Divinity Banner
Page 116 of 165 < 1 2 ... 114 115 116 117 118 ... 164 165 >
Topic Options
#8822 - 02/02/08 10:25 AM Re: Kino, Kino, Kino
Patarival Offline
Warlord


Registered: 04/25/03
Posts: 2867
Loc: Liechtenstein
Ich muss halt ehrlich sagen, dass die ganze Wackelkameraoptik für mich schon ein bisschen abschreckend ist. Und bei den Trailern kann ich auch sagen: "Es fühlt sich auch fürmich billig produziert an. Das ist natürlich Blödsinn, da solche Aufnahmen im Grunde sauschwer präzise zu machen sind und auch CGI-Effekte da reinzubauen ist eine extrem fizzelige Sache.

Mir wurde schon fast bei den Trailern schlecht und ich fürchte, ich muss auf den Film verzichten, wenn ich meinem Magen einen Gefallen tun möchte.

Top
#8823 - 02/02/08 11:17 AM Re: Kino, Kino, Kino
elgi Offline
Archmage


Registered: 03/10/03
Posts: 5507
Loc: Germany
Tja, wenn du lieber auf deinen Babymagen als auf meine Lobpreisung hörst...
_________________________
Nigel Powers: "There are only two things I can't stand in this world. People who are intolerant of other people's cultures... and the Dutch!"

Top
#8824 - 02/03/08 06:43 AM Re: Kino, Kino, Kino
elgi Offline
Archmage


Registered: 03/10/03
Posts: 5507
Loc: Germany
Ich habe mir jetzt noch einmal die von Ralf geposteten Seiten und auch ein paar andere Sachen über Cloverfield angeschaut und darüber gelesen... und ja, es ist schon nett, wie die Geschichte des Films auf unscheinbare Art dadurch transportiert wird. D.h. wenn man lustig ist und sich damit beschäftigen will, kann man sich die ganzen Puzzle-Teile zusammensuchen und sich an den ganzen Diskussionen darum erfreuen.
Aber wie gesagt: Mir war das alles nicht bewußt und mir hat der Film dennoch gefallen.

Nun zu einem weniger guten Film:

DAS VERMÄCHTNIS DES GEHEIMEN BUCHES

Man kan sich hier kurz fassen... Nicolas Cage geht im Stil von Indy auf große Schnitzeljagd an berühmten und meist auch gesicherten Orten, um zu beweisen, daß sein Ur-Ur-Großvater nicht am Attentat an Abe Lincoln beteiligt war, wie jetzt der undurchsichtige Ed Harris in der Rolle des Antagonisten behauptet und vordergründig beweist. Begleitet wird Cage dabei von seiner Frau/Freundin, mit der er sich natürlich öfters mal streitet... dazu noch ein leidlich lustiger Nerd... wieder dabei der Vater... und diesmal auch die Mutter, damit auch der Vater sich streiten darf.

Der Schatz der Tempelritter war ähnlich aufgebaut, hat mir aber dennoch gut gefallen. Da wirkte noch alles einigermaßen frisch und nicht ganz so banal. In diesem zweiten Teil allerdings herrschte für mich gähnende Langeweile... die Schnitzeljagd-Dynamik funktionierte kaum, die Rätsel waren wirklich hanebüchen, die Schauspieler unterfordert und/oder gelangweilt, die Musik wahrhaftig enervierend... kurz geagt: Ich bin enttäuscht.

Ich weiß gar nicht, welche Note ich vergeben soll... sagen wir mal bis auf weiteres 4 von 10.

EDIT: Von den logischen Schwächen und der allgemeinen Inhaltlosigkeit der Story mal ganz zu schweigen.


Edited by elgi (02/03/08 07:05 AM)
_________________________
Nigel Powers: "There are only two things I can't stand in this world. People who are intolerant of other people's cultures... and the Dutch!"

Top
#8825 - 02/07/08 10:49 AM Re: Kino, Kino, Kino
Ralf Offline
Archmage


Registered: 03/11/03
Posts: 9122
Loc: Franken
"John Rambo" wird in den deutschen Kinos in einer um rund eine Minute geschnittenen Version laufen. Andernfalls hätte er von der FSK nicht mal "Keine Jugendfreigabe" erhalten!

(wohlgemerkt: Ich weiß noch nicht, ob ich mir den Film anschauen werde - die Kritiken sind mittelmäßig, aber die meisten Zuschauer scheinen sehr angetan zu sein. Ich lege auch keinen gesteigerten Wert auf besonders brutale Szenen und eine Minute ist sicherlich noch verschmerzbar. Aber diese verdammte Zensur nicht zum Jugendschutz - auch wenn der Grund offiziell "Schwere Jugendgefährdung" lautet -, sondern als Bevormundung erwachsener Steuerzahler regt mich einfach prinzipiell auf!)


Edited by Ralf (02/07/08 10:51 AM)
_________________________
Der Kinogänger (Filmblog)

Top
#8826 - 02/07/08 10:59 AM Re: Kino, Kino, Kino
Ddraigfyre Offline
Ancient Dragon


Registered: 03/10/03
Posts: 8022
Loc: Krynn
Und sollte prinzipiell boykottiert werden, genau. Deshalb für mich ja auch schon lange keine zerschnittenen Filme mehr im TV. Man ärgert sich nur.
_________________________

Top
#8827 - 02/07/08 02:08 PM Re: Kino, Kino, Kino
elgi Offline
Archmage


Registered: 03/10/03
Posts: 5507
Loc: Germany
Also die Schnitte im TV kann man nicht ohne weiteres mit den Schnitten im Kino vergleichen. Klar ist es ärgerlich, daß Rambo jetzt geschnitten ins Kino kommt, allerdings gilt der Film in der ungeschnittenen Fassung schon zu den brutalsten Filmen der letzten Zeit (und bekam dennoch erstaunlicher das R-Rating in den USA). Wenn die Schitte also "sinnvoll" gesetzt sind, werden hoffentlich keine ganzen Szenen entfallen, sondern nur die ganz harten Teile. Das ist allerdings keine Zensur, wie ich finde... wenn ein Film nicht mal die "Keine Jugendfreigabe" Einschätzung erhält, dann muß er schon wirklich sehr hart sein.

Bei jedem anderen Film würde ich allerdings ebenfalls eher an Boykott denken... doch bei Rambo hört für mich der Spaß auf. Ich habe meine Karte für die Vorpremiere schon seit 2 Wochen und werde auf jeden Fall in den Film gehen. Und später irgendwann kommt die DVD/BD aus dem Ausland, wo man den Film dann auch mal komplett ungeschnitten sehen darf.
_________________________
Nigel Powers: "There are only two things I can't stand in this world. People who are intolerant of other people's cultures... and the Dutch!"

Top
#8828 - 02/08/08 02:08 AM Re: Kino, Kino, Kino
Arhu Offline
Angel


Registered: 03/10/03
Posts: 556
Loc: Germany
Ich hab mal die ungekuerzte Fassung von Ichi the Killer gesehen. Das war teilweise schon mehr als nur ein bisschen abstossend, gelinde gesagt, aber viel schlimmer kann Rambo auch nicht sein.
_________________________
Do You Like Dreams?

Top
#8829 - 02/08/08 04:15 AM Re: Kino, Kino, Kino
Ddraigfyre Offline
Ancient Dragon


Registered: 03/10/03
Posts: 8022
Loc: Krynn
Kater, ich bin entsetzt !
_________________________

Top
#8830 - 02/08/08 08:38 AM Re: Kino, Kino, Kino
Arhu Offline
Angel


Registered: 03/10/03
Posts: 556
Loc: Germany
Drache, und ich erst!
_________________________
Do You Like Dreams?

Top
#8831 - 02/10/08 12:20 PM Re: Kino, Kino, Kino
Ragon_der_Magier Offline
Archmage


Registered: 03/10/03
Posts: 6879
*LOL*
Ich bin amüsiert!

Top
#8832 - 02/12/08 04:44 AM Re: Kino, Kino, Kino
Ralf Offline
Archmage


Registered: 03/11/03
Posts: 9122
Loc: Franken
Doppelpack-Zeit:

DER KRIEG DES CHARLIE WILSON:

Washington, 1980er Jahre: Der Abgeordnete Charles Wilson (Tom Hanks) ist ein mit allen Wassern gewaschener Weiberheld (seine ausschließlich hübschen, jungen und vor allem weiblichen Mitarbeiterinnen werden im Abspann treffend als "Charlie´s Angels" bezeichnet ), aber auch ein sehr gewiefter Politiker, der sich für eine Sache engagiert, von der er überzeugt ist. Als eines Tages ein TV-Bericht aus Afghanistan sein Interesse weckt und er sich näher über die dortige Situation der hoffnungslos unterbewaffneten Mudschaheddin im Kampf gegen die sowjetische Invasion informiert, hat er so eine Sache gefunden. Er nutzt all seinen über die Jahre gesammelten Einfluß aus (und fordert etliche "Gefallen" ein), um den Kampf gegen die Kommunisten in Afghanistan zu finanzieren. Unterstützt wird er dabei von der reichen, ultra-rechten Lobbyistin Joanne Herring (Julia Roberts) und dem ungehobelten, aber idealistischen CIA-Agenten Gust Avrakotos (OSCAR-nominiert: Philip Seymour Hoffman). Ein seltsames Gespann. Ein erfolgreiches Gespann!

Aaron Sorkin konnte als Erfinder und Chef-Autor der in den USA ausgesprochen erfolgreichen Polit-Serie "The West Wing" sieben Jahre lang Erfahrung im Schreiben zugleich ernsthafter und amüsanter Politik-Drehbücher sammeln. Das merkt man "Der Krieg des Charlie Wilson" an, denn die spritzigen, intelligenten Dialoge sind neben der herausragenden Schauspielerriege (in den Nebenrollen glänzen u.a. Amy Adams, Emily Blunt, Ned Beatty, Ken Stott, John Slattery, Om Puri) das absolute Highligt des Films.
Trotz des ernsthaften Themas - und die Geschichte ist so in etwa tatsächlich passiert! - hat Regieveteran Mike Nichols einen sehr amüsanten Film geschaffen, mit deutlichen satirischen Anklängen (was ihn fast 40 Jahre später wieder in die Nähe seiner "Catch-22"-Verfilmung bringt ...).

Tom Hanks spielt Charlie Wilson mit Verve und es gelingt ihm problemlos, den Gratwandel zwischen hemmungslosem Macho und seriösem Politiker darzustellen. Vor allem sein Zusammenspiel mit Seymour Hoffman läßt mitunter kein Auge trocken!
Zwischendurch gibt es immer wieder kurze Kampfsequenzen zu sehen (teils gespielt, teils originale Archivaufnahmen), die daran erinnern sollen, daß es bei diesem insgesamt sehr amüsanten Film durchaus um eine ausgesprochen ernste Thematik geht.

Natürlich versäumen Sorkin und Nichols es auch nicht, in die heutzutage schon fast vergessenen Geschehnisse mitunter Anspielungen auf die heutige Situation einzubauen - denn im Grunde genommen ist der Film ja eine Art Prequel zum heutigen Afghanistan-Krieg. Neben einigen subtil in die Dialoge eingeflossenen Seitenhieben bietet aber auch die wahre Geschichte des Charlie Wilson die Möglichkeit, darauf einzugehen. Denn während es Wilson zu Hochzeiten des Krieges gelang, eine Milliarde Dollar für die Unterstützung der Mudschaheddin bereitstellen zu lassen, wurde ihm nach dem Rückzug der Sowjets nicht mal mehr eine MILLION für den Wiederaufbau von Schulen u.ä. bewilligt.
So ist es auch mehr als passend, daß der Film mit einem (in der deutschen Fassung leider etwas abgeschwächten) Zitat des echten Charlie Wilson endet:
"These things happened. They were glorious and they changed the world... and then we [nocando] up the endgame."

Das einzige, was ich "Der Krieg des Charlie Wilson" wirklich vorwerfen kann (neben einem gewissen Patriotismus, der wohl unvermeidbar ist, um das amerikanische Publikum zu erreichen - aber wohlgemerkt handelt es sich um einen Patriotismus-Gedanken, der weit von dem eines George W. Bush und seiner Anhänger entfernt ist!), ist, daß er zu kurz ist. Gerade mal eineinhalb Stunden (plus Abspann) sind eigentlich zu wenig für diesen Film. So kommt das Ende auch ziemlich abrupt. Mit mehr Zeit hätte man zudem noch ein wenig tiefer in die Materie eindringen können. Schade, daß das nicht geschehen ist. Könnte den Film womöglich am Ende des Jahres einen Platz in meiner Top15-Liste kosten ...

Dennoch ist "Der Krieg des Charlie Wilson" einem politikinteressierten Publikum absolut zu empfehlen. Auch wer sich unabhängig von der Thematik an intelligenten Rededuellen erfreut oder an herausragender Schauspielkunst, kann hier nicht viel falsch machen.
8 Punkte.

CLOVERFIELD:

New York: Mitt-Zwanziger Rob tritt eine neue Stelle in Japan an, vorher gibt es noch eine große Abschiedsparty für ihn. Diese dokumentiert Robs ziemlich nerviger Freund Hud mit einer Handkamera - und wird so im Laufe des Abends zum Chronisten des Angriffs eines zerstörungswütigen Monsters auf Manhattan!

Seien wir ehrlich: Die Idee, einen Katastrophen-/Monsterfilm aus der Ich-Perspektive zu drehen, ist schlichtweg brillant! Leider verläßt sich "Cloverfield" etwas zu sehr auf diesen Club. Es wäre besser gewesen, auch etwas mehr Zeit und Ideen in die Entwicklung der Handlung zu stecken, denn die ist ausgesprochen konventionell und überraschungsarm. Auch aus den Charakteren hätte man mehr machen können. Nicht nur, daß das "Alter Ego" des Publikums Hud eine tierische Nervensäge ist, auch die anderen Protagonisten sprühen nicht gerade vor Charisma. Eigentlich ein Kardinalsfehler in Horror- oder Katastrophenfilmen, denn wenn man nicht mit den Protagonisten mitfiebern kann, dann ist normalerweise schon fast alles verloren.
In "Cloverfield" ist das dank der Ego-Shooter-Perspektive zum Glück nicht so extrem und auch die sehr kurze reine Laufzeit von etwa 75 Minuten verhindert das Aufkommen echter Langeweile. Dazu kommt, daß das Monster wirklich gut und sogar recht originell aussieht.

Als Darsteller wurden ausschließlich No-Names engagiert. Das merkt man auch. Die sind zwar insgesamt allemal ausreichend, aber in den wenigen figurenzentrierten Szenen konnten sie mich nicht wirklich überzeugen.

Aufgrund des Konzepts gibt es im Film selbst keinen eigens komponierten Score, dafür muß ich aber Michael Giacchinos fantastischen "Cloverfield overture" während des (langen) Abspanns ausdrücklich loben!

Insgesamt ist "Cloverfield" ein durchaus unterhaltsames Monster-Movie, das zu 99% davon lebt, daß es dem Zuschauer mittels Ich-Perspektive und Handkamera das Gefühl gibt, mittendrin im Geschehen zu sein. Wie gesagt: Der Clou funktioniert, aber man hätte deutlich mehr daraus machen können.
7 Punkte.

Eine Fortsetzung ist übrigens bereits angekündigt. Storymäßig macht das allemal Sinn, allerdings halte ich es für keine gute Idee, auch den zweiten Film in der Wackelkamera-Optik zu inszenieren. Zumindest nicht komplett Ich glaube nicht, daß das noch mal richtig funktionieren würde. Vielleicht wäre da ein eher konventionell gedrehter Film mit mehr Augenmerk auf die Handlung doch die bessere Wahl. Naja, wir werden sehen ...
_________________________
Der Kinogänger (Filmblog)

Top
#8833 - 02/12/08 07:05 AM Re: Kino, Kino, Kino
daedalus Offline
Orc Chief


Registered: 09/17/05
Posts: 2503
Loc: Ruhrpott :(
Ist das wie diese eine ewig und 3 Tage dauernde Szene aus Children of Men, wo die in dem Flüchtlingslager sind und der Typ versucht die Mutter und das Baby wiederzufinden nachdem die von den Fischen da auseinandergerissen wurden? Das sind irgendwie 7 Minuten ohne (sichtbares) absetzen Und wirklich sehr sehr seeeeehr stimmungsvoll! Genialste Szene ever, was soviel heisst wie genialste Szene dir mir einfällt in diesem Moment.

Worauf ich hinauswill: Wird in dem Film abgesetzt? Ich meine mal sowas gelesen zu haben das es nicht so ist.
_________________________
SPLINTER TAUGHT THEM TO BE NINJA TEENS
LEONARDO LEADS
DONATELLO DOES MACHINES
RAFAEL IS COOL BUT BRUTE
MICHELANGELO IS A PARTY DUDE
TEENAGE MUTANT NINJA TURTLES

Top
#8834 - 02/12/08 11:27 AM Re: Kino, Kino, Kino
Ralf Offline
Archmage


Registered: 03/11/03
Posts: 9122
Loc: Franken
Naja, es gibt schon ein paar Schnitte - halt immer dann, wenn die Kamera laut Story gerade mal kurz abgeschaltet ist. Außerdem gibt es so eine Art Rückblick, in dem das "Tape" immer wieder mal kurz zur vorherigen, offenbar nicht ganz gelöschten Aufnahme springt ...

Also, mit "Children of Men" läßt sich das nicht wirklich vergleichen. Außerdem meine ich mich erinnern zu können, daß die besagte Szene in "Children of Men" nicht aus der Ich-Perspektive gefilmt ist, sondern sozusagen aus einer Verfolger-Perspektive (und verfolgt wird Clive Owen). Oder?

Bei "Cloverfield" ist es eher so wie im "Blair Witch Project" (bloß mainstreamiger und IMHO auch besser).

Übrigens waren die meisten Fachleute (und ich auch ) ziemlich entsetzt, als "Children of Men" NICHT den OSCAR für die Beste Kamera gewann (ging an "Pans Labyrinth", glaube ich) ...


Edited by Ralf (02/12/08 11:28 AM)
_________________________
Der Kinogänger (Filmblog)

Top
#8835 - 02/12/08 11:37 AM Re: Kino, Kino, Kino
elgi Offline
Archmage


Registered: 03/10/03
Posts: 5507
Loc: Germany
Quote:

Also, mit "Children of Men" läßt sich das nicht wirklich vergleichen. Außerdem meine ich mich erinnern zu können, daß die besagte Szene in "Children of Men" nicht aus der Ich-Perspektive gefilmt ist, sondern sozusagen aus einer Verfolger-Perspektive (und verfolgt wird Clive Owen). Oder?



Richtig.

Und ja, ich rege mich immer noch auf, daß der Film bei den Oscars leer ausging. Deppen halt.
_________________________
Nigel Powers: "There are only two things I can't stand in this world. People who are intolerant of other people's cultures... and the Dutch!"

Top
#8836 - 02/12/08 01:10 PM Re: Kino, Kino, Kino
Ralf Offline
Archmage


Registered: 03/11/03
Posts: 9122
Loc: Franken
Das lag vermutlich daran, daß ALLE Academy-Mitglieder abstimmen durften - also auch die, die keine Ahnung von Kameraführung haben (und AUCH die, die gar nicht alle Filme gesehen hatten ...). Bisher dachte ich ja ehrlich gesagt, daß in den technischen Kategorien nur diejenigen Academy-Mitglieder, die der entsprechenden Gilde angehören, abstimmen dürfen. Also Kameraleute für die Beste Kamera, Tontechniker für den Besten Ton etc.pp.

Wie ich kürzlich herausgefunden habe, war das leider ein Irrtum. Diese Regelung gilt nämlich lediglich für die Nominierungen. Über den Sieger dürfen dann aber dämlicherweise alle abstimmen. Erklärt wenigstens so einige unerklärliche Ergebnisse der Vergangenheit ...
_________________________
Der Kinogänger (Filmblog)

Top
#8837 - 02/13/08 04:39 PM Re: Kino, Kino, Kino
elgi Offline
Archmage


Registered: 03/10/03
Posts: 5507
Loc: Germany
JOHN RAMBO:

Rocky Balbo hatte ich noch 10 Punkte gegeben, aber das geht in diesem Fall nicht... daher die höchst subjektive Note 8!

Zur Begründung: Die Story ist sehr kümmerlich... das Grundkonzept ist der Story aus Rambo 3 ähnlich, aber da war das Ganze wenigstens noch etwas erträglich. In diesem vierten Teil geht es darum, daß ein paar Vertreter einer christlichen Vereinigung in den USA ins Kriegsgebiet von Birma gehen und dort den Rebellen mit Medizin, Religion und einem milden Lächeln helfen wollen. Das geht natürlich schief, das Dorf, in dem sie mit Hilfe von Rambo landen, wird ausgelöscht, sie selbst werden verschleppt.
Der Reverend der Vereinigung heuert daraufhin eine Gruppe von Söldnern an, um sie zu retten. Auch diese Söldner werden von Rambo ins entsprechende Gebiet gefahren - nur diesmal geht Rambo mit.

Die Dialoge sind größtenteils nervig, die Schauspieler bis auf Sly Stallone eher schlecht als recht. Aber dafür ist die Kameraarbeit gut gelungen, der Soundtrack actiongeladen und druckvoll (und beinhaltet natürlich das schöne Urthema von Jerry Goldsmith aus dem ersten Teil) - und die Action ist sehr sehenswert. Ein wirklich sehr harter Film, der in kurzen Momenten splatterfilmhafte Züge trügt. Aber wie schon erwähnt wurde der Film in Deutschland trotz fehlender Jugendfreigabe um eine Minute geschnitten - und diese Schnitte kann man teilweise sehr deutlich erkennen. Vor allem ist es schade, wenn man die Trailer kennt... denn zwei, drei der heftigsten aber eindrucksvollsten Szenen wurden in der deutschen Version verstümmelt, während sie in den USA sogar als R-Rated gezeigt wurden.
Normalerweise würde ich dem Film nicht mehr als 6 Punkte geben, aber da ich ein irrationaler Rambo-Fan bin, sehe ich das Ganze aus Nostalgiegründen natürlich etwas lockerer. Zudem hat mit Sly Stallone ziemlich gut gefallen, als wieder einmal unwilliger Killer. Da gibt es ein, zwei Szenen, in denen die Musik unheilvoll wird, Sly langsam irgendwie teilweise in Großaufnahme ins Bild kommt und dann irgendwann die Hölle losbricht. Fand ich schön.

Daher höchst subjektive 8 Punkte und die Garantie, daß viele Leute diesen Film - teilweise zurecht - nicht gut finden werden. Er ist auch nicht so gut wie Rocky Balboa, aber stellt dennoch einen recht gelungenen Abschluss der Reihe dar (filmisch insbesondere am Ende).
_________________________
Nigel Powers: "There are only two things I can't stand in this world. People who are intolerant of other people's cultures... and the Dutch!"

Top
#8838 - 02/13/08 05:36 PM Re: Kino, Kino, Kino
Ddraigfyre Offline
Ancient Dragon


Registered: 03/10/03
Posts: 8022
Loc: Krynn
CLOVERFIELD:

In Antwort auf:

Insgesamt ist "Cloverfield" ein durchaus unterhaltsames Monster-Movie, das zu 99% davon lebt, daß es dem Zuschauer mittels Ich-Perspektive und Handkamera das Gefühl gibt, mittendrin im Geschehen zu sein. Wie gesagt: Der Clou funktioniert, aber man hätte deutlich mehr daraus machen können. 7 Punkte.




Den heutigen Tag würde ich als denkwürdig erachten, denn überraschenderweise muss ich mich Ralfs Rezension und Urteil größtenteils anschliessen.

Wenn man die ersten überaus belanglosen und stinklangweiligen 20 Minuten des Films überstanden hat ohne einzuschlafen, nimmt die Sache plötzlich richtig Fahrt auf und bremst auch bis zum Ende fast nicht mehr ab.

Zwischenzeitlich fängt dass verwischte Gezappel der Handkamera zwar immer wieder mal an tierisch zu nerven, aber die im Ganzen gut erzeugte Spannung macht das nahezu wieder wett. Die SFX sind gelungen, auch wenn die Einbindung derselben nicht so anspruchsvoll gewesen sein dürfte wie hier vermutet - da man aufgrund der teils unscharfen und wackeligen Handkamera auch nicht so präzise und detailliert arbeiten musste.

Abgeschwächt wird der dokumentarische Eindruck der Handkamera allerdings arg durch die deutsche Syncronisation. Wenn ich das Gefühl haben soll, wirklich mitten im Geschehen zu sein oder mir einen "Augenzeugenbericht" anzusehen, dann erwarte ich, dass in Manhatten englisch gesprochen wird. Von daher dürfte eine DVD-Fassung mit O-Ton da noch einiges reissen. Die deutschen Synchronsprecher machen m.M.n. ihre Sache auch nicht sonderlich gut - das klingt alles sehr emotionslos und laienhaft.

Die Sache mit der Handkamera ist auch anfangs durchaus noch glaubhaft, jedoch gegen Ende des Films, wenn sich die extremen Ereignisse überschlagen, kauft man das dem Regisseur nicht mehr so ganz ab. Ich zumindest glaube nicht, dass noch irgendjemand ans Filmen denkt, wenn er selbst und seine Freunde direkt neben ihm ums nackte Überleben kämpfen und alle in absoluter Panik sind. Spätestens nach der Sache mit dem Helikopter ist das absolut unglaubwürdig. Vielleicht würde ein professioneller TV-News-Kameramann beim Bericht aus Krisengebieten dazu noch abgebrüht genug sein, Otto Normalbürger jedoch wohl eher nicht.

Alles in allem bietet der Film aber spannende Unterhaltung mit leichten Durchhängern und das Konzept mit der durchgängigen Handkamera geht tatsächlich auf, bringt es den Zuschauer doch zum Mitfiebern - auch wenn man tatsächlich mehr daraus hätte machen können.

Von mir gibt's dafür 6 Punkte - und das will schliesslich schon was heissen.
_________________________

Top
#8839 - 02/14/08 10:02 AM Re: Kino, Kino, Kino
Ralf Offline
Archmage


Registered: 03/11/03
Posts: 9122
Loc: Franken
THERE WILL BE BLOOD:

USA, zu Beginn des 20. Jahrhunderts: Daniel Plainview (Daniel Day-Lewis) stößt bei einsamen Grabungen in einem Stollen auf eine Ölquelle. Der Beginn einer langen und erfolgreichen Karriere als "Ölmann", wie er selbst sich voller Stolz bezeichnet. Innerhalb weniger Jahre wird Daniel zu einem reichen Mann, der immer neues Land kauft und darauf Ölquellen erschließt. Durch einen Tip gerät er zu einer kleinen Ortschaft mitten im kargen Ödland, wo nicht einmal Getreide wächst. Doch dafür gibt es dicht unter dem Boden schier unermeßliche Ölvorräte. Daniel kauft den Einwohnern ihr Land ab und beschäftigt sie bei der Ölförderung. Neben der Öl-Konkurrenz hat er nur einen echten Gegenspieler: den jungen Eli Sunday (beeindruckend: Newcomer Paul Dano), der sich zum Prediger und Wunderheiler berufen sieht und damit in der Ortschaft auf seine Weise ähnlich erfolgreich ist wie Daniel. Dem als überzeugtem Atheisten ist Eli ein Dorn im Auge - doch das gilt auch umgekehrt ...

Ich danke Paul Thomas Anderson aus ganzem Herzen! Ich danke ihm dafür, daß er mir eine Gelegenheit gegeben hat, von der ich kaum noch zu träumen wagte: Einmal ein klassisches "Golden Era"-Hollywood-Epos auf der großen Kino-Leinwand zu sehen, das man ohne weiteres in eine Reihe mit Meisterwerken wie "Citizen Kane", "Jenseits von Eden", "Die Katze auf dem heißen Blechdach" oder "Der Schatz der Sierra Madre" stellen kann!

Paul Thomas Anderson ist dieses Kunststück tatsächlich geglückt.
Es gibt so vieles an "There will be Blood", das begeistert und fasziniert:
Die sorgfältig ausgearbeiteten Charaktere; die bemerkenswerte Musik von Jonny Greenwood, die eigentlich weniger Musik ist als vielmehr vertonte Stimmung und Gefühle; das meisterhafte Schauspiel von Daniel Day-Lewis natürlich; die virtuos arrangierten und gefilmten Bilder, die sich häufig - und zurecht! - auf ihre eigene Aussagekraft verlassen und auf viele Worte verzichten; die allgegenwärtige, aber selten aufdringliche Symbolik, die geradezu zum wiederholten Ansehen auffordert; die epische und dabei allzu menschliche Handlung von Macht und Machtgier, von Liebe und Haß, von Schuld und Sühne, von Öl und Religion ...

"There will be Blood" ist kein normaler Film und ganz bestimmt kein einfacher Film. Dafür entzieht er sich zu stark und zu konsequent den heute gültigen Kino-Konventionen.
Welcher Hollywood-Film kann es sich sonst schon leisten, so stark auf die Bilder und Taten zu vertrauen und dabei mitunter minutenlang komplett auf Gesprochenes zu verzichten? Welcher Hollywood-Film traut sich schon, auf Musik im klassischen Sinne fast komplett zu verzichten? Welches Hollywood-Epos kommt heutzutage schon ohne eine echte Liebesgeschichte aus?

[WARNUNG! Die nächsten Abschnitte sind eher Analyse des Films als Teil der Kritik. Wer den Film also auf jeden Fall noch sehen will, sollte erst nach dem Ende meiner Warnung weiterlesen. Auf konkrete Spoiler verzichte ich dennoch größtenteils, wer sich also noch nicht sicher ist, dem könnte das folgende eventuell bei der Entscheidungsfindung helfen, ohne zu viel zu verraten. ]

Und dennoch geht es sehr wohl um die Liebe in diesem Film, sie spielt sogar eine ganz gewichtige Rolle. Nur geht es hier nicht beziehungsweise nur ganz am Rande um die Liebe zwischen Mann und Frau, sondern um die Liebe zwischen Vater und Sohn, um die Liebe zwischen Geschwistern. Und auch um die Liebe zur Macht und um die Liebe zu Gott!

Ein besonders wichtiger Baustein ist dabei Daniels Beziehung zu seinem Ziehsohn H.W. (Dillon Freasier), dem er einmal im Zorn sagt, er hätte ihn nur aufgenommen, damit bei seinen Geschäftsverhandlungen ein nettes Gesicht zugegen sei. Tatsächlich nutzt er das Kind auch ständig für seine Zwecke aus - nur dank ihm kann er die Leute überzeugen, daß er ein "Familienunternehmen" führt und alle seine Arbeiter großzügig in diese Familie aufnimmt.
Und doch ist es zweifelsfrei echte väterliche Liebe, die Daniel für seinen Ziehsohn empfindet. Auch, wenn er es nur selten zeigen kann und mitunter als alleinerziehender Vater schlichtweg hoffnungslos überfordert ist ...

Ein zweiter wichtiger Baustein des Films ist das alles andere als unkomplizierte Verhältnis zwischen Daniel und dem jungen Prediger Eli. Zwei Männer, die unterschiedlicher in ihrer Art und der Wahl ihrer Mittel kaum sein könnten - und sich doch so viel ähnlicher sind als alle Väter und Söhne im Film. Beide sind auf ihre Weise Kapitalisten. Beide wollen vor allem eines: Macht und Erfolg! Nur daß der eine dabei auf Öl setzt und der andere auf Religion.
Auch die Wirtschaft, der Kapitalismus spielt also eine Rolle in "There will be Blood", allerdings stehen die Charaktere eindeutig im Vordergrund. Anderson zeichnet ein realistisches, objektives Bild. Er verheimlicht nicht, daß Daniel mit seiner Ölförderung großen Wohlstand für die ganze Region bringt. Doch damals gab es eben noch keine oder zumindest viel zu wenige Grenzen, die dem Kapitalismus gesetzt wurden. Denn der Mensch ist nunmal gierig und wenn ihm keine Grenzen gesetzt werden, dann besteht immer die Gefahr, daß er viel zu weit geht. Daniel weiß das. Er weiß und gibt es offen zu, daß er ein zorniger und neidischer Mann ist, der keinem anderen Erfolg gönnt. Und schon gar nicht dem - wie er es sieht - Betrüger und Blender Eli Sunday.
Nein, Daniel ist definitiv kein Menschenfreund. Und dennoch oder vielleicht auch gerade deshalb ist er mit all seinen Stärken und Schwächen so unglaublich menschlich und real. Und deshalb funktioniert es auch, daß er der merkwürdige Protagonist - nicht der Held! - dieser faszinierenden Geschichte ist. Als Zuschauer mag man ihn nicht unbedingt. Manch einer wird ihn wahrscheinlich sogar verabscheuen.
Aber man kann ihn verstehen. Man kann sogar Mitgefühl mit ihm empfinden.

[ENDE DER WARNUNG!]

Bemerkenswert ist auch, daß Anderson bis auf Day-Lewis und Nebendarsteller Ciarán Hinds komplett auf bekannte Namen verzichtet in seiner Besetzung verzichtet hat. Dennoch sind die darstellerischen Leistungen ohne Fehl und Tadel, offensichtlich wurde also in das Casting ähnlich viel Zeit und Arbeit investiert wie in das Drehbuch (das übrigens eher lose auf dem Roman "Öl!" von Upton Sinclair basiert) und die eigentlichen Dreharbeiten.

Fazit: "There will be Blood" ist kein Film, er ist ein Kino-Ereignis! Wer sich auf ein 160-Minuten-Epos mit langen Einstellungen und wenigen Dialogen, dazu noch ohne Liebesgeschichte oder echte Sympathieträger einlassen kann und will, der wird belohnt werden: Mit einem an klassische griechische Dramen erinnernden Charakterdrama, mit prächtigen Bildern und überzeugender Atmosphäre, mit einer vieldeutigen, zum Nachdenken und Diskutieren anregenden Handlung und mit tollen Schauspielern. Lediglich über die Bewertung des Filmendes muß ich selbst noch ein wenig nachdenken ...
10 Punkte!

Edit: Ich lese übrigens gerade, daß der Komponist Jonny Greenwood im "normalen Leben" Gitarrist bei Radiohead ist. Hatte mich schon gewundert, daß Anderson die Musik jemandem so unbekannten überläßt.


Edited by Ralf (02/14/08 10:11 AM)
_________________________
Der Kinogänger (Filmblog)

Top
#8840 - 02/14/08 02:17 PM Re: Kino, Kino, Kino
Ragon_der_Magier Offline
Archmage


Registered: 03/10/03
Posts: 6879
Quote:

... Lediglich über die Bewertung des Filmendes muß ich selbst noch ein wenig nachdenken ...
...




Ja nee, is klar, Ralf!

Ehrlich gesagt muß ich aber konstatieren, daß Du echt nachläßt, Herr Ralf-Ranicki.
Ich hatte nach der Lektüre die 11 im Grunde fest eingeplant.



Top
#8841 - 02/15/08 06:02 AM Re: Kino, Kino, Kino
Ralf Offline
Archmage


Registered: 03/11/03
Posts: 9122
Loc: Franken
Achso, das fällt mir jetzt erst auf. Ich meinte beim Ende die "Bewertung" nicht qualitativ, sondern inhaltlich. Sprich: Ich bin mir ganz sicher, wie man das interpretieren soll. Beziehungsweise war. Inzwischen habe ich eine eigene Interpretation.

Aber wie gesagt: Es gibt so vieles in diesem Film, über dessen Interpretation man wunderbar diskutieren kann - ich hoffe, du oder Elgi oder Pat oder sonstwer schaut ihn sich bald an. Sonst platze ich noch (naja, oder ich habe die ganzen Details bis dahin wieder vergessen ...)!
_________________________
Der Kinogänger (Filmblog)

Top
Page 116 of 165 < 1 2 ... 114 115 116 117 118 ... 164 165 >


Moderator:  ForkTong, Macbeth, Raze