine Klasse für sich. Und die hochkarätigen Schauspieler (darunter auch Timothy Spall und Sacha Baron "Borat" Cohen") trieb Burton wie gewohnt zu Bestleistungen.

Und trotzdem springt der Funke nicht in dem Maße über, wie ich es sonst von den meisten Burton-Filmen gewohnt bin. Woran liegt es? Nur an den Songs? Wohl kaum.
Vermutlich auch an den fehlenden Identifikationsfiguren für das Publikum. Sweeney Todd und Mrs. Lovett sind zwar die Protagonisten des Films, doch eigentlich sind sie noch schlimmer als der bösartige Richter Turpin, dem Sweeney an den Kragen will.
Die einzigen Figuren, die ungeteilte Sympathie verdienen, sind Sweeneys Tochter Johanna und der mit Sweeney befreundete junge Seemann Anthony, der sich in sie verliebt. Doch bleiben diese beiden viel zu blaß und unterbeschäftigt, um als Identifikationsfiguren zu taugen. Es gibt also überhaupt keine.
Zwar wird das durch die großartigen Schauspieler und einen fein dosierten (meiner Meinung nach sogar ein wenig zu fein) schwarzen Humor weitgehend aufgewogen, aber gerade im Mittelteil der knapp 120 Minuten fehlt es dem Film auch deutlich an Tempo, was zu vorübergehender gepflegter Langeweile führt. Immerhin wird man dafür durch das hochdramatische Grande Finale entschädigt, aber es bleibt am Ende ein leicht bitterer Nachgeschmack: Tim Burtons "Sweeney Todd" ist zweifelsohne ein guter, in inszenatorischer und schauspielerischer Hinsicht gar brillanter Film.
Aber es bleibt das Gefühl, daß man mehr daraus hätte machen können, ja vielleicht sogar machen müssen.
7 Punkte.
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#8861 - 03/04/08 11:57 AM Re: Kino, Kino, Kino
Ddraigfyre Offline
Ancient Dragon


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Johnny Depp und Alan Rickman zusammen in einem Film ist doch allein schon 10 Punkte wert.
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